Neurentner mit geringeren Altersbezügen

Neurentner mit geringeren Altersbezügen

Neurentner in Berlin und Brandenburg erhalten zunehmend geringere Altersbezüge als Bestandsrentner. Auf diese aus seiner Sicht problematische Entwicklung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Mittwoch hingewiesen. Besonders groß sind die Unterschiede dem neuen DGB-Rentenreport zufolge bei den Männern.

Die monatlichen Durchschnittsbezüge derjenigen, die 2019 in Altersrente gingen, lagen demnach in Brandenburg um 154 Euro, in Berlin-West um 160 Euro und in Berlin-Ost um 213 Euro niedriger als bei Bestandsrentnern. Ihre Durchschnittsrente betrug in Brandenburg 1114 Euro, im Rentengebiet Berlin-West 951 Euro und in Berlin-Ost 1118 Euro. Sie war also niedriger als im Bundesdurchschnitt (1167 Euro)
Bei den Frauen ist diese Differenz deutlich geringer. Die monatlichen Durchschnittsbezüge der Neurentnerinnen lagen 2019 in Brandenburg bei 1046 Euro und damit sogar um 3 Euro höher als im Bestand. In Berlin-Ost (1122 Euro) und Berlin-West (837 Euro) hingegen fielen sie um 10 beziehungsweise 27 Euro geringer aus. Gleichwohl liegen sie in beiden Ländern über dem Bundesdurchschnitt (804 Euro).
Als Hauptursache für den Trend rückläufiger Altersbezüge, der sich seit einiger Zeit verstärke, benannte Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg, die Umbrüche nach der Wende. Dazu gehörten verbreitete Arbeitslosigkeit, ein großer Niedriglohnsektor und prekäre Beschäftigung.
Auch die Erhöhung des Renteneintrittsalters verschärfe das Problem: Wer früher aufhören wolle, müsse Abschläge in Kauf nehmen. Das generell sinkende Rentenniveau - aktuell liegt es bei 48,2 Prozent des früheren durchschnittlichen Jahresentgelts - komme noch hinzu.
Folge seien höhere Armutsrisiken für Rentner, warnte Hoßbach. Nur 18 Prozent der neuen Altersrenten in Berlin und Brandenburg sind den Angaben zufolge höher als 1500 Euro. 56 Prozent der neuen Altersrentnerinnen und 49 Prozent der neuen Altersrentner erhalten gesetzliche Altersbezüge, die unter der sogenannten Armutsschwelle liegen. 2019 wurde diese Schwelle bundesweit für einen Ein-Personen-Haushalt mit monatlich 1075 Euro beziffert.
Damit hängt zusammen, dass der Anteil von Rentnern, die zusätzlich Leistungen der Grundsicherung beziehen, stetig ansteigt. 2019 betraf das bereits fast 110 000 Menschen in beiden Ländern im Alter oder bei Erwerbsminderung. Immer mehr Rentner gingen nebenher arbeiten, um ihren Lebensstandard halten zu können, so Hoßbach. Ein positiver Schritt sei die neue Grundrente, dies reiche aber nicht aus.
Der DGB werde sich im anstehenden Wahlkampf und darüber hinaus dafür einsetzen, das Rentenniveau dauerhaft zu stabilisieren und anzuheben, kündigte Hoßbach an. Bis 2025 sei es bei mindestens 48 Prozent festgeschrieben, danach könnte es nach der jetzigen Gesetzeslage schrittweise auf bis zu 42 Prozent fallen, warnte er.
«Wir brauchen weitere Fortschritte bei der Erwerbsminderungsrente und müssen die Betriebsrenten ausbauen», listete er weitere Forderungen auf. Selbstständige, die gerade in Corona-Zeiten kaum soziale Absicherung hätten, müssten in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden.
Ganz zentraler Punkt ist aus Sicht des DGB gute Arbeit. Der Niedriglohnsektor müsse zurückgedrängt und das Tarifvertragssystem gestärkt werden. Derzeit arbeite in der Region Berlin-Brandenburg lediglich die Hälfte der Beschäftigten in Unternehmen mit Tarifbindung. «Das ist natürlich zu wenig», betonte Hoßbach.
Der DGB-Rentenreport wurde in Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung erarbeitet.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 14. April 2021 12:42 Uhr

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