Platt soll wieder bekannter werden

Platt soll wieder bekannter werden

Freunde der niederdeutschen Sprache wollen das Niederdeutsche in Brandenburg wiederbeleben. Im Land gebe es nur noch wenige Tausend Platt-Sprecher, sagte das Vorstandsmitglied des Vereins für Niederdeutsch, Astrid Flügge. Ihre Zentren sind laut Potsdamer Kulturministerium unter anderem Prenzlau und die Uckermark, Wittstock und die Prignitz, Lunow, Großderschau und der Fläming.

Plattdeutsch

© dpa

Ein Schild mit der Aufschrift «Bitte Maske tragen!» und dem plattdeutschen Zusatz «Snutenpulli - dat mutt!» an einem Parkplatz.

«Das Niederdeutsche gehört zur angestammten Sprachenvielfalt, Geschichte und Kultur Brandenburgs. Mehr als die Hälfte des heutigen Brandenburgs zählt zum historischen niederdeutschen Sprachgebiet», sagt der Sprecher des Kulturministeriums, Stephan Breiding. Das Land fördere den Verein mit jährlich 50.000 Euro, der Bundesrat für Niederdeutsch erhalte jährlich 5000 Euro für länderübergreifende Platt-Projekte mit Brandenburg-Bezug. Hinzu kämen einzelne Projektförderungen für weitere Vorhaben des Vereins sowie weiterer Platt-Vereine, wie etwa die Platt-Fibel, die Einrichtung von Platt-Ecken in Bibliotheken oder die Erstellung niederdeutscher Ortsnamenlisten als Grundlage für zweisprachige Bezeichnungen.
Wie Vereinsvorstandsmitglied Heidi Schäfer sagt, muss der vor sieben Jahren in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) gegründete Verein sein Netzwerk weiter ausbauen, um die Bestrebungen auf breite Schultern zu stellen. «Platt ist in Brandenburg noch ein Kopffüßler», bemerkt sie. Soll heißen, dass die Anliegen nicht nur in der Führungsebene, also den Ministerien, Unterstützung finden müssen, sondern auch bei Verbänden, im Tourismus und in den Kommunen.
Bei den Bestrebungen, stärkere Strukturen zu schaffen, orientieren sich die Brandenburger nach Sachsen-Anhalt, wo sie sich unter anderem mit dem Landesheimatbund austauschen. Neuerdings geht der Blick auch in das nördliche Nachbarbundesland Mecklenburg-Vorpommern. Bei Wittstock hatte es im September ein erstes Regionaltreffen der Niederdeutschen aus beiden Bundesländern gegeben. «Ein weiteres Regionaltreffen ist für den März bei uns geplant», sagt Karola Stark, Geschäftsführerin des Heimatverbands Mecklenburg-Vorpommern in Ferdinandshof (Vorpommern-Greifswald).
Der Verband ist Dachverband aller Heimatengagierten im Land. «Plattdeutsch bildet in diesem umfangreichen Spektrum ein Schwerpunktthema», erklärt Stark. Plattdeutsch sei in ihrem Bundesland anders als in Brandenburg in der Landesverfassung verankert. «Das Land hat verschiedene Aktivitäten auf den Weg gebracht und stellt erhebliche Mittel für die Förderung des Niederdeutschen zur Verfügung.» Etwa gebe es eine Landesbeauftragte für Niederdeutsch, sechs Profilschulen, an denen das Abitur in Niederdeutsch abgelegt werden kann sowie ein Kompetenzzentrum für Niederdeutschdidaktik an der Universität Greifswald.
Der Vorteil des Nachbarn ist neben der besseren Förderung der Umstand, dass Platt dort zumindest flächendeckend verstanden und von mehr Menschen gesprochen wird als in den märkischen Sprachinseln, wie Schäfer sagt. Aber auch in Brandenburg tut sich einiges. «Der Landtag hat die Landesregierung beauftragt, ein Niederdeutsch-Gesetz und die Übernahme weiterer Verpflichtungen nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zu prüfen», informiert Breiding. Diese Prüfung laufe derzeit. Der Entwurf des neuen rbb-Staatsvertrages sehe eine Ergänzung des Programmauftrages um eine angemessene Berücksichtigung der niederdeutschen Sprache vor. Das Land unterstütze den Verein zudem im Bestreben, Lehrkräfte aus Brandenburg über die Universität Greifswald in Niederdeutsch und Niederdeutschdidaktik auszubilden.
Darüber hinaus plant der Verein laut Breiding den Aufbau von Modellstandorten für Kitas und Schulen mit Niederdeutsch-Angeboten. Das will Vereinsvorstandsmitglied Ute Eisenack auch im Rahmen des Religionsunterrichts umsetzen. Sie kann sich aber im Rundfunk auch Predigten «up Platt» oder in Zügen entsprechende Durchsagen vorstellen. Um Niederdeutsch weiter sichtbar zu machen, gibt es etwa am Prenzlauer Bahnhof das Ortsschild «Prentzlow», seit 2020 führt der Wittstocker Ortsteil Sewekow den niederdeutschen Zusatz «Sävko» auf den Ortseingangsschildern, Lunow (Barnim) soll demnächst folgen.
Mit dem Heimatverbund wollen die Brandenburger weitere Projekte angehen. «Der Atlas Niederdeutsch kann sowohl für Brandenburg als auch für Sachsen-Anhalt erweitert werden», sagt Stark.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 7. Dezember 2021 06:41 Uhr

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