Stolpersteine Friedbergstr. 14

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Bild: BA

Diese Stolpersteine wurden am 10.11.2013 verlegt.

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Stolperstein Rudolf Blumenthal, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
RUDOLF
BLUMENTHAL
JG. 1894
DEPORTIERT 26.10.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Rudolf Blumenthal wurde am 27. Mai 1894 in Berlin geboren – als drittes Kind von Louis Blumenthal (1862-1940) und seiner Frau Martha, geb. Beer (1859-1908), die beide aus Pommern stammten.

Er hatte einen älteren Bruder, Leopold (1888-1943, vermutlich Freitod), eine ältere Schwester und den jüngeren Bruder Heinrich (geb.1896 in Berlin, ermordet in Auschwitz am 31.12.1944, Stolperstein seit Juni 2013 Rönnestraße 11 ). Martha Blumenthal verstarb 1908, als die vier Kinder noch minderjährig waren. Ihre Schwester Rosa Beer (Tod in Theresienstadt am 4.3.1943) kümmerte sich danach um ihre Nichte und die drei Neffen.

Rudolf Blumenthal studierte und wurde Diplomingenieur. Er heiratete im Juli 1925 Vera Senger, die am 10. September 1899 in Köslin (preußische Provinz Westpommern) als Tochter des Kaufmanns Louis Senger und seiner Frau Anna, geb. Lewin, zur Welt gekommen war und zog mit ihr nach Charlottenburg – zunächst in die Utrechter Straße. Nach 1935 hatte das Ehepaar Blumenthal zwei Adressen, Leonhardtstraße 4 und Friedbergstraße 5, wohl die Wohnung einerseits und die Büroräume des Diplomingenieurs andererseits. 1940 bezogen sie eine Wohnung mit vier Zimmern in der Friedbergstraße 14, wo – so ist den Inventarlisten der späteren Räumung der Wohnung zu entnehmen – Rudolf Blumenthal auch sein Büro hatte. Die Ehe blieb kinderlos und Vera Blumenthal führte einen wohl eher großbürgerlich-wohlhabenden Haushalt.

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hinten von links nach rechts: Heinrich Blumenthal, Schwester, Else (Ehefrau von Leopold), Rudolf und Vera Blumenthal, Leopold Blumenthal vorne von links nach rechts:Rosa Beer, Louis Blumenthal, Margarete Blumenthal (Ehefrau von Heinrich) mit Klaus Blument
Bild: Familienbesitz Blumenthal

Rudolf Blumenthal und seine Frau wurden aus der Friedbergstraße 14 deportiert und am 26. Oktober 1942 mit dem „22. Osttransport“ zusammen mit weiteren 800 Opfern nach Riga verschleppt. Unter den Opfern waren auch Rudolfs Cousin Richard Blumenthal (1906–1942) sowie dessen Ehefrau Liselotte, geb. Samuel (1914–1942), und ihre Tochter Tana (1941–1942).

Über 500 der mit diesem Transport in den sicheren Tod geschickten Menschen waren Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter der „Jüdischen Kultusvereinigung Berlin“ und deren Angehörige, die während der sog. „Gemeindeaktion“ am 20.10.1942 verhaftet und im Sammellager Levetzowstraße interniert worden waren. Damit erreichten die Nationalsozialisten ihr Ziel, die jüdische Gemeinde Berlins entscheidend zu schwächen, denn sie verlor durch diese „Aktion“ fast ihre gesamte Leitung und über ein Drittel des Personals.

Die Wohnung der Blumenthals wurde im Januar 1943 „geräumt“, das Vermögen eingezogen. Die Vermieterin scheute sich nicht, einen „Mietrückstand“ vom Zeitpunkt der Deportation der Blumenthals im Oktober 1942 bis zum Zeitpunkt der „Räumung“ im Januar 1943 sowie „Schönheitsreparaturen“ einzuklagen, obwohl sie die sehr gut möblierte Wohnung der Blumenthals – einschließlich deren gesamter Habe – von November bis Januar „untervermietet“ hatte. Sie hatte Erfolg damit.

Rudolf Blumenthal und seine Frau Vera wurden unmittelbar nach der Ankunft in Riga am 29. Oktober 1942 ermordet.

Verantwortlich für Recherche und Text: Simon Dankou, Gisela Morel-Tiemann

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Stolperstein Vera Blumenthal, Foto:H.-J. Hupka, 2013
Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
VERA BLUMENTHAL
GEB. SENGER
JG. 1899
DEPORTIERT 26.10.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Vera Blumenthal , geb. Senger, kam am 10. September 1899 in Köslin (preußische Provinz Westpommern) als Tochter des Kaufmanns Louis Senger und seiner Frau Anna, geb. Lewin, zur Welt, ihr Bruder Ernst am 4.9.1902. Er konnte über Shanghai nach Amerika emigrieren.

Sie heiratete im Juli 1925 den aus Berlin stammenden Diplomingenieur Rudolf Blumenthal und zog mit ihm nach Charlottenburg – zunächst in die Utrechter Straße. Nach 1935 hatte das Ehepaar Blumenthal zwei Adressen, Leonhardtstraße 4 und Friedbergstraße 5, wohl die Wohnung einerseits und die Büroräume des Diplomingenieurs andererseits. 1940 bezogen sie eine Wohnung mit vier Zimmern in der Friedbergstraße 14, wo – so ist den Inventarlisten der späteren Räumung der Wohnung zu entnehmen – Rudolf Blumenthal auch sein Büro hatte. Die Ehe blieb kinderlos und Vera Blumenthal führte einen wohl eher großbürgerlich-wohlhabenden Haushalt.

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hinten: Leopold Blumenthal, vorne von links nach rechts: Heinrich, Schwester und Rudolf Blumenthal, Foto: Familienbesitz Blumenthal
Bild: Familienbesitz Blumenthal

Vera Blumenthal und ihr Mann wurden aus der Friedbergstraße 14 deportiert und am 26. Oktober 1942 mit dem „22. Osttransport“ zusammen mit weiteren 800 Opfern nach Riga verschleppt. Über 500 der mit diesem Transport in den sicheren Tod geschickten Menschen waren Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter der „Jüdischen Kultusvereinigung Berlin“ und deren Angehörige, die während der sog. „Gemeindeaktion“ am 20.10.1942 verhaftet und im Sammellager Levetzowstraße interniert worden waren. Damit erreichten die Nationalsozialisten ihr Ziel, die jüdische Gemeinde Berlins entscheidend zu schwächen, denn sie verlor durch diese „Aktion“ fast ihre gesamte Leitung und über ein Drittel des Personals.

Die Wohnung der Blumenthals wurde im Januar 1943 „geräumt“, das Vermögen eingezogen. Die Vermieterin scheute sich nicht, einen „Mietrückstand“ vom Zeitpunkt der Deportation der Blumenthals im Oktober 1942 bis zum Zeitpunkt der „Räumung“ im Januar 1943 sowie „Schönheitsreparaturen“ einzuklagen, obwohl sie die sehr gut möblierte Wohnung der Blumenthals – einschließlich deren gesamter Habe – von November bis Januar „untervermietet“ hatte. Sie hatte Erfolg damit.

Vera Blumenthal wurden mit ihren Mann Rudolf unmittelbar nach der Ankunft in Riga am 29. Oktober 1942 ermordet.

Verantwortlich für Recherche und Text: Simon Dankou, Gisela Morel-Tiemann