Jetzt sprießen die Stangen wieder aus dem Boden

Mai/Juni 2018

Die ersten Spargelstangen beim offiziellen Erntestart des "Spargelhofes Märkerland" in Schlunkendorf
Bild: Gero Schreier

von Ursula A. Kolbe

So lange wie in diesem Frühjahr (gefühlte Ewigkeiten), wurde die Geduld der Spargelliebhaber schon lange nicht mehr auf die Probe gestellt. Immer wiederkehrende kalte Nächte wollten den Spargel einfach nicht wachsen lassen. So verstrichen auch die Osterfeiertage ohne das einheimische Edelgemüse auf dem Mittagsteller. Es sei denn, man griff tief in die Geldbörse und kaufte im Berliner KeDeWe das Kilo Spargel für 30 Euro – gewachsen auf einem Brandenburger Acker, der beheizt worden ist. Die Frage von Aufwand und Nutzen steht da wohl zu Recht im Raum.

Doch nun, am 12. April, konnte Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger als Gast des Beelitzer Spargelvereins e.V. und natürlich in Anwesenheit der amtierenden Spargelkönigin Lara Luisa Kramer den offiziellen Startschuss zur diesjährigen Spargel-Saison geben, und zwar auf dem Spargelhof Märkerland in Schlunkendorf, einem Ortsteil von Beelitz, der anerkannten Spargelstadt vor den Toren Berlins und Potsdams.

Wie es mit dem Spargel begann…

Schon die Griechen haben den Spargel gekannt. Sie schätzten ihn aber hauptsächlich als Arzneimittel. Von den Römern wurde er später schon als Gemüse geschätzt.

Auf eine lange Tradition blickt auch der Beelitzer Spargel zurück, begründet vom Glasermeister und Ackerbauer Karl Friedrich Wilhelm Herrmann. Der erste Spargel kam hier 1861 in den Boden. In der Folge konnten dann die ersten Spargelstangen – ab 1870 in großen Mengen auch auf dem Berliner Markt – verkauft werden.

Die hervorragenden Wachstumsbedingungen aufgrund des sandigen Bodens des Beelitzer Sanders und seines kontinentalen Klimas sind Garant dafür, dass der Spargel sich hier besonders durch einen ausgewogenen Geschmack ohne Bitterkeit und Frische auszeichnet.

Diese Qualität war Anlass, die regionale Spezialität schützen zu lassen. Was nun der Fall ist: Die Europäische Union hat den Beelitzer Spargel am 15. März in die Liste der geschützten europäischen Produkte aufgenommen. D. h., nur Spargel, der rund um die Stadt Beelitz im Land Brandenburg angebaut wird, darf damit das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.) tragen.

Dieses Gütezeichen bürgt nicht nur für die Qualität eines hochwertigen landwirtschaftlichen Erzeugnisses und sorgt damit für den Schutz gegen Missbrauch und Nachahmung der Produktbezeichnung; es bedeutet auch eine hohe Verantwortung der Unternehmen.

Der Brandenburger Spargelanbau

Aktuell gibt es eine deutliche Ausdehnung der Anbauflächen gegenüber dem Vorjahr. Landesweit wird sogar die größte Anbaufläche seit 1991 erfasst. In Brandenburg produzierten im letzten Jahr 99 Gartenbaubetriebe Spargel auf insgesamt 4.873 Hektar. Davon stehen 3.881 Hektar tatsächlich im Ertrag (2015: 3.345 Hektar). Mit 71 Prozent an der gesamten Gemüseanbaufläche ist Spargel in Brandenburg die bedeutendste Kultur in diesem Bereich.

Über die größte Anbaukonzentration verfügt dabei mit 2.558 Hektar (2016) der Landkreis Potsdam-Mittelmark. Hier sind, insbesondere rund um Beelitz, auf Spargel spezialisierte Betriebe konzentriert. Etwa 30 große und kleinere Betriebe bauen in der Region dieses Edelgemüse an. Insgesamt gibt es hier allein 4.000 Hektar Spargelfläche, d. h. 90 Prozent der gesamten Spargelanbaufläche des Landes. – Bundesweit wird übrigens nur noch in Niedersachsen mit 6.188 Hektar mehr Spargel angebaut.

Interessant ist auch zu wissen, dass der durchschnittliche Ertrag des Jahres 2017 bei 56,6 dt je ha und damit knapp über dem deutschen Durchschnittsertrag von 56,4 dt je ha lag. Damit war 2017 ein gutes Ertragsjahr, denn der Wert liegt über dem Mittel der letzten sechs Jahre mit 55,5 dt je ha. Der Gesamtertrag wird mit 22.000 Tonnen angegeben, die größte Erntemenge seit 1991. Und: Laut Statistik kaufte jeder Haushalt 2,2 kg des begehrten Gemüses. 84 Prozent des in Deutschland verkauften Spargels stammen aus inländischer Produktion.

Jetzt also ist wieder Spargelzeit. Und wir können wählen zwischen den besonders milden weißen, den etwas kräftigeren violetten oder den am kräftigsten schmeckenden, oberirdisch wachsenden grünen, darüber hinaus vitaminreichsten Stangen. Sie alle bestehen übrigens zu 93 Prozent aus Wasser.

100 Gramm Spargel haben nur 17 Kalorien (85 Joule) sowie zwei Gramm Kohlenhydrate. Neben der entschlackenden Asparaginsäure enthält Spargel Kalium, Phosphor, Kalzium und die Vitamine A, B1, B2, C, E sowie Fohlsäure.

Oder in diesem Sinne: Bis Johanni nicht vergessen, sieben Wochen Spargel essen! Bis zum 24. Juni! Das heißt dann so: Kirschen rot, Spargel tot! Aber zuerst denken wir noch an die Beelitzer Spargelhymne, in dem die Knirpse aus der Natur-Kita „Sonnenschein“ zur Eröffnung u. a. sangen: „Willst du lecker Spargel essen, darfst du Butter nicht vergessen…“