Impfungen gefragt: Kommunen beobachten mehr Agressivität

Impfungen gefragt: Kommunen beobachten mehr Agressivität

Trotz des Mangels an Impfstoff von Biontech/Pfizer lassen sich immer mehr Menschen in Brandenburg gegen das Coronavirus impfen oder nehmen Auffrischungsimpfungen in Anspruch. In den vergangenen sieben Tagen wurden nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) 161.802 Impfungen verabreicht. Das sei eine gute Nachricht - auch mit Blick auf Befürchtungen, dass durch gedeckelte Biontech-Lieferungen die Impfzahlen einbrechen könnten, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Montag.

Landesweit werden mehr und mehr Impfmöglichkeiten geschaffen. Die Zahl der Corona-Ansteckungen im Land bleibt indes weiter auf hohem Niveau. Wegen der Corona-Verordnungen hat der Städte-und Gemeindebund eine zunehmend agressive Stimmung in den Kommunen ausgemacht.
62,5 Prozent der Bevölkerung sind nach RKI-Angaben inzwischen vollständig geimpft. Die Landesregierung will rund 160.000 Impfungen pro Woche mit Ärzten und mobilen Angeboten in Kommunen schaffen. Das war auf einem sogenannten Impfgipfel des Landes vereinbart worden. Bei vielen Ärzten und Impfstellen hatte es Proteste ausgelöst, dass der Bund für das meistgenutzte Vakzin von Biontech kürzlich Bestell-Obergrenzen eingeführt hatte - da sich die Lager sonst zu schnell zu leeren drohten, lautete die Begründung.
Der Impfstoff wird deshalb seit zwei Wochen kontingentiert. In Brandenburg soll das derzeit knappe Kontingent laut Ministerium vorrangig für den Schutz von Menschen unter 30 Jahren sowie für Schwangere eingesetzt werden. Darüber, was die Ärztinnen und Ärzte derzeit an Impfstoff bestellen, hatte das Ministerium zu Wochenbeginn nach eigenen Angaben noch keinen Überblick. «Die Zahlen steigen. Wir gehen davon aus, dass die Ärzte verstärkt mit Moderna impfen», sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. Mit Moderna sind nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) Impfungen bei Menschen erst ab 30 möglich.
Die Corona-Zahlen sind zwar rückläufig, bleiben aber auf hohem Niveau. Je 100.000 Menschen meldeten die Gesundheitsämter binnen sieben Tagen 643,2 Neuinfektionen, wie das Robert-Koch-Institut am Montag mitteilte. Am Montag vergangener Woche waren es noch 722,4 gewesen. Einige Landkreise haben dem Ministerium Daten zu Corona-Fällen der vergangenen zwei Tage noch nicht gemeldet. Unter den Bundesländern hat Brandenburg weiterhin die vierthöchsten Zahlen nach Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Corona-Hotspot bleibt weiter der Süden. Der Landkreis Elbe-Elster (1396,8), Cottbus (1265,5) und der Landkreis Spree-Neiße (1230,0) verzeichnen die höchsten Zahlen. Sie sind dort mehr als vier Mal so hoch wie in Potsdam, wo der Wert nun bei 392,1 liegt.
Landesweit waren zuletzt 739 Menschen mit Stand Sonntag wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus, davon 167 auf Intensivstationen; hiervon müssen 141 beatmet werden. Die Zahl der Covid-19-Patienten je 100 000 Einwohner, die binnen sieben Tagen ins Krankenhaus kamen (Hospitalisierungsinzidenz), betrug 5,33. Die Warnampel steht hier auf Gelb. Der Anteil der intensivpflichtigen Covid-19-Patienten an der Zahl der aktuell tatsächlich betreibbaren Intensivbetten (ITS) erreichte 23,8 Prozent - hier zeigt die Warnampel Rot.
Am Carl Thiem-Klinikum (CTK) seien 50 Prozent der Intensivstation allein mit Covid-Patienten belegt, berichtete CTK-Geschäftsführer Götz Brodermann am Montag im RBB-inforadio. Deshalb müssten andere Intensivpatienten auf Wachstationen versorgt werden. «Wir wissen nicht, ob wir überhaupt handlungsfähig bleiben können». Dazu gehöre, ob etwa akute Notfälle wie Menschen mit Herzinfarkten oder Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen weiter versorgt werden können.
Die Zahl der Impfangebote im Land steigt unterdessen weiter. In Cottbus öffnet am Dienstag (7.12) in den Messehallen am Stadtring die neue überregionale Impfstelle für Corona-Schutzimpfungen. In Potsdam können sich am Mittwoch (8.12) Interessierte in fünf Impfstraßen in der Schinkelhalle eine Corona-Schutzimpfung abholen. Ziel der Landesregierung ist es, 100 zusätzliche Impfmöglichkeiten zu schaffen.
Die Stimmung in brandenburgischen Kommunen ist aus Sicht des Städte-und Gemeindebundes nach mehr als anderthalb Jahren Corona-Pandemie agressiver geworden. «Wir haben den Eindruck (...), dass das zugenommen hat», sagte Präsident Oliver Hermann, der auch Bürgermeister von Wittenberge (Prignitz) ist, am Montag. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen seien durchaus auch persönlich angegriffen worden. Zahlen dazu hatte Hermann zunächst nicht.
Er forderte für die Städte und Gemeinden mehr Zeit für die Umsetzung von Corona-Verordnungen. Wenn die Testpflicht verstärkt werde, müssten mehr Testmöglichkeiten geschaffen werden und genügend Tests zur Verfügung stehen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 6. Dezember 2021 17:26 Uhr

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