Ludwig van Beethoven: Ein Denker in Tönen

Januar Februar 2020

Porträt von Ludwig van Beethoven
Porträt von Ludwig van Beethoven
Bild: Ausschnitt aus einem Gemälde von Joseph Karl Stieler

von Ursula A. Kolbe

Beethoven ist überall. Ein global wirkender Künstler, dessen Sprache keiner Übersetzung bedarf. Allgegenwärtig sind seine Symphonien oder Klavierkonzerte – live vor Tausenden von Menschen aufgeführt oder auf CD, im Radio, Internet. Er ist der meistgespielte Komponist der Welt und seine berühmte 9. Sinfonie das meistgespielte Werk.

Beethoven gilt als der Komponist, der die Musik der Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung geführt und der Romantik den Weg bereitet hat. Insbesondere in den für die Epoche der Wiener Klassik grundlegenden Formen der Sinfonie, der Klaviersonate und des Streichquartetts hat er Werke geschaffen, deren musikgeschichtlicher Einfluss kaum zu übertreffen ist.

Aber Beethoven war noch viel mehr. Er war Revolutionär, Visionär und Kosmopolit. Er steckte voller Fantasie und musikalischer Ideen, er war schwermütig und schwerhörig, mutig und leidenschaftlich. Er hat von Kindheit an ein Leben gelebt, das kaum intensiver hätte sein können. Das auch 250 Jahre später in all seinen Facetten geehrt wird.

Die Anfänge und der weitere Weg

Ludwig van Beethoven wurde wahrscheinlich am 16. Dezember 1770 in Bonn als Sohn einer Musikerfamilie geboren und einen Tag später getauft. Sein Vater Johann war Tenorist an der kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn, sein Großvater Ludwig der Hofkapellmeister in Bonn. 1781 wurde der junge Beethoven Schüler des Hoforganisten Christian Gottlieb Neefe und bereits nach wenigen Monaten sein Meisterschüler. Im „Magazin der Musik“ lobte Neefe den jungen Künstler als einen zweiten Mozart – lenkte damit schon früh die Aufmerksamkeit auf Beethovens Begabung. Apropos Begabung. Schon im Alter von sieben Jahren trat er zum ersten Mal öffentlich als „klavierspielendes Wunderkind“ auf.

Neefe war es weiter, der den jungen Meister künstlerisch und menschlich förderte. Vermutlich auf seine Fürsprache hin erhielt Ludwig 1787 auf Einladung des Kurfürsten eine Reise nach Wien finanziert. Hier wurde er als Schüler von Wolfgang Amadeus Mozart weiter ausgebildet. Die tödliche Erkrankung seiner Mutter ließ ihn aber nach Bonn zurückkehren. Nach dem Tod der Mutter übernahm er die Fürsorge der Familie.

Doch nacg dem Tod der Mutter reiste er 1792 erneut nach Wien, blieb dort bis an sein Lebensende. Auf Empfehlung von Graf Ferdinand von Waldstein ist Beethoven in die Adelswelt aufgenommen worden. Nun wurde er Meisterschüler von Haydn. Er studierte in den nächsten Jahren u. a. Kompositionslehre, auch italienische Klavierkomposition. 1795 trat Beethoven erstmals mit eigenen Klavierkompositionen in Adels-Häusern auf und verdiente sich in kurzer Zeit höchstes Ansehen. Durch die Unterstützung seiner Förderer war es ihm nun möglich, als freier Komponist zu arbeiten.

