Deutsche Theaterszene protestiert für Serebrennikow

Deutsche Theaterszene protestiert für Serebrennikow

Deutsche Theaterschaffende haben sich mit dem schuldig gesprochenen Starregisseur Kirill Serebrennikow solidarisch gezeigt.

Demonstration vor der russischen Botschaft Berlin

© dpa

Theaterregisseur Jossie Wieler steht vor einem Transparent mit der Aufschrift «Free Kirill».

Sie forderten bei einer Demonstration vor der russischen Botschaft in Berlin seine Freilassung. Wie die Dramaturgin Birgit Lengers schilderte, wurde vergeblich versucht, dem Botschafter eine Unterstützerliste mit 56 000 Unterschriften zu überreichen.

«Alle haben Angst»

Bei dem Protest seien schätzungsweise 120 Menschen gewesen, so Lengers, die den internationalen Bereich des Deutschen Theaters Berlin leitet. Unter den Teilnehmern waren demnach neben Schauspieler Lars Eidinger weitere Theaterschaffende wie Ulrich Khuon, Thomas Ostermeier und Jossi Wieler. Zur Stimmung unter den russischen Kollegen sagte Lengers: «Alle haben Angst». Es sei ein schwarzer Tag.

Verfahren gegen Serebrennikow gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland

Ein russisches Gericht hatte zuvor Serebrennikow in einem umstrittenen Verfahren am Freitag (26. Juni 2020) schuldig gesprochen. Das Strafmaß war zunächst unklar. Der 50-Jährige wurde wegen Veruntreuung von Fördergeldern verurteilt, wie das Bezirksgericht der Agentur Interfax zufolge in Moskau entschied. Das Verfahren gegen den auch in Deutschland bekannten Künstler gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland.

Schaubühne Berlin: «fassungslos und empört»

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft beantragt. Zahlreiche russische Künstler veröffentlichten im Vorfeld der Urteilsverkündung Videos, in denen sie ein ungerechtes Justizsystem beklagten. Die Schaubühne Berlin betonte, dass es Anschuldigungen gebe, «die in dem seit 2017 laufenden Strafprozess in keiner Weise belegt werden konnten». Das Theater sei «fassungslos und empört», dass Serebrennikow mehrere Jahre in einem Gefängnis verbringen solle.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 26. Juni 2020