Stolperstein Kalischer Straße 28

Hausansicht Kalischer Str. 28
Hausansicht Kalischer Str. 28
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde am 14.10.2014 verlegt.

Bildvergrößerung: Stolperstein Werner Goldner
Stolperstein Werner Goldner
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
WERNER GOLDNER
JG. 1902
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO FORT XI
ERMORDET 25.11.1941

Werner Goldner wurde am 13. Dezember 1902 in Berlin geboren. Die Eltern Hermann Goldner und Caroline geb. Levy und waren in der Textilbranche tätig und wohnten in der Dresdner Straße 75 im 2. Stock. Ihre Gräber befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee.

Der Sohn Werner war Journalist bei einer Berliner Zeitung. Erstmals war er im Adressbuch 1932 als Redakteur gekennzeichnet, er wohnte damals in der Varnhagenstraße 10 in Pankow. Von 1937 an wohnte er in Wilmersdorf in der Kalischer Straße 28. Um diese Zeit ist er allerdings entlassen worden, ab 1938 war er mit der Berufsbezeichnung “Handelsbevollmächtiger” eingetragen.

Er war zweimal verheiratet. Seine erste Frau war schon früh nach Großbritannien emigriert und dort Lehrerin an der berühmten Schule Harrow in London und Professorin an der Universität in Cambridge.

Werner Goldner hat dann 1939 Marianne Heilbrun, geboren am 2. Mai 1903 in Eisleben (damals in Sachsen) geheiratet, die anfangs bei ihren Eltern in Nordhausen lebte und Arztsekretärin war. Der Vater Ernst Heilbrun (1867-1938) war Bankier. Ihre Mutter war Margarete Heilbrun, geboren am 15. April 1881 in Nordhausen (damals Sachsen). Nach dem Tod ihres Mannes und der Heirat ihrer Tochter zog sie ebenfalls in die Kalischer Straße und dann in die Regensburger Straße ein.

Nach 1939 wurden die drei jedoch gezwungen, in die Regensburger Straße 14 a umzuziehen. Von dort wurden sie am 17. November 1941 vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald nach Kowno (Kauen) deportiert. Im Fort IX, das zur Festung dieser Stadt gehörte, wurden sie wie sämtliche 1006 Menschen, die in diesem Zug saßen, am 25. November 1941 erschossen.

Sein Bruder Fritz Goldner, geboren am 21. Januar 1906, der Kaufmann war und bis 1937 im Haus seines Vaters in der Dresdener Straße 75, ab 1939 in der Uhlandstraße 137 wohnte, wurde am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Zu seinem Gedenken und für seine Tante Margarete Levy, geboren am 13. April 1881 in Berlin, wurde ebenfalls ein Stolperstein verlegt. Auch deren Cousine Caroline, die Mutter von Werner und Fritz Goldner, wohnte dort bis ihrem Tod auf 10 Januar 1940.

Fritz Goldner war im selben Transport wie die elfjährige Marion Samuel und ihre Eltern Cilly und Ernst Samuel, über die Götz Aly geforscht und ein Buch veröffentlicht hat.

Informationen von Renée Claudine Bredt (Herford), Nichte von Werner und Fritz Goldner

Quellen: Familienerinnerungen; Bundesarchiv; Berliner Adressbücher; Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Riga-Komitee (Hrsg.): Buch der Erinnerung. München 2003.
Literatur: Götz Aly: Im Tunnel. Das kurze Leben der Marion Samuel 1931-1943. Frankfurt a.M. 2011.