Ein großer Tag für ein kleines Tier

Mai Juni 2019

Biene auf blühendem Wiesenschaumkraut
Biene auf blühendem Wiesenschaumkraut
Bild: M. Großmann / pixelio.de

von Ursula A. Kolbe

Die Biene – seit jeher hat sie sich in die Herzen der Jüngsten eingeschlichen, wenn sie das heute fast 200 Jahre alte Lied von Hoffmann von Fallersleben „Summ summ summ! Bienchen summ‘ herum!“ vor sich hin sangen oder mit einstimmten. Und jahrzehntelang wurde auch der Hit von Karel Gott über Biene Maja mitgeträllert.

Ja, die Biene ist Teil der Natur, wichtig für die Landwirtschaft, unsere Ernährung überhaupt. Aber das Bienensterben hat schon bedrohliche Ausmaße angenommen, und das hatte auch die Vereinten Nationen auf den Plan gerufen und den 20. Mai zum Weltbienentag ausgerufen.

Es gilt, ihre Bedeutung als Bestäuber für Biodiversität und Ernährungssicherheit immer wieder ins Bewusstsein zu rücken. Ebenso werden die Bienen als guter Indikator für ein gesundes Ökosystem angesehen. Laut Schätzungen des Weltrats für Biologische Vielfalt (Intergovernmental Science.Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) schaffen sie mit ihrer „Arbeit“ einen wirtschaftlichen Wert von bis zu 577 Mrd. US-Dollar.

Vergegenwärtigen wir uns: Bienen sind eine große Insektengruppe. Weltweit gibt es schätzungsweise 20.000 Arten, die meisten davon Wildbienen. Von den einst 560 Bienenarten in Deutschland ist heute die Hälfte bedroht oder ausgestorben. Auch die Honigbiene steht unter Stress. Doch viele sind bedroht, etwa durch Viren oder Parasiten wie die Varroamilbe. Monokulturen, Versiegelung und der großflächige Einsatz von Pestiziden setzen den Bienen arg zu.

Jüngst auf der Grünen Woche war vom Deutschen Imkerbund zu erfahren, dass seine 120.000 Mitglieder rund 820.000 Bienenvölker halten. Insgesamt produzieren hierzulande 870.000 Völker jährlich 25.000 Tonnen Honig – 20 Prozent des Bedarfs. Und – neben Rind und Schwein ist die Honigbiene eines der drei wichtigsten Nutztiere.

Der Imkerbund setzt sich ebenso für Wildbienen und andere Insekten ein, denn diese haben die gleichen Umweltbedingungen. Geschäftsführerin Barbara Löwer dazu: Auch wenn es seit 2008 einen erfreulichen Zuwachs an Imkern und –innen gibt, hat sich die Situation für Honig- und Wildbienen kaum verändert. Der Nahrungsmangel, vor allem in den Sommermonaten in den ländlichen Gebieten, stellt nach wie vor eines der Hauptprobleme für alle Blüten besuchenden Insekten dar. Selbst wenn unsere Mitglieder mehr Bienenvölker halten wollten, ist dies nicht möglich, wenn die Rahmenbedingungen dafür nicht stimmen.“

Jeder Einzelne könne dazu beitragen, diese Situation zu verbessern, ohne gleich in die Imkerei einzusteigen. „Die bienenfreundliche Gestaltung des eigenen Umfeldes und der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz sollte der erste Schritt sein, um Bienen zu helfen.“

Volksinitiative für den Insektenschutz

Nach den Ländern Bayern und Brandenburg tendiert auch in Berlin die Ampel für eine Volksinitiative im Sinne eines besseren Insektenschutzes zu grün. Denn die von der Koalition angestrebte Charta für das Stadtgrün komme nur schleppend voran. Während es in den Flächenländern darum geht, das Insektensterben auf landwirtschaftlichen Flächen einzudämmen, könnte sich Berlin mit seinen Gärten und Parkanlagen als insektenfreundliche Großstadt profilieren.

Und Bundesumweltministerin Svenja Schulze – Sie will den Insektenschutz in Deutschland gesetzlich festschreiben. Es soll verbindliche Vorgaben geben, mit Änderungen im Naturschutzrecht, Pflanzenschutzrecht, Düngerecht sowie im Wasserrecht. Dass in Europa die Bestände der Bestäuber-Insekten in den vergangenen 30 Jahren um bis zu drei Viertel zurückgegangen sind, sollte das Interesse jedes Einzelnen zum Schutz unserer Ressource Insekten den Artenschutz fördern.

Warum gerade der 20. Mai?

Den Antrag an die Vereinten Nationen hatte Slowenien auf Initiative seines Imkerbundes eingebracht, dem sich 115 Länder, darunter alle EU-Staaten, Brasilien, China, Rußland und die USA angeschlossen hatten. Die Geschichte dazu verweist auf Anton Janscha, der am 20. Mai 1734 in Bresniza geboren wurde und ein slowenischer Hofimkermeister von Maria Theresia in Wien war.

Janscha gilt als Erfinder der ersten Zargenbetriebsweise und war Rektor der weltweit ersten modernen Imkerei-Schule; ist Verfasser zahlreicher Bücher über Bienenzucht und Imkerei. Übrigens gilt er auch als Erfinder des Krainer Bauernstockes, den er aus den in der Krain üblichen Horizontalbauten entwickelte. Eine abgewandelte Variante davon ist in jüngster Zeit besonders in Deutschland wieder populär geworden.

Slowenien will nun eine internationale Imkerschule aufbauen, in der (angehende) Imker aus aller Welt, insbesondere aus Entwicklungsländern Grundwissen für den Umgang mit den wichtigen Insekten erlernen sollen. Das Land selbst bietet den besten Grundstock, hat es doch eine lange Tradition in Sachen Bienen und Imkerei: Jeder 200. Slowene ist Imker – der höchste Wert weltweit.

Größte Biene der Welt wiederentdeckt

Weil wir gerade beim Weltbienentag sind: Jüngst erschien eine Meldung in den Medien, dass die Wallace-Riesenbiene nach Jahrzehnten erstmals wieder gesichtet worden sei. Diese größte Bienenart der Welt hat eine Expertengruppe auf einer abgelegenen indonesischen Insel entdeckt.

Seit 1981 hatte keiner mehr die bedrohte Bienenart in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen. Ein Glücksfall für die Bienenforscher. Es sei „einfach unglaublich“ gewesen, wie schön und groß diese Art ist, „das Geräusch ihrer riesigen Flügel zu hören“, sagte Bienenfotograf Clay Bolt in einer Mitteilung der Umweltschutzorganisation Global Wildlife Conservation (GWC).

Bereits im 19. Jahrhundert war die Biene – komplett schwarz und rund viermal so groß wie eine Honigbiene – vom britischen Naturforscher Russel Wallace entdeckt worden und nach ihm auch benannt. Bolt fand nun einen Bienenstock auf einer Insel der nördlichen Molukken. Bienenexperte Eli Wyman von der Universität Princeton hofft, dass dieser Fund weitere Forschung anstößt, „die uns ein besseres Verständnis für die Lebensgeschichte dieser sehr einzigartigen Biene gibt“ und sie vom Aussterben schützt.

Auf der roten Liste der bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird die Riesenbiene (Megachile pluto – lat.) als „gefährdet“ geführt.