Stolpersteine Wielandstraße 15

Link zu: Hauseingang Wielandstr. 15, 25.08.2012
Hauseingang Wielandstr. 15, 25.08.2012
Bild: A. Bukschat & C. Flegel

Die Stolpersteine für Familie Salomon wurden am 21.04.2012 verlegt. An dem Haus hatte der Landesjugendring Berlin auf Initiative von Gerhard Schoenberner bereits eine Gedenktafel für Charlotte Salomon anbringen lassen.

Die Stolpersteine für Familie Driller wurden am 15.10.2013 verlegt – gespendet von Mark Schwartz (Fort Lauderdale, Florida, USA) und Richard Schepard (Paris).

Link zu: Stolperstein Albert Salomon, 25.08.2012
Stolperstein Albert Salomon, 25.08.2012
Bild: A. Bukschat & C. Flegel

HIER WOHNTE
ALBERT SALOMON
JG.1883
VERHAFTET 1938
SACHSENHAUSEN
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
FLUCHT 1943
ÜBERLEBT

Link zu: Stolperstein Paula Lindberg-Salomon, 25.08.2012
Stolperstein Paula Lindberg-Salomon, 25.08.2012
Bild: A. Bukschat & C. Flegel

HIER WOHNTE
PAULA
LINDBERG-SALOMON
GEB.LEVI
JG.1879
FLUCHT 1939 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
FLUCHT 1943
ÜBERLEBT

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Stolperstein Charlotte Salomon, 25.08.2012
Bild: A. Bukschat & C. Flegel

HIER WOHNTE
CHARLOTTE SALOMON
JG.1917
FLUCHT 1939 FRANKREICH
1940 LAGER GURS
INTERNIERT DRANCY
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Albert Salomon wurde am 26. Januar 1883 als Sohn des Kaufmanns Wolf Salomon und von Helene Salomon, geb. Wolff, im mecklenburgischen Röbel an der Müritz geboren. Seine Mutter starb bei der Geburt und er wuchs bei Verwandten in Mecklenburg auf. Nach dem Schulbesuch in Röbel, Ribnitz und Schwerin begann er 1900 ein Medizinstudium an der Berliner Universität, das er von 1902 bis 1903 in Heidelberg, von 1903 bis 1904 in München und von 1904 bis 1905 in Würzburg fortsetzte. Hier bestand er das Staatsexamen mit der Note „sehr gut“. Im selben Jahr erhielt er seine Approbation als Arzt. Seine Zeit als Assistenzarzt absolvierte er an den Krankenhäusern Berlin-Friedrichshain und Pankow sowie dem Jüdischen Krankenhaus in Breslau. Ab 1909 arbeitete er am Chirurgischen Universitätsklinikum in Berlin bei dem bekannten Chirurgen Dr. August Bier (1861 bis 1949). Hier entwickelte er bereits zu dieser Zeit spezielle Analyse- und Operationsmethoden für Krebs-Patienten, der ihn zum international bekannten Pionier der Mammografie machten. 1916 heiratete er Franziska Grunwald, ein Jahr später kam ihre Tochter Charlotte zur Welt.
Im Ersten Weltkrieg arbeitete Albert Salomon von 1916 bis 1919 als Oberarzt, zuletzt in einem Kriegslazarett in Tucquegnieux/Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde er 1921 habilitiert. Seine Gutachter waren Otto Lubarsch und August Bier. Von 1921 bis 1927 arbeitete Albert Salomon als Privatdozent an der Berliner Universitätsklinik Charité, die ihn 1927 zum außerordentlichen Professor für Chirurgie ernannte. Der Selbstmord seiner Frau Franziska – der offiziell als Folge einer Krankheit deklariert wurde, denn sie litt an Depressionen – erschütterte 1926 die Familie.
Die Beziehung zu der Sängerin Paula Lindberg, die Albert Salomon 1930 heiratete, brachte wieder Leben in die Familie und führte zu einer Annäherung an jüdische Traditionen. Nachdem Albