Rudolf Diesel – ein großer Erfinder, der seinen Erfolg nicht erlebte

Januar Februar 2019

Bildnis des Erfinders Rudolf Diesel
Bild: Wikipedie / gemeinfrei

von Tristan Micke

Rudolf Diesel wurde am 18. März 1858 als zweites Kind des Buchbinders und Lederhändlers Theodor Diesel in Paris geboren, wo er auch aufwuchs. Der Vater hatte seine Heimatstadt Augsburg 1848 verlassen und war nach Paris gezogen. Hier lernte er seine spätere Ehefrau kennen.

Die Familie Diesel lebte bis 1870 in Paris. Nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs wurden alle Nichtfranzosen aus Frankreich ausgewiesen. Die Familie verließ daraufhin Paris Richtung London. Rudolf Diesel zog später allein von London nach Augsburg, in die Geburtsstadt seines Vaters, und lebte hier bei seinem Onkel.

1872 sah Diesel bei einem Besuch des physikalischen Kabinetts der Industrieschule zu Augsburg ein “pneumatisches Feuerzeug”, in dem in einem Glaszylinder ein Stück Zunder zu glimmen begann, wenn der darin befindliche Kolben kräftig niedergerückt und die Luft durch das Komprimieren stark erhitzt wurde.
Dieses Experiment beeindruckte den damals vierzehnjährigen Jungen derart, dass es seinen künftigen Lebensweg bestimmen sollte. Ab 1875 studierte Diesel Maschinenbau an der Technischen Hochschule München und war danach für die Berliner Firma Linde als Kälteingenieur tätig.

1883 heiratete Rudolf Diesel Martha Flasche. 1884 wurden Sohn Rudolf, 1885 Tochter Hedy und 1889 Sohn Eugen geboren.
Am 28. Februar 1892 meldete Rudolf Diesel das erste deutsche Hauptpatent auf “Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungskraftmaschinen” an.

Zusammen mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (M.A.N.) und der Firma Friedrich Krupp in Essen entwickelte Diesel die später nach ihm benannte Verbrennungskraftmaschine, den Dieselmotor. Schon beim ersten offiziellen Abnahmetest am 17. Februar 1887 in Augsburg hatte sich der Einzylinder-Versuchsmotor mit einer Leistung von 20 PS und 172 Umdrehungen pro Minute als wirtschaftlichste Verbrennungskraftmaschine der Welt erwiesen.

Professor Moritz Schröter von der Technischen Hochschule München ermittelte an diesem einfachen Versuchsmodell einen Gesamtwirkungsgrad von 26,2 %. Die Wirkungsweise des Dieselmotors beruht darauf, dass im Zylinder durch den Kolben Luft hoch komprimiert und dadurch auf 700 bis 900 Grad erhitzt wird. Der dann eingespritzte Kraftstoff entzündet sich bei diesen Temperaturen von selbst explosionsartig und treibt den Kolben zurück. Die so entstandene Energie wird über Pleuelstange und Schwungrad in eine Drehbewegung umgewandelt.

Anders als der Ottomotor kommt der Dieselmotor ohne elektrische Zündung aus. Der Dieselmotor arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie das “pneumatische Feuerzeug” aus dem Augsburger physikalischen Kabinett. Nach Experimenten mit Petroleum und Gas betrieb Diesel seinen Motor nun mit Schweröl, einem Nebenprodukt bei der Destillation von Erdöl, welches für andere Zwecke wenig verwendbar und daher wesentlich billiger als Benzin war. Dadurch machte sich der Vorteil gegenüber den anderen Verbrennungsmotoren, vor allem in späteren Kriegs- und Krisenzeiten, erst richtig bemerkbar.

Zunächst wollte Diesel seinen Motor nur stationär in der Industrie einsetzen. Erst später dachte er an seine Anwendung im Verkehrswesen. Noch behinderte der bei den ersten Dieselmotoren zum Einblasen des Kraftstoffs notwendige schwere und störanfällige Kompressor (bezeichnet als Einblasmaschine) die rasche Verbreitung des Motors im Verkehrswesen.