Tiefe Einschnitte im Leben

Der große Meister musste aber auch tiefe Schicksalsschläge verkraften. 1795 machten sich erste Anzeichen einer sich ausweitenden Hörschädigung bemerkbar, die ihn immer mehr zu einem Einzelgänger werden ließ, 1808 zu starker Schwerhörigkeit und schließlich 1819 zu völliger Taubheit führte. Dieses Schicksal setzte seiner Karriere als Pianist ein vorzeitiges Ende und löste eine Krise aus, über die Beethoven 1802 in seinem „Heiligenstädter Testament“ Zeugnis ablegte – ein Abschiedsbrief an seine Brüder, ein ergreifendes Dokument seiner Hilflosigkeit gegenüber seines körperlichen und physischen Zustandes. Unterhaltung war bald nur noch schriftlich möglich. Seine bis heute erhaltenen Konversationshefte geben eine tragische Vorstellung über das Empfinden eines vereinsamten Menschen und Genies.

Der dennoch bis ins hohe Alter aktive Komponist verstarb im Alter von 57 Jahren zurückgezogen in Wien. Seiner Beerdigung in Währingen wohnten Tausende bei und lauschten der von Franz Grillpartzer verfassten Grabrede. 1888 wurden die Gebeine in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof überführt.

Ludwig van Beethoven zählt zu den Vollendern der Wiener Klassik. Zu seinen wichtigsten Werken gehören: die neun Symphonien, die fünf Klavierkonzerte, das Violinkonzert, die 16 Streich-Quartette, 32 Klaviersonaten, die einzige Oper „Fidelio“ sowie die Messe op. In C-Dur und die Missa solemnis op. 123. Seine Werke sind weltweit bekannt und berühmt.

Die Geburtsstadt und ihre Highlights

Bonn ist im Beethovenfieber, und „Da simmer dabei“, ruft es derzeit von den Plakatflächen der Stadt, denn seine Bewohner wollen ihn jetzt im 250. Jubiläumsjahr unter der Dachmarke „BTHVN2020“ besonders feiern. Das Jubiläumsjahr steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Eröffnet wurde es bereits mit der Vernissage der zentralen Ausstellung des Jubiläumsjahres „Beethoven – Welt. Bürger. Musik“ in der Bundeskunsthalle. Ihre Pforten sind bis zum 26. April diesen Jahres geöffnet.

Dass Ludwig van Beethoven nicht nur Klassikliebhaber beschäftigen sollte, ist in der künstlerischen Haltung des Komponisten begründet. „Beethoven wendet sich als individueller, moderner Künstler an die Gesellschaft, ja, an die Menschheit als Ganzes. Seine musikalisch formulierte Utopie eines friedlichen Zusammenlebens der Völker hat Appellcharakter.“ In Beethovens eigenen Worten heißt es: „Allein Freyheit, weiter gehn ist Kunstwelt, wie in der ganzen grossen Schöpfung, Zweck.“

Die Veranstaltungen und Aktionen werden von fünf Programmsäulen getragen, die den Buchstaben des Jubiläumslogos „BTHVN2020“ entsprechen: Beethoven als Bonner Bürger („B“), als Tonkünstler („T“), als Humanist („H“), Visionär („V“) und Naturfreund („N“). Einige Beispiele:

Zu „B“ gehören ein Beethovenfest, ein Beethoven-Rundgang in Bonn und Umgebung, Illumination und Bespielung der Stadt sowie die Neupräsentation und Erweiterung des Beethoven-Hauses Bonn, des Geburtshauses des Komponisten.

„T“: Im Jubiläumsjahr werden sämtliche Werke des überaus produktiven Komponisten aufgeführt. Das Beethovenfest, das üblicherweise im September stattfindet, erhält eine zusätzliche Spielzeit im Frühjahr. Jazz, Rock, Pop- und Clubmusik werden mit Beethoven-Bezug gespielt.

„H“: Eine Bürgerinitiative will 2.500 Hauskonzerte in ganz Deutschland möglich machen. Darüber hinaus ist eine Ausstellung zu „Musik und Politik“ geplant. Der Bedeutung von Beethovens 9. Sinfonie wird in einem weltweiten Projekt nachgegangen. Der Bereich Tanz wird mit dem Choreographie-Projekt „Beethoven MOVES“ abgedeckt.

