Alltag und Kampfauftrag

November / Dezember 2019

Blick in den Hauptraum der Sonderausstellung
Blick in den Hauptraum der Sonderausstellung
Bild: Günter Knackfuß

von Günter Knackfuß

Das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst glänzt mit einer neuen Sonderausstellung. Kurator Christoph Meißner hat in nur einem Jahr die historische Schau „Alltag und Kampfauftrag“ der Sowjetarmee in der DDR gestaltet. Eine Geschichtsepoche die jeder von uns kennt, über die aber sensationell neue Sichtweisen und Dokumente gezeigt werden.

Die Stationierung sowjetischer Soldaten gehörte zum Alltag in der DDR. Sie war eine Folge des Zweiten Weltkrieges. Die sowjetischen Streitkräfte kamen 1945 als Sieger und blieben für 45 Jahre als Besatzungsmacht in der DDR. Sie standen im geteilten Deutschland an der Nahtstelle des Kalten Krieges. Hochgerüstet mit Panzern, Flugzeugen und Atomraketen war sie eine schlagkräftige Armee. Allgegenwärtig waren ihre militärischen Sperrgebiete, Flugplätze und Kasernen mit ihrem ständigen militärischen Übungsbetrieb. 1989 aber blieben die sowjetischen Soldaten in ihren Kasernen. Nach der Einheit Deutschlands vollzog sich der Abzug dieser gewaltigen Streitmacht nahezu geräuschlos.

Russische Zeitzeugen für die Interpretation

Aus Anlass des 25. Jahrestages des Abzugs der russischen Soldaten aus Deutschland wird erstmalig eine Zusammenschau der knapp 50 Jahre Anwesenheit der GSSD präsentiert. Sie basiert auf zahlreichen Objekten und Fotografien. Während der Vorbereitung standen mehrere russische Zeitzeugen für die Interpretation dieser Hinterlassenschaften zur Verfügung. Teil des gesamten Ausstellungsprojekts ist zudem die Online-Dokumentation aller Standorte der GSSD um 1990 (www.sowjetische-militärstandorte-in-deutschland.de).

Auf zwei Ebenen mit über 220 m² werden rund 120 Exponate gezeigt. Die meisten stammen von originalen Standorten der sowjetischen Armee wie Wünsdorf, Jüterbog, Krampnitz, Altengrabow. Zusätzliche Leihgaben kommen u.a. vom Garnisonsmuseum Wünsdorf, vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege sowie vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Zu besonderen Objekten gehören ein Modell von der Kaserne der in Karlshorst stationierten Berlin-Brigade (mit interaktiver Objekterläuterung), originale Uniformen, historische Grabungsfunde vom Sommer 1945, Feldpost und Erinnerungsalben von sowjetischen Soldaten und persönliche Abschiedsgeschenke von 1994.

Gegliedert ist die Sonderausstellung in vier Kapitel: die Stationierung und Lebensverhältnisse der sowjetischen Soldaten („Besatzungsarmee“), das Miteinander der alliierten Siegermächte („Siegermacht“), das Verhältnis zur DDR („Schutzmacht“) und „Der Abzug“.

Historischen Ort des Kriegsendes bewahren

Museumsleiter Dr. Jörg Morré zur Bedeutung der Ausstellung für das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst: „Für das Museum ist diese Sonderausstellung der Wegbereiter zu einem möglichen weiteren Arbeitsschwerpunkt, der neben die zentrale Aufgabe des Hauses tritt, den historischen Ort des Kriegsendes in Europa zu bewahren sowie über den deutsch-sowjetischen Krieg 1941–1945 zu informieren.“ Wenn diese wünschenswerte Entwicklung eintritt, sollten die deutschen und russischen Sponsoren zeitnah über eine bauliche Erweiterung dieses einzigartigen Museums entscheiden.

Laufzeit der Ausstellung: noch bis zum 19. Januar 2020