Kunstschätze in Schloss Doberlug

Mai/Juni 2018

Eine Frau in einer Bilderausstellung
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

von Edelgard Richter

Die einzigartige ostpreußische Sammlung Dohna-Schlobitten kommt nach Brandenburg und kann dann besichtigt werden. Sie wird von 2019 bis 2029 als Leihgabe im Museum Schloss Doberlug (Landkreis Elbe-Elster) zu sehen sein, das damit einen Schwerpunkt der mitteleuropäischen Adelskultur setzt.

Dazu haben die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und der Bund jetzt ihre Zustimmung gegeben. Der mehr als 1.000 Objekte, darunter Gemälde, Grafiken, Bücher, Skulpturen, Möbel, Textilien, Silber, Glas und Porzellane umfassende Bestand europäischer Adelskultur gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen seiner Art in deutschem Museumsbesitz. Kulturministerin Martina Münch, der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Hartmut Dorgerloh, und der Landrat des Landkreises Elbe-Elster, Christian Heinrich-Jaschinski, begrüßten die Entscheidung und dankten den Beteiligten.

Schloss Schlobitten liegt in der polnischen Gemeinde Slobity, früher Schlobitten) im ehemaligen Ostpreußen, jetzt Woiewodschaft Ermland-Masuren. Es war der Familiensitz des Adelsgeschlechte Dohna-Schlobitten seit 1624 und wurde mehrmals erweitert. Mehr als 70 Zimmer, ein großer Festsaal sowie eine umfangreiche Bibliothek gab es im Schloss, das von den preußischen Königen oft besucht wurde.

Die Kunstsammlung bestand aus 450 Gemälden, kunstgewerblichen Möbeln, Teppichen, Porzellanen, Münzsammlungen und niederländischen Fayencen. Die Bibliothek enthielt Erstausgaben klassischer Literatur aus dem 16. Jahrhundert, aber auch staatswissenschaftliche Werke und theologische Literatur, so unter anderem Werke von Erasmus von Rotterdam, eine Bibel aus dem Jahre 1556 und zehn Bände mit Predigten von Martin Luther von 1555 bis 1558. 1945 wurde das Schloss durch Brandstiftung nach dem Einmarsch der Roten Armee zerstört.

Heute stehen nur noch die Umfassungsmauern des Gebäudes. Nach Aussagen von Einheimischen brannte es drei Tage lang. Jetzt soll die Schlossruine einer polnischen Investorengruppe gehören. Die Burggrafen zu Dohna hatten als einflussreiche Familie eine enge Bindung an dem brandenburgisch-preußischen Hof. Dadurch gelangten zahlreiche Werke der Berliner Kunst ins ostpreußische Schlobitten. Die dort seit Jahrhunderten ansässigen Dohnas ergänzten und bewahrten die Sammlung mehr als 400 Jahre lang bis zum Zweiten Weltkrieg.

Der letzte Schlossherr, Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten, konnte einen Großteil der Kunstschätze kurz vor Ende des Krieges verlagern. Fürst Alexander zu Dohna-Schlobitten (1899-1997) wurde 1944 wegen „Ungehorsam und politischer Unzuverlässigkeit“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen. Schon damals beschäftigte er sich mit einem Fluchtplan, der im Januar 1945 umgesetzt wurde. 360 Menschen in 38 Pferdewagen setzten sich mit 140 Pferden aus der Trakehner-Zucht Richtung Westen in Bewegung und kamen nach zwei Monaten und 1.500 Kilometern in Hoya bei Nienburg an der Weser an, wo viele Schlobittener ansässig wurden.

Im Jahr 1978 erwarb die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Berlin mit Förderung der Lotto-Stiftung Berlin einen Teil der Sammlung als Ersatz für die im Krieg verlorenen Kunstschätze in Schloss Charlottenburg. Später folgten weitere Ankäufe, unter anderem vom Bund im Jahr 1992, um den gewachsenen Sammlungszusammenhang dauerhaft bewahren zu können. Seit 2009 zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ausgewählte Exponate der Sammlung Dohna-Schlobitten im Schloss Schönhausen in Berlin.

