BER-Standort: Vor 25 Jahren fiel die Entscheidung

BER-Standort: Vor 25 Jahren fiel die Entscheidung

Klimahülle, so nennt die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ihren spektakulären Plan. Man könnte es auch Käseglocke nennen: ein Glasgehäuse über einer Kita samt Garten. Der kleine Ort am Südrand Berlins will Kinder damit vor Fluglärm vom BER schützen. Der neue Flughafen wurde im dicht besiedelten Berliner Speckgürtel gebaut - zum Ärger vieler Bewohner, zur Freude vieler Unternehmen. Vor mittlerweile 25 Jahren fiel die Entscheidung gegen einen Standort weit draußen und für Schönefeld. Die damals Verantwortlichen stehen noch heute dazu.

Matthias Wissmann, ehemaliger Bundesminister für Verkehr

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Matthias Wissmann, ehemaliger Bundesminister für Verkehr.

«Die Partner konnten keinen gemeinsamen Nenner finden», sagte der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. «Schönefeld war der plausibelste dritte Weg.» Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sagte: «Unter den damaligen Gesichtspunkten war die Entscheidung richtig.»
Die Standortwahl löste jedoch immer wieder Kritik aus - nicht nur wegen des Lärms, sondern von Seiten der Wirtschaft auch wegen beschränkter Ausbaumöglichkeiten in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Besser geeignet gewesen wäre nach dem Raumordnungsverfahren unter anderem der frühere Militärflugplatz Sperenberg (Teltow-Fläming) rund 30 Kilometer von der südlichen Berliner Stadtgrenze.
Dennoch fiel die Entscheidung im sogenannten Konsensbeschluss für Schönefeld - am 28. Mai 1996 bei einem Treffen Wissmanns und Diepgens mit dem 2019 gestorbenen damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.
«Jede Entscheidung für Sperenberg hätte zu Verzögerungen geführt», sagte Diepgen. Denn in Schönefeld war schon ein Flughafen in Betrieb, der BER ist formell nur ein Ausbau. «Die Nähe zu Berlin war wegen der wirtschaftlichen Ausstrahlung wichtig», ergänzte Diepgen. Brandenburg habe versucht, den Flughafen möglichst weit von Berlin zu planen. Jwd, wie Berliner abkürzen - janz weit draußen.
Dass es anders kam, führte unter anderem zu jahrelangen Bürgerprotesten gegen die BER-Flugrouten. Als ein Verlierer der Entscheidung von 1996 sieht sich Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming), der am stärksten vom Fluglärm betroffene Ort. «Lauter als die Stones», ist nur einer der Slogans der Gemeinde.
«Auch wenn man sich vielleicht an den Lärm gewöhnt oder sich diese Gewöhnung nur einredet, ist der ständige Fluglärm für alle Bürgerinnen und Bürger jeden Tag bis in die späte Nacht hinein eine schwere Last», sagte Bürgermeister Michael Schwuchow. Und der Volllastbetrieb steht noch aus. Eröffnet nach jahrelanger Verspätung im Herbst mitten in der Pandemie bewältigt der BER derzeit nur einen Bruchteil der möglichen Flüge.
Gleichwohl ziehen viele Menschen in die Gemeinde, und Gewerbeflächen sind gefragt. Das führt Schwuchow weniger auf den Flughafen zurück als auf die gute Infrastruktur im südlichen Berliner Umland. Blankenfelde-Mahlow tritt für ein schärferes Nachtflugverbot ein.
Dass die Wohnbebauung im Umland nicht besser gesteuert und begrenzt wurde, ist für Diepgen nur ein Fehler der BER-Geschichte. Der Hauptfehler sei es gewesen, den Bau nicht privat schlüsselfertig errichten zu lassen. 2006 begannen Berlin, Brandenburg und der Bund in Eigenregie mit dem Bau, 2011 sollten die ersten Flugzeuge starten. Daraus wurde erst neun Jahre später und nach verdreifachten Kosten etwas.
Wissmann sagte: «25 Jahre, das ist absurd.» Das Planungsrecht müsse weniger Stufen haben, ohne die Bürger zu entrechten. «Glauben Sie nicht, dass es in Sperenberg schneller gegangen wäre.» Diepgen war nach eigenen Angaben bereit, für Sperenberg zu stimmen - aber nur, wenn Brandenburg die milliardenschwere Verkehrsanbindung finanziert hätte. «Stolpe kam zu mir und sagte, er könne das bei sich nicht durchsetzen.»
Überstimmten die CDU-Männer Diepgen und Wissmann den Sozialdemokraten Stolpe? «Brandenburg wurde nicht überstimmt, wir haben einen Konsens gefunden», betonte Wissmann. Er weist auch die Behauptung zurück, er habe im Sinne der Lufthansa und der Flughäfen Frankfurt und München einen weniger ausbaufähigen Standort durchgesetzt. «Da ist nichts dran.» Diepgen meinte: «Die Lufthansa, unterstützt vom Bund, hat den Berliner Flughafenbau nie allzu sehr gefördert.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 26. Mai 2021 16:08 Uhr

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