Schloss Charlottenburg

Bildvergrößerung: Schloss Charlottenburg, 20.6.2014
Bild: Bezirksamt, KHMM
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Schloss, vom Park aus gesehen, 3.5.2007 Bild: Bezirksamt, KHMM

Gesamtanlage unter Denkmalschutz, im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG)

Das Schloss Charlottenburg ist neben dem Zeughaus Berlins bedeutendste erhaltene Barockanlage, sowie die größte der neun bestehenden Schlossanlagen Berlins. Beherbergt das Schlossmuseum mit Schauräumen und dem ehemaligen das Museum für Vor- und Frühgeschichte . Im Knobelsdorff-Flügel war bis zum Frühjahr 2001 die Galerie der Romantik untergebracht; hier voraussichtlich zukünftig die Sammlungen des ehemaligen Hohenzollernmuseums aus dem zerstörten Schloss Monbijou.

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Schloss Charlottenburg, 13.3.2007 Bild: Bezirksamt, KHMM

Das Alte Schloss wurde 1695-99 nach Plänen von Johann Arnold Nehring für die spätere Königin Sophie Charlotte unter dem Namen Lietzenburg im Stil des italienischen Barocks errichtet. Bauleiter war Martin Grünberg,. 1702-13 wurde der Corps de logis von Johann Friedrich Eosander von Göthe zur Dreiflügelanlage erweitert, mit Turm, Kapelle und Orangerie. Nach dem frühen Tod Sophie Charlottes 1705 erhielt das Schloss den Namen Charlottenburg, und die Ansiedlung erhielt unter dem gleichen Namen Stadtrechte, 1740-46 errichtete Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff den Neuen Flügel. 1787-91 wurde der Orangerietrakt durch den Theaterbau von Carl Gotthard Langhans verlängert. 1790 wurde die Kleine Orangerie parallel zum Eosanderflügel, vermutlich von Georg Friedrich Boumann, errichtet. Heute ist darin ein Restaurant untergebracht.
Nach ihrer Hochzeit mit Friedrich Wilhelm III. 1793 wurde Schloss Charlottenburg einer der Lieblingsorte der Kronzprinzessin und seit 1797 Königin Luise. Am 26.10.1806 zog Kaiser Napoleon I. in das Charlottenburger Schloss ein und bewohnte die Zimmer der Königin Luise. Außenminister Wilhelm von Zastrow verhandelte hier mit ihm ein Waffenstillstandsabkommen. Nach der Rückkehr aus Königsberg nach Berlin am 23.12.1809 bewohnte Luise wieder ihre Appartements im Charlottenburger Schloss. Nach dem frühen Tod Luises 1810 errichtete Heinrich Gentz unter Mitwirkung Karl Friedrich Schinkels nach Vorstellungen Friedrich Wilhelms III. im Schlossgarten am Ende einer dunklen Tannenallee ihr tempelartiges Mausoleum. 1813 wurde hier der von Christian Daniel Rauch geschaffene Marmorsarkophag mit der darauf liegenden Statue Luises aufgestellt. Später kamen die Sarkophage Friedrich Wilhelms III., Kaiser Wilhelms I. und Kaiserin Augustas hinzu. 1824 ließ sich Friedrich Wilhelm III. östlich des Neuen Flügels an der Spree nach Plänen Schinkels den Neuen Pavillon errichten. Im Frühjahr 1888 bewohnte der bereits todkranke Kaiser Friedrich III mit seiner englischen Frau Victoria das Schloss Charlottenburg.
1927 wurde das Schloss als Museum zur Besichtigung eröffnet. 1943-45 wurden die Schlossgebäude durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Schlösserdirektorin Margarete Kühn setzte durch, dass sie in den folgenden Jahren bis 1962 wieder hergestellt wurden. Die Rekonstruktion im Inneren dauerte bis zum Ende der 70er Jahre.

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Blick von der Gartenseite, 13.3.2007 Bild: Bezirksamt, KHMM

1952 wurde das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten , das Andreas Schlüter 1696 geschaffen hat, im Ehrenhof aufgestellt. Bei der vergoldeten Fortuna auf der Turmkuppel handelt es sich um eine Nachschöpfung von Richard Scheibe von 1954.
1975-76 wurden auf der Balustrade der Gartenseite 20 ca. 2,20 Meter hohe moderne Plastiken aufgestellt, die von Berliner Bildhauern dem Barock nachempfunden wurden. Entsprechende Schmuckfiguren waren vermutlich ursprünglich dort vorgesehen, wurden aber zunächst nicht realisiert. Die Plastiken zeigen mythologische Figuren, Allegorien und den römischen Kunstfreund Maecenas. Im Mai 1996 mussten die Figuren wegen Absturzgefahr wieder abgenommen werden. 10 Jahre lang standen sie im Garten neben der Kleinen Orangerie. Sie wurden restauriert und am 23.1.2007 auf die komplett sanierte Ballustrade wieder aufgesetzt.

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Feuerwerk im Jubiläumsjahr am 18.6.2005 Bild: Raimund Müller

Am 2.10.1990 verabschieden sich die Alliierten aus Berlin mit einer Ehrenparade vor dem Schloss Charlottenburg.
Am 7.6.2003 scheitert ein Einbruch im Schloss an der Alarmanlage. Die Diebe versuchten, die Kroninsignien von Friedrich I. und seiner Gemahlin Sophie Charlotte zu stehlen, die seit Januar 1995 im Kronkabinett von Schloss Charlottenburg ausgestellt sind. Die goldenen Kronen ließ sich der Preußenkönig für seine Selbstkrönung 1701 in Königsberg herstellen. Sie wurden von allen preußischen Monarchen bis zum letzten deutschen Kaiser Wilhelm II als Zeichen von Würde und Macht getragen und im Berliner Stadtschloss aufbewahrt.
Während der Renovierung von Schloss Bellevue 2005 war das Schloss Charlottenburg Sitz des Bundespräsidenten und wurde für Empfänge und Staatsbesuche genutzt.
Am 5.4.2005 veranstaltete das Bezirksamt Charlottenburg Wilmersdorf im Weißen Saal des Schlosses den Jubiläumsakt ’300 Jahre Charlottenburg’ mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit als Festredner.
Vom 1. bis zum 3.7.2005 veranstaltete die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gemeinsam mit der DEAG das erste Charlottenburger Schlossgartenfest ‘Ein Fest für Sophie Charlotte’ . Unter der musikalischen Leitung von Christoph Hagel wurde zur Musik von Henry Purcell, Johann Sebastian Bach, Händel, Vivaldi und Pachelbel das Leben von Sophie Charlotte in einer opernhaften Inszenierung nachgezeichnet.
Am 27.9.2006 veranstaltete Innenminister Wolfgang Schäuble die erste deutsche Islam-Konferenz im Schloss Charlottenburg.
Vom 26.11. bis zum 26.12.2007 veranstaltete das Werbeteam Berlin erstmals einen Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg.
Am 14.3.2008 gab die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten nach lang andauernden Auseinandersetzungen der Uferweg im Schlosspark für das Radfahren frei.

s. auch Schlosspark

Literatur
  • Stifung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg SPSG (Hg): Schloss Charlottenburg in Berlin – Im Wandel denkmalpflegerischer Auffassungen (= Jahrbuch der SPSG Bd.7), Berlin (Akademie) 2007