Alle anderen Stücke sind in den Depots der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, da die Möglichkeiten einer weiteren räumlichen und thematischen Entwicklung des Bestands in Schönhausen begrenzt sind.
1662 wurde das Rittergut in Berlin-Pankow, heute Schloss Schönhausen, von Gräfin Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten erworben, die dort ein Herrenhaus erbauen ließ. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Besitz mehrmals die Eigentümer und diese veränderten die Baulichkeiten.

So wurde bereits um 1680 anstelle des Gebäudes aus dem Jahr 1662 ein Sommerschlösschen errichtet, das um 1704 zum heutigen Schloss Schönhausen erweitert wurde.
Während der ersten brandenburgischen Landesausstellung „Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft“ im Jahr 2014 in Schloss Doberlug entstand die auch von der Familie Dohna getragene Idee, die Sammlung künftig dort auszustellen.

Ende des kommenden Jahres wird die Stiftung Preußische Stiftung und Gärten Berlin-Brandenburg erste Vorbereitungen für den Umzug der Sammlung treffen. Im Jahr 2019 werden erforderliche Restaurierungen von einzelnen Exponaten erfolgen und der Transport der Kunstschätzen vorbereitet. Ab 2019 soll bereits eine erste Sonderausstellung mit ausgewählten Einzelstücken einen ersten Einblick in das Kunstinventar der Burggrafen zu Dohna-Schlobitten ermöglichen. Im Jahr 2020 soll dann die neue Dauerausstellung eröffnet werden.

Kulturministerin des Landes Brandenburg, Martina Münch, erklärte: „Ich danke dem Bund und der Lotto-Stiftung Berlin für die Zustimmung, die Sammlung Dohna-Schlobitten für zehn Jahre in ihrer Vielfalt in Schloss Doberlug präsentieren zu können. Die Übernahme dieses Bestands ist für das Schlossmuseum nach dem großartigen Erfolg der ersten brandenburgischen Landesausstellung zu Preußen und Sachsen im Jahr 2014 ein weiterer Glücksfall.

Mit der Sammlung Dohna-Schlobitten gelangen faszinierende Objekte europäischen Ranges, deren kulturhistorische Bedeutung erheblich zur überregionalen Attraktivität beitragen werden, nach Doberlug und stärken den dortigen Museumsstandort“.
SPSG-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh führte aus: „Im Schloss Doberlug kann die einzigartige Sammlung Dohna-Schlobitten erstmals in ihrer Vielfalt und in ihr angemessenen Räumen gezeigt werden.

Dem Bund, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Lotto-Stiftung Berlin ist ausdrücklich dafür zu danken, dass dies nun möglich wird. Schloss Doberlug bekommt damit die Chance, Geschichte und Bedeutung mitteleuropäischer Adelskultur in moderner Weise zu vermitteln“.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski sagte: „Die Leihzusage für die Sammlung Dohna-Schlobitten erfüllt uns mit großer Freude. Ich danke den Leihgebern für das Vertrauen, dass sie in uns setzen. Dank ihnen können wir ab 2020 im Schloss Doberlug unsere neue Dauerausstellung Adelskultur von europäischem Rang präsentieren und haben die einmalige Chance, den Ort zu einem kulturellen Leuchtturm zu entwickeln, der über den Süden Brandenburgs hinaus ausstrahlt“.

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer meinte: „Ich finde es großartig, dass eine so gute Lösung gefunden wurde: Eine solche Vielzahl an Objekten an einem Ort wie Schloss Doberlug zusammenzuführen, erlaubt es, Kunst und Kunstgeschichte in einem würdigen Rahmen zu präsentieren“. Marion Bleß, Vorstand der Lotto-Stiftung Berlin, betonte: „Lotto Berlin engagiert sich seit vielen Jahrzehnten intensiv für die Kunst und Kultur in Berlin.

Möglich ist dies durch den Einsatz unzähliger Berliner Lotto-Spielerinnen und -Spieler, die dafür sorgen, dass es auch Gewinnerinnen und Gewinner ohne Spielschein gibt. Denn von jedem Euro, den die Berliner für Lotto 6aus49, Keno, Eurojackpot oder Glücks-Spirale ausgeben fließen mindestens 20 Cent in die Lotto-Stiftung Berlin.

Wir freuen uns, dass die Spielerinnen und Spieler mit ihren über 8 Millionen Tipps dazu beigetragen haben, dass diese wunderbare Sammlung jetzt einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden kann. Allen Beteiligten danken wir für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Realisierung dieser Ausstellung“.