Marzahner Mühle

Mühle in Alt-Marzahn
Mühle in Alt-Marzahn
Bild: BA Marzahn-Hellersdorf

Aktuelles

Vorankündigung

Zur IGA 2017 wird an der Mühle ein “Mühlsteingarten” u.a. mit einem historischen Kollergang, einer ehemaligen Tabaksmühle aus dem alten Berlin und einer Dauerausstellung zu den Mühlen in den 5 ehemaligen Dörfern des Stadtbezirkes eröffnet.

Eine dritte Mahlanlage ist in der Mühle im Bau und wird das Angebot an Mühlenprodukten künftig vervollständigen. Mit stimmungsvoll beleuchteten Flügeln können abendliche Sonderführungen und Veranstaltungen wie das Alt-Marzahner Erntefest wieder bereichert werden.

Die Marzahner Mühle und der Mühlenverein Berlin-Marzahn e. V.

Bereits im Jahr 1815 wurde durch den Mühlenmeister Christian Friedrich Krüger an der Dorfstraße 14 die erste Marzahner Mühle gebaut. Es folgte an gleicher Stelle im Jahre 1870 ein zweiter Mühlenbau. Dieser wurde durch den Mühlenmeister Johann Jacob Heinrich Groh errichtet. Der dritte Mühlenneubau geschah 1908 an einem neuen Standort in der Nähe durch Müllermeister Maximilian Georg Triller.
Eine Windturbine bereicherte seit 1912 den Standort und im Jahr 1942 errichtete Müllermeister Richard Triller eine in Fachkreisen weithin bekannt gewordenen patentierte Windkraftverbundanlage zum Mühlenbetrieb und zur Stromerzeugung an der Mühle.
In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erkannte man wie auch bei ähnlichen Fällen in Europa den technikhistorischen Wert der Mühle nicht. Daher wurde die Mühle 1978 durch den Staat erworben und abgerissen. Sie musste Platz für einen Schulneubau machen.
Jedoch bereits im Jahr 1982 besann man erneut sich der guten Marzahner Mühlentradition. Im Rahmen der Nutzung des Marzahner Dorfkernes als Handwerks- und Agrarmuseum für Ostberlin beschloss der damalige Magistrat den Wiederaufbau als produzierende museale Mühle. Diese vierte Mühle wurde 1993 am heutigen Standort aufgebaut.

Technischen Daten

Mühlenzahnräder (Holzbauweise)
Technik der Bockwindmühle
Bild: Bildarchiv Mühlenverein

Flügeldurchmesser: 20,5 m; Material: Stahl, Lärche, Zeder; Gewicht des Bockes: 7 t, Material: französische Eiche; Gewicht des drehbaren Mühlenkastens: 37 t, Material: Douglasie, Lärche, Eiche; nutzbare Antriebsleistung: 8-12 kw; Mühlenleistung: bis zu 1000 kg Mehl/ Tag. Die heutige Anlage entspricht dem Stand der Technik um 1900. Mit Windkraft wird auf einem Mühlsteinpaar mit 1,4 m Durchmesser geschrotet. Auf einem doppelten Sechskant- sichter erfolgt die Trennung der Produkte, die durch den Müller mit Hilfe eines Sackaufzuges transportiert werden.

Mühle Weizenmahlwerk
Mühle Weizenmahlwerk
Bild: Mühle Marzahn Fotograf: Hr. Wolf

Ein zweites elektrisch betriebenes Mahlwerk bewegt Mehl, Grieß und Schrot durch ein Becherwerk mechanisch im Materialkreislauf. Um eine gleichmäßige Backfähigkeit des Mehls zu gewährleisten, erhält es vor dem Abwiegen in einer Mischmaschine seine endgültige Zusammensetzung.

Schrotgang
Schrotgang Mühle Marzahn
Bild: Mühle Marzahn: Fotograf Hr. Wolf

Produkte: Mehl, Grieß Backschrot; auf Anforderung: Roggenprodukte. Für die UFA-Bäckerei in Berlin-Tempelhof wird regelmäßig Vollkornmehl ermahlen.
Im Jahr 1997 wurde der heutige Müller Jürgen Wolf mit dem Deutschen Mühlenpreis für seine Verdienste um die Mühle geehrt.

