Ist mehr Arbeit gleich Mehrarbeit? Ein Überblick.

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  • Ist mehr Arbeit gleich Mehrarbeit? Ein Überblick.

    PDF-Dokument (351.7 kB) - Stand: 15.10.2026

1. Wann ist mehr Arbeit Mehrarbeit?

Im Schuldienst wird der Begriff Mehrarbeit nur verwendet, wenn Unterricht über die festgesetzte Pflichtstundenzahl hinaus erteilt wird. Zusätzliche außerunterrichtliche Belastungen, beispielsweise Korrekturen, Konferenzen, Wandertage, Klassenfahrten (vgl. AV Veranstaltungen) werden von Verwaltungen und Gerichten nicht als Mehrarbeit angesehen. Die Arbeitszeitverordnung sagt: Mehrarbeit ist auf Ausnahmefälle bei kurzfristigen Vertretungen sowie zwingende dienstliche Verhältnisse zu beschränken. Bietet sich eine Lehrkraft freiwillig an, hat dies Vorrang vor einer gleichmäßigen Verteilung.

2. In welchem Umfang kann Mehrarbeit angeordnet werden?

Alle Lehrkräfte (verbeamtet oder angestellt) können angewiesen werden, vergütungsfreie (unbezahlte) Mehrarbeit zu leisten, allerdings nur bis zur sogenannten „Bagatellgrenze“. (Der Begriff kommt aus dem Beamtenrecht. Wir halten drei Vertretungsstunden im Monat nicht für eine Bagatelle.) In folgender Tabelle ist der Umfang zunächst vergütungsfrei anweisbarer Mehrarbeit pro Kalendermonat dargestellt:

Umfang an ISS, Gymnasium
(pro Woche)
an Förderzentrum
(pro Woche)
an Grundschule
(pro Woche)
anweisbare Mehrarbeit
(pro Monat)
Teilzeit bis 66% 9 – 17 Stunden 9 – 17 Stunden 10 – 18 Stunden 1 Stunde
Teilzeit über 66 % 18 – 25 Stunden 18 – 26 Stunden 19 – 27 Stunden 2 Stunden
Vollzeit 26 Stunden 27 Stunden 28 Stunden 3 Stunden

Quelle: Informationsschreiben zur Mehrarbeit teilzeitbeschäftigter Lehrkräfte, SenBJW, 04.11.2013

Darüber hinaus kann in zwingend notwendigen Ausnahmefällen weitere Mehrarbeit angeordnet werden, die dann aber ggf. vergütet werden muss (siehe 4.). Mehrarbeit, die regelmäßig (und damit nicht mehr im Ausnahmefall) anfällt, unterliegt der Mitbestimmung des Personalrats.

3. Was ist "Minderarbeit"?

Als „Minderarbeit“ werden Pflichtstunden bezeichnet, die nicht von der Lehrkraft gehalten werden können, dazu zählen z.B. entfallene Stunden durch abwesende Klassen. Diese Stunden können monatsweise (also nur in dem Monat, in dem diese Minderstunden anfallen) mit Mehrarbeitsstunden verrechnet werden, unabhängig davon, ob diese innerhalb des Kalendermonats vor oder nach der Mehrarbeit liegen. 1 Wenn in demjenigen Monat keine Mehrarbeit verrechnet wird, kann die Minderarbeit als Freizeitausgleich für angesammelte Mehrarbeitsstunden abgerechnet werden. Minderstunden verfallen am jeweiligen Monatsende. In Folgemonaten können sie nicht mehr mit Mehrarbeit verrechnet werden. Führen Sie Ihre eigene Erfassungstabelle für Minderarbeit und Mehrarbeit und dokumentieren Sie die jeweilige Anordnung (z.B. Screenshots von Vertretungsplänen).

Quelle (1): Rundschreiben über Mehrarbeitsvergütung für Lehrkräfte, SenSchuBSport 13.07.1987

4. Freizeitausgleich und Vergütung von Mehrarbeit

Freizeitausgleich wird dienstrechtlich gegenüber einer Mehrarbeitsvergütung bevorzugt. Bleibt am Ende eines Monats immer noch Mehrarbeit übrig, soll diese innerhalb der folgenden 12 Kalendermonate durch Minderarbeit ausgeglichen werden. Freizeitausgleich muss immer als solcher angesagt werden. Erst nach Ablauf von 12 Kalendermonaten kann eine Mehrarbeitsvergütung beantragt werden, wenn Mehrarbeit ein Jahr lang nicht durch Freizeit ausgeglichen wurde. Die Jahresfrist beginnt für jeden Monat wieder neu mit Ablauf des Kalendermonats, in dem die Mehrarbeit geleistet wurde. 2 Die Bezahlung der Mehrarbeit variiert in Abhängigkeit von der Besoldungs-/ Entgeltgruppe und liegt zurzeit (2026) bei 36,35 Euro pro Unterrichtsstunde in der A 13 / E 13. Bei der Mehrarbeitsvergütung gibt es Unterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeitlehrkräften und bei diesen zwischen angestellten und verbeamteten Lehrkräften.