„V“: Unter dem Namen „FUTURA“ soll ein „Konzert-Kahn“ mit experimentellen Musikaufführungen entlang der Route Bonn-Wien schippern. Im „Base Camp Neue Musik“ wird jungen Menschen das Einmaleins der Komposition nahe gebracht. Ebenso findet ein Festival für Musik im 21. Jahrhundert sowie mit virtuellen Klangwelten und musikalischen Raumexperimenten statt.

„N“: Im Beethoven Pastoral Project werden Konzerte und Aufführungen am Weltumwelttag 2020 global vernetzt. Geplant sind auch Beethoven-Landpartien und Picknicks.

Die jeweils aktuellen Termine aller „BTHVN2020“-Projekte siehe Veranstaltungskalender www.bthvn.de/programm/veranstaltungskalender/. Das kostenlose Magazin mit Programmvorschau erhältlich bei der Beethoven Jubiläums GmbH und ihren Partnern.

Wien – Arbeits- und Lebensmittelpunkt

Ludwig van Beethoven fand in Wien seinen Schaffensort sowie den Uraufführungsort der meisten seiner Werke. Hier kann man den Spuren seines bewegten Lebens folgen, seine Wohn- und Gedenkstätten besuchen, an den Orten seiner Triumphe und des Leidens sein. Der WienTourismus lässt im Gedenkjahr WahlwienerInnen über Ihr Verhältnis zur Musikhauptstadt erzählen und entwickelte gemeinsam mit den Wiener Symphonikern ein Interaktives Beethoven-Hörspiel für Amazon Alexa und Google Home. Die Österreichische Nationalbibliothek stellt bis April 2020 Originalbriefee und Handschriften aus. Darüber hinaus werden viele bekannte Werke Beethovens auf die Wiener Bühnen gebracht.

Überhaupt lebt das reiche musikalische Erbe der Wiener Klassik in der Musikhauptstadt Wien mit ungebrochener Vitalität und Vielfalt weiter. Heute wie vor 250 Jahren ist Wien die tonangebende Musikstadt. Hier hören jeden Abend 10.000 Musikbegeisterte klassische Musik live in Staatsoper, Musikverein, Konzerthaus, Volksoper und zahlreichen weiteren Musikinstitutionen. Wien ist es gelungen, sein großes historisches Klassik-Erbe in die Gegenwart zu transponieren und mit neuen Impulsen zu bereichern.

Einst erkor Beethoven Wien zu seinem Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Heute zählen zu den bekanntesten WahlwienerInnen u. a. die OpernsängerInnen Anna Nebtrebko, Elina Garanca und Juan Diego, der Dirigent Philippe Jordan und die Musiker Julian Rachlin und Aleksey Igudesman. „In Amerika ist Nashville die ‚Musikhauptstadt der USA‘, aber in Europa ist Wien die Musikhauptstadt“, sagt einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Solokünstler, der Sänger, Pianist und Songschreiber Billy Joel. Und Filmmusik-Legende Hans Zimmer meint: “Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, der unglaublich inspirierend für Musiker ist, so ist das nach wie vor Wien.“

Der WienTourismus hat zum Themenjahr 2020 eine innovative Voice-Anwendung für die Sprachassistenten von Amazon und Google produziert. Wer den Alexa Skill bzw. die Google Action Beethovens Wien bzw. Beethovens Vienna aktiviert, startet ein interaktives Hörspiel zum Leben und Werk von Beethoven. Erzählt werden Geschichten und Anekdoten, die auch für Beethoven-Kenner Überraschungen beinhalten und viel über seine Werke und Persönlichkeit verraten. Gemeinsam mit der Österreich-Werbung entwickelte der WienTourismus zudem einen smarten Audio-Guide in der Sonnenbrille. Mit Bose Frames samt Lautsprecher und der neuen #RelatedToAustria-App führt Beethoven akustisch durch Wien und New York.