Mühlenhochzeiten

Hochzeitstreppe der Bockwindmühle
Bildarchiv Mühlenverein
Bild: Bildarchiv Mühlenverein

Am 11. Juli im selben Jahr wurde die erste Mühlenhochzeit in Berlin-Brandenburg in Marzahn gefeiert.
Als Außenstelle des Standesamtes Marzahn-Hellersdorf bietet die Mühle allen Heiratswilligen ein einzigartiges Ambiente für eine ungewöhnliche Trauungszeremonie nach historischem Vorbild. Dabei bilden die festlich geschmückte Mühle und die malerische Hochzeitstreppe samt einer müllerischen Arbeitsprobe für das junge Paar den stimmungsvollen Rahmen. Die Mühle bietet Platz für bis zu 20 Personen. Für Terminvereinbarungen, die mit dem Standesamt frühestens ein halbes Jahr zuvor abgestimmt werden können, sowie eine persönliche Beratung hinsichtlich Ihrer individuellen Wünsche steht der Müller gerne jederzeit zur Verfügung.

Wissenswertes

Schwierig war die Situation nach den schweren Sturmschäden an der Mühle. 1999 und 2006 mussten die zerstörten Mühlenflügel jeweils durch neue ersetzt werden. Der Mühlenverein führte diese Neubauten mit Unterstützung der Bevölkerung und durch Marzahner Unternehmen federführend aus, ohne finanzielle Mittel aus dem Bezirkshaushalt in Anspruch zu nehmen.

Anlässlich der 700-Jahr-Feier des Dorfes Marzahn im Jahr 2000 wurde durch den Verein eine Windmessstation neben der Mühle aufgebaut, die wiederum die pädagogische Arbeit bereichert.
Im Jahre 2004 führte die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V. anlässlich des 10.Betriebsjubiläums der Marzahner Mühle ihre Jahreshauptversammlung im Dorf Marzahn durch.

Im Folgejahr wurde der Umbau der Mühlentechnik zur Lehrmühle abgeschlossen und 2008 für Führungen von Schulklassen die Mühlenhütte mit Backstube und Handarbeitsmaschinen aufgebaut.
So zeigt sich die noch junge Mühle als eine im steten Wandel begriffene Maschinenanlage in einer typischen Windmühlenlandschaft. Dazu gehört es, sie beständig von Baum- und Strauchwuchs sowie störenden Bauten frei zu halten. Die Hecken um die Mühle sind zu einem Lebensraum für verschiedene Singvögel geworden. Brutpaare von Hausrotschwänzchen und Bachstelzen nisten seit langem unter der Mühle im Balkenwerk.

Die speziellen Umstände seiner Planung und Errichtung haben das ganze Mühlenareal zu einem in Deutschland wohl einzigartigen städtischen Mühlenbiotop nach holländischem Vorbild werden lassen. Das heißt, dass z.B. die Errichtung der angrenzenden Wohnhochhäuser so gestaltet wurde, dass die für eine Mitteleuropäische Windmühle wichtige West-Ost-Windachse nicht davon beeinträchtigt wurde. In der Nord-Südrichtung wird das Bild der Mühle und des Dorfes ebenfalls nicht beeinträchtigt bzw. auf interessante Weise kontrastiert. Durch diese Gestaltung konnte die Mühle zu einem Wahrzeichen des Stadtbezirkes werden. Dieser Status muss aber auch immer wieder neu durch attraktive Themen und Projekte errungen werden, denn die Mühle dreht sich nicht vom gestrigen Wind. Es bleibt die vorrangige Aufgabe, dieses Kleinod inmitten der großen Stadt in den Stürmen des Wetters sicher für die Zukunft zu bewahren.

Homepage: Mühle Marzahn

Impressionen zur Bockwindmühle

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