Urania-Maxime: Wissensdurst breiter Massen stillen

Mai/Juni 2018

Blick auf das Urania-Gebäude in Berlin
Bild: Urania Berlin e.V.

von Ursula A. Kolbe

Als „Insel der Wahrheit“ hatte kürzlich der Philosophieprof. Harald Lesch, vielen bekannt auch als TV-Moderator, kürzlich die Berliner Gesellschaft Urania gewürdigt; jene Einrichtung, die vor nunmehr 130 Jahren, also anno 1888, mit dem Ziel gegründet wurde, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum nahezubringen. Getreu der Gründungssatzung, den Wissensdurst breiter Massen zu stillen.

Die ersten Impulse hatte 1827/28 schon Alexander von Humboldt mit seinen öffentlichen Kosmos-Vorlesungen im damaligen Gebäude der Berliner Singakademie, unmittelbar neben der Berliner Universität (heute Humboldt-Universität), gegeben. Er wandte sich an breite Bevölkerungsschichten – von Handwerkern bis zu Mitgliedern der Hofgesellschaft – und ergänzte so auch pädagogische Ziele seines Bruders Wilhelm.

Gegründet wurde dann die Urania vom Astronomen Wilhelm Foerster, einst Schüler Alexander von Humboldts und später Berliner Direktor der Königlichen Sternwarte, dem Wiener Astronomen Max Wilhelm Meyer und dem Industriellen Werner von Siemens. Ihre verbindende Idee war, den Wissensdurst der Bevölkerung durch Vorträge und Ausstellungen zu stillen. Benannt wurde die „Gesellschaft Urania“ nach der Muse Urania, die in der griechischen Mythologie als Schutzgöttin der Sternkunde gilt. Ihr hehres Anliegen ist die „Verbreitung der Freude an der Naturerkenntnis“.

Nach elf Monaten Bauzeit konnte im damaligen Gebäude der Urania in der Invalidenstraße die weltweit erste Einrichtung für wissenschaftliche Volksbildung eröffnet werden – mit Sternwarte und Theater, frei nach Urania-Vordenker Alexander von Humboldt, auch das „Gemüt zu ergötzen“.

Fortschritte und Rückschläge

Ein Blick auf das Gestern und Heute zeigt das Wirken der Urania am Puls der Zeit. Ob in der Hochphase der Industrialisierung mit Erfindungen von Glühbirne, Automobil oder Telefon, der Wandel ließ sich nicht aufhalten. Auch zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise hinterließen ihre Spuren, schränkten die breiten Aktivitäten ein. Der Bamberg-Refraktor wurde 1951 im zerstörten Urania-Gebäude abgebaut und in die Papestraße zur Wilhelm-Foerster-Sternwarte gebracht.

1953 dann wurde die Urania als eingetragener Verein neu gegründet und begann ihre Tätigkeit in den Räumen der Technischen Universität Berlin. Für Zulauf sorgten Lesungen berühmter Literaten wie Heinrich Böll, Max Frisch und Günter Grass. In die Programmplanung flossen verstärkt auch die Bereiche Kunst und Unterhaltung ein. Seit 1962 hat die Organisation ihren Standort in Berlin-Schöneberg nahe des Wittenbergplatzes.

Im Ostteil Berlins war 1954 die Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse ins Leben gerufen worden, die 1966 die Zusatzbezeichnung Urania erhielt und für ihre Publikationen den alten Verlagsnamen Urania-Verlag wiederaufnahm. Ihr Wirkungsbereich war vorrangig das Gebiet der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden daraus in den neuen Bundesländern lokale Vereinigungen, die 1991 den „Bundesverband Neue Urania“ gründeten.

Mit einer einmaligen Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist Berlin heute eine internationale Innovations- und Wissensmetropole. Mit dem Anspruch, die großen Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung aktiv mitzugestalten.

Ein Rädchen im Getriebe ist die Urania mit ihrem engagierten Team und dem Anspruch, wissenschaftliche und kulturelle Bildung auf höchstem Niveau für alle zugänglich zu machen. Beratend dabei ein Kuratorium, dem u. a. die Präsidenten der Berliner Universitäten, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Helmholtz-Gemeinschaft angehören.