Internationale Gartenkunst im Blick

Januar Februar 2020

Porträt Gerhard Pritzlaff
Porträt Gerhard Pritzlaff
Bild: Pritzi

von Kempen Dettmann

Spätlese: Erst mal herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Vorsitzender des Vereins „Freunde der Gärten der Welt e.V.“.

Gerhard Pritzlaff: Vielen Dank. Man kann mir da wirklich gratulieren, weil ich Vorsitzender eines Vereins geworden bin, der sehr gut strukturiert ist, ich an die Arbeit der vergangenen Jahre nahtlos anknüpfen konnte und wir im Vorstand gemeinsam daran arbeiten, das Vereinsleben so interessant und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

Spätlese: Den Verein „Freunde der Gärten der Welt e.V.“ gibt es nun schon 10 Jahre. Warum wurde der Verein damals ins Leben gerufen?

Gerhard Pritzlaff: Hervorgegangen sind die Gärten der Welt ja aus der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau, dem späteren Erholungspark Marzahn. Nachdem dann im Jahre 2000 mit dem Chinesischen Garten beginnend internationale Gartenkunst zu einem wichtigen Teil des Areals wurde, war es also mehr als ein Erholungsort für die Anwohner. Wichtig ist aber, dass die Menschen diesen Park auch als IHREN Park ansehen. Wer kann also die Verbindung zwischen Parkanlage und Nutzern besser herstellen als ein Verein, der seine Wurzeln in Marzahn – Hellersdorf hat?
Ziel des Vereins ist es, historische, kulturelle, regionale und religiöse Grundlagen sowie Hintergründe der Gartenkunst zu vermitteln. So soll dieses einmalige Ensemble der Gartenkunst noch bekannter gemacht werden, weit über Marzahn – Hellersdorf und Berlin hinaus.

Spätlese: Was waren die Schwerpunkte in der Tätigkeit im vergangenen Jahr?

Gerhard Pritzlaff: Der Verein organisiert monatlich Veranstaltungen, in denen es im weitesten Sinne um die Vermittlung von Gartenkunst geht. Das waren Veranstaltungen vom Winterspaziergang, bei dem wir die Weiterentwicklung des Kienbergparks betrachtet haben, bis zu einer Aktion am 9. November 2019, bei der wir im Chinesischen Garten den Bambus geschnitten haben, um einige Kostbarkeiten wie Reliefs und Steine wieder sichtbar zu machen. Aus Anlass unseres 10jährigen Bestehens haben wir einen Fotowettbewerb „Mein Blick auf die Gärten der Welt“ ausgelobt und die Preisträger auf unserem Geburtstags-Picknick ausgezeichnet. Die 30 schönsten Einsendungen haben wir im Oktober vergangenen Jahres im Saal der Empfänge des Orientalischen Gartens ausgestellt.
Höhepunkt aber ist jährlich im November der Workshop „Gartenkunst im Dialog“

Spätlese: Worum ging es dabei in diesem letzten Workshop?

Gerhard Pritzlaff: Nachdem sich die ersten Workshops mit der Entwicklung zu den Gärten der Welt, in deren Folge interessante Publikationen des Vereins herausgegeben wurden, beschäftigt haben, war natürlich die IGA 2017 in den letzten Jahren ein interessantes Themenfeld. In 2019 ging es um die Nutzung des Areals. Mit dem Titel „Gärten der Welt – Erholungsort, Bildungseinrichtung oder Eventlocation?“ haben wir ein sehr aktuelles Thema in den Fokus gerückt. Experten aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Grün Berlin GmbH und der Tourismusbranche, aber auch kompetente Mitglieder unseres Vereins versorgten die Teilnehmer mit Fakten, um sich daraus eine Meinung zu erarbeiten. Man kann zusammenfassen, dass es bei den Nutzungsmöglichkeiten nicht um ein „Entweder – Oder“ sondern um ein „Sowohl als auch“ geht.

Spätlese: Mit der IGA 2017 haben die Gärten ja erheblichen Zuwachs bekommen mit ihrem weltweit einmaligen Konzept. Worauf werden Sie jetzt die Tätigkeit konzentrieren und welche konkreten Vorhaben sind angedacht?

Gerhard Pritzlaff: Als Verein werden wir uns immer wieder einbringen, die internationale Gartenkunst als Schwerpunkt der Gärten der Welt in den Mittelpunkt zu rücken. Wir arbeiten eng mit der Grün Berlin GmbH als Betreiber der Gärten der Welt zusammen. Im Moment erarbeiten wir das Jahresprogramm für unsere Vereins – Veranstaltungen. Mit Interesse begleiten wir den Bau des Jüdischen Gartens. Bestimmt würde eine Baustellenbegehung das Interesse vieler Besucherinnen und Besucher wecken. Vielleicht hat sich der Eine oder die Andere schon mal gefragt, warum es trotz der Trockenheit in den Gärten der Welt immer so schön grün ist. Hier planen wir eine Veranstaltung zum Thema „Wasserwirtschaft in den Gärten der Welt“. Mir als Vorsitzender des Vereins ist es aber auch wichtig, die Netzwerke in Marzahn – Hellersdorf enger zu knüpfen. Da ich während der IGA 2017 als Volunteer und auch als Gästeführer im Einsatz war, möchte ich die Zusammenarbeit der Vereine, Institutionen und Firmen, die alle Gutes für die Gärten der Welt erreichen wollen, mehr zusammenbringen. Man darf gespannt sein, was es 2020 Neues geben wird. Schauen Sie immer mal wieder auf unsere Homepage des Vereins www.freunde-der-gaerten-der-welt.de in die Rubrik „Aktuelles“. Auf unserer Homepage und in den lokalen Medien finden Sie auch aktuelle Hinweise zu unseren Veranstaltungen.

Spätlese: Wie wird man Mitglied der Freunde?

Gerhard Pritzlaff: Der einfachste Weg führt über unsere Homepage. Hier gibt es einen Reiter „Mitglied werden“. Dort kann man einen Aufnahmeantrag herunterladen und ausgefüllt an den Verein Freunde der Gärten der Welt e.V. senden. Es gibt dort auch ein Online – Formular. Ich selbst bin erst seit Anfang 2019 Mitglied. Ich wurde angesprochen, ob ich nicht aktiv im Verein Freunde der Gärten der Welt e.V. mitarbeiten möchte. Mögen sich also die Leserinnen und Leser dieses Interviews angesprochen fühlen, sich aktiv in das Vereinsleben einzubringen. In letzter Zeit wird immer wieder der Begriff „Heimat“ strapaziert. Ich sage: Nur wer sich aktiv in einem Verein für seine Region einsetzt, hat eine Heimat.

Das Gespräch führte Kempen Dettmann