Quelle (2): Rundschreiben über Hinweise zur Vertretungsregelung (Merkblatt), SenSchBSport, 06.05.1981

in Vollzeit Arbeitende

In Vollzeit Arbeitende bekommen Stunden nicht bezahlt, die unter die „Bagatellgrenze“ (3 Unterrichts-stunden im Monat) fallen. Sie haben jedoch das Recht, alle Mehrarbeitsstunden bezahlt zu bekommen, sobald sie über diese Grenze hinausgehen (z.B. bei 4 Vertretungsstunden alle vier).

verbeamtete Teilzeitkräfte

Verbeamtete Teilzeitkräfte bekommen die Stunden innerhalb der anteiligen „Bagatellgrenze“ (siehe Tabelle: 1 oder 2 Stunden) nicht bezahlt. Ansonsten werden sie wie Vollzeitkräfte behandelt.

Angestellte Teilzeitkräfte

Angestellte Teilzeitkräfte sind berechtigt, alle Mehrarbeitsstunden bezahlt zu bekommen, wenn diese nicht innerhalb eines Jahres durch Minderarbeit ausgeglichen werden konnten. Die Bezahlung erfolgt für sie nicht nach den Sätzen der Mehrarbeitsvergütung, sondern nach ihrem anteiligen Entgelt; dieser Satz liegt etwas höher. Dies gilt bis zum Erreichen der vollen Stundenzahl. Erreichen sie diese, werden sie behandelt wie eine Vollzeitkraft, müssen also wieder zunächst unbezahlte Mehrarbeit leisten.
Beispiel: Eine Vollzeitlehrkraft vertritt im Januar vier Stunden, im Februar drei, im März vier. Für die vier Stunden vom Januar kann sie Anfang Februar des nächsten Jahres die Vergütung beantragen, die drei Stunden im Februar bleiben unbezahlt, für die vier im März kann dann im April des nächsten Jahres die Vergütung auf dem Dienstweg beantragt werden. Möglicherweise sagt aber die Schulleitung im Mai: „Die Klasse x ist zwei Wochen im Praktikum, ich setze Sie in diesen vier Stunden nicht ein, das ist dann der Ausgleich für die vier Mehrarbeitsstunden im Januar.“ Selbst ein Ausfall im Dezember kann immer noch mit den Januar-Stunden verrechnet werden.

5. Schulorganisatorische Planung

Vertretungseinsätze fallen oft spontan an, sie sind so früh wie möglich den Lehrkräften mitzuteilen. Als sinnvoll erweist sich ein schulangepasstes Vertretungskonzept, welches die Gesamtkonferenz beschließt. Kollegien können z.B. festlegen, dass sich Lehrkräfte zur besseren Planbarkeit an gewissen Stunden in der Woche, z.B. in einer Lücke zwischen Unterrichtsstunden, einer sogenannten Springstunde, zur Vertretung bereithalten. Die Anzahl und Verteilung solcher Stunden müssen angemessen, verhältnismäßig und zumutbar sein. Manche Schulen planen, sofern ihnen noch Stunden zur Verfügung stehen, eine sogenannte Vertretungs-reserve direkt in die Pflichtstundenzahl mit ein. Eine solche Planung vermeidet Mehrarbeit.
Fällt eine Lehrkraft länger aus, sollte die Schulleitung PKB-Kräfte zur Vertretung einstellen.

6. Wandertage und Klassenfahrten

Wandertage, Exkursionen und Fahrten werden als Tage mit regulärer Unterrichtsverpflichtung behandelt, auch wenn Lehrkräfte länger oder kürzer unterwegs sind, als sie Unterricht zu erteilen hätten. Wir erinnern daran, dass Teilzeitkräfte bei Klassenfahrten auf Vollzeit aufstocken sollten. Ein Teilzeitkonzept der Schule muss den Einsatz bei Wandertagen und außerschulischen Veranstaltungen gerechter regeln.

7. Schutz vor Mehrarbeit

Kolleginnen, die schwanger sind oder stillen, dürfen keine Mehrarbeit leisten, auch dann nicht, wenn eine Kollegin sie freiwillig anbietet. Schwerbehinderte Lehrkräfte und ihnen Gleichgestellte werden auf Verlangen von Mehrarbeit freigestellt, ohne es begründen zu müssen. Bei Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern soll keine Mehrarbeit angeordnet werden (Ausbildungszweck).

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