Dem Himmel nah

März April 2019

Klosterkirche Neuzelle
Bild: Waltraud Käß

von Waltraud Käß

„Dem Himmel nah“ war das Motto des Jahres 2018 für das Zisterzienserkloster Neuzelle. Während der gesamten Zeit wurde das 750-jährige Jubiläum des Klosterkomplexes, der im Jahre 1268 begründet wurde, gewürdigt und gefeiert. Beim Namen Neuzelle taucht sofort ein weiterer Name auf. Ein dort gebrautes,
dunkles Bier trägt den Namen des Ortes und ist schon einige Jahre auf dem Markt. Mönche brauten schon zu sehr früher Zeit eigenes Bier und so wundert es nicht, dass die Brauerei unmittelbar vor dem Eingang zum großen Klosterareal liegt.

Neuzelle (lat. Nova Cella) liegt in der Niederlausitz in der Nähe von Eisenhüttenstadt, südlich von Frankfurt/Oder, und auch Guben und die Oder sind nicht weit entfernt. Damit ist das Kloster auch ein Besuchermagnet für polnische Bürger. Von Berlin aus erreicht man den Ort und das Kloster mit der Regionalbahn und natürlich auch dem Auto in relativ kurzer Zeit.

Wer sich dem Kloster nähert, sieht das „Barockwunder Brandenburgs“, wie es auch genannt wird, schon von weitem auf einer Anhöhe liegen. Der Weg zum Toreingang führt vorbei an einer Teichanlage und dann öffnet sich dem Besucher ein großer Klosterhof und sein Blick fällt sofort auf die monumentale,majestätische Kirche St. Marien, an die sich linksseitig ein Kreuzgang mit Refektorium anschließt.

Auf der rechten Seite des Hofes befindet sich das Museum Himmlisches Theater. Kommt man zum Ende des Hofes, weitet sich der Blick und trifft auf die sanft hügelige Landschaft und hinunter in den Klostergarten. Wendet sich der Besucher dann nach rechts, kommt er zur 1741 geweihten, ehemals katholischen Pfarrkirche Zum Heiligen Kreuz, die im Jahre 1817 im Zusammenhang mit der Gründung eines Lehrerseminars zur evangelischen Pfarrkirche wurde.

Viele solcher Baudenkmäler wie das Kloster haben eine wechselvolle Geschichte erlebt, die kann der Besucher hautnah auch hier im Museum erleben. Alles begann mit einer Stiftung. Markgraf Heinrich der Erlauchte aus dem Hause Wettin wollte seiner verstorbenen Frau Agnes ein Denkmal setzen. Doch er verfolgte damit auch den Zweck, die Gegend zwischen Oder und Schlaube dem Christentum zu erschließen.

Die Legende besagt, dass die ersten Bauarbeiter Mönche des Klosters Altzella in Sachsen waren, die mit Manneskraft, Hacke, Schaufel, Spaten und Schubkarre den Bergsporn abtrugen, um das Plateau für die gesamte Klosteranlage zu schaffen. Um das Kloster herum wurde eine umfangreiche Grundherrschaft von über 30 Dörfern in der Niederlausitz und der Mark Brandenburg eingerichtet. Die Einnahmen aus diesen Dörfern, und die Frondienste, die die armen Bewohner leisten mussten, kamen dem Kloster undseiner Verwaltung zugute.

Ehrfürchtig bestaunten später die Gläubigen die Pracht des Bauwerks, fühlten sich dem Himmel nahe und hatten doch einen hohen Preis dafür bezahlt. Während der Hussitenkriege im frühen 15. Jahrhundert zerstörten böhmische Truppen das Kloster. Um es danach neu aufzubauen, verkaufte der Klerus einfach einige seiner Dörfer. Das Kloster blieb eine katholische Insel in einer durch die Reformation nunmehr protestantisch gewordenen Umgebung. Noch einmal wurde die Klosteranlage während des Dreißigjährigen Krieges schwer beschädigt.

Die Reparaturen während des 17. und 18. Jahrhunderts wurden genutzt, den Innenausbau böhmischen Baumeistern und Künstlern zu übertragen. Sie wollten eine „Ahnung vom Himmelreich“ für die Gläubigen schaffen, und so wurde dieses „Barockwunder“ geschaffen, welches den Besucher durch seine Wucht und seine Pracht fast erdrückt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Kloster Neuzelle zur böhmischen Ordensprovinz der Zisterzienser.

Als Folge des Wiener Kongresses im Jahre 1813 verloren die Habsburger die Niederlausitz, die nun dem Staat Preußen zufiel. König Friedrich Wilhelm III. säkularisierte (Säkularisation= Überführung kirchlichen Besitzes in weltliches Eigentum) im Jahre 1817 das Kloster. Die Mönche verließen das Kloster. Ein Lehrerseminar und ein Waisenhaus wurden eingerichtet.

1955 wurde das Stift Neuzelle verstaatlicht, im Jahre 1996 wurde es in eine Stiftung überführt. Um den ursprünglichen Zweck des Klosters wiederherzustellen, lud der Bischof von Görlitz die Zisterzienser der Abtei/Stift Heiligenkreuz in Österreich ein, erneut Mönche in Neuzelle anzusiedeln. Dieser Einladung folgte der dortige Konvent im Jahre 2016. Wenn die Information stimmt, befinden sich seit dem Jahre 2018 bereits wieder sechs Mönche im Kloster.

Am Anfang des Beitrags wurde die Brauerei erwähnt. Aber dort befindet sich auch eine Brennerei. Nach dem „Bildungsrundgang“ im Kloster kann man sich anschließend hier entspannen und eine Verkostung der Produkte mit der angebotenen Führung koppeln.

Wer die Absicht hat, eine Fahrt oder eine Wanderung durch das schöne Schlaubetal nach dem geschichtsträchtigen Neuzelle zu unternehmen, der hat damit ein ganzes Ausflugspaket für Körper, Geist und Seele gebucht.