Da schon lange vor dem Dieselmotor andere Verbrennungsmotoren zur Verfügung standen (Nikolaus Otto hatte 1877 ein Patent für seinen Motor erhalten) waren die ersten Automobile und die wenigen Motorlokomotiven der damaligen Zeit mit Ottomotoren ausgestattet und wurden mit Benzin, Benzol, Petroleum oder Gas betrieben. Verbrennungsmotoren gestatten einen schnellen Start und ermöglichen bei längeren Fahrpausen ihr kurzfristiges Abstellen. Dagegen haben sie aber ein für den Fahrzeugbetrieb ungünstiges Betriebsverhalten, welches durch die Ausführung der Kraftübertragungseinrichtungen und durch zusätzliche technische Maßnahmen ausgeglichen werden muss.

Rudolf Diesel war kein Geschäftsmann, er war ein Techniker. Nach einem 1898 erlittenen Nervenzusammenbruch, verursacht durch geschäftliche und patentrechtliche Probleme (in England arbeitete fast zur gleichen Zeit wie Diesel auch Ackroyd Stuart an der Verdichtungszündung) verbrachte Diesel den Herbst des Jahres wegen chronischer Erschöpfung in der Heilanstalt Neuwittelsbach bei München. Erst 1908, nach Ablauf der Patentfristen, konnte Diesel wieder an der Weiterentwicklung seines Motors arbeiten.

Jetzt entstanden Kleinmotoren und die ersten Dieselmotoren für Lastkraftwagen und Lokomotiven. 1912 stellte die dänische Rederei “Ostasiatische Schifffahrtsgesellschaft” in Kopenhagen das erste Dieselschiff namens “Selandia”, einen 7 400 t großen Zweischrauber mit zwei Dieselmotoren in Dienst. Danach setzten andere Länder ebenfalls Dieselschiffe ein. 1913 befuhren schon mehr als 300 mit Diesels Motor betriebene Schiffe die Weltmeere, und es erschien das Buch “Die Entstehung des Dieselmotors”.

Den umfassenden Einsatz seines Motors bei Straßen- und Schienenfahrzeugen sollte Diesel jedoch nicht mehr erleben. Bei einer ab 1909 bei der Firma Borsig gebauten Großdiesellokomotive, die 1912 fertiggestellt worden war, gab es noch zahlreiche Probleme zu lösen.

In der Nacht vom 29. zum 30. September 1913 ertrank der 55jährige Rudolf Diesel auf einer Schiffsreise mit dem Dampfer “Dresden” auf rätselhafte Weise. Er war unterwegs zu einer Reihe von Vorträgen in Großbritannien. Seine Leiche wurde erst am 18. Oktober 1913 in der Nähe des belgischen Ortes Roompat an der Mündung der Westerschelde gefunden. Die schon stark verweste Leiche konnte nur durch die Kleidung und einige persönliche Gegenstände identifiziert werden. Letztmalig wurde Diesel auf dem Schiff, welches ihn von Antwerpen nach Harwich bringen sollte, am 29. September 1913 gegen 22 Uhr beim Betreten seiner Schiffskabine gesehen.

Am nächsten Morgen fand der Steward die Kabine leer vor und das Bett war unbenutzt. Man ging von Selbstmord aus, da Diesel erhebliche finanzielle Sorgen hatte und unter gesundheitlichen Problemen litt. In einem Brief an seine Frau schrieb er von einem beklemmenden Gefühl und depressiver Stimmung, ohne den Grund dafür zu nennen. Noch am Tag vor seinem Tod hieß es in einem Brief an seinen Sohn: “Mir geht es seit einiger Zeit nicht nach Wunsch. Mein Herz macht mir viel zu schaffen. Manchmal meine ich, es bliebe ganz stehen.”

Betrügerische Manager aus der Autoindustrie haben heute den Dieselmotor in Verruf gebracht. Die Erfindung des Motors durch Rudolf Diesel schuf jedoch eine effiziente Verbrennungskraftmaschine, die besonders die Entwicklung von Fahrzeugen geprägt hat. Alles hat seine Zeit: Mit den hohen Ansprüchen an den Umweltschutz ist nun ein Umdenken bei der Antriebstechnik von Fahrzeugen erforderlich, was aber den Verdienst Rudolf Diesels nicht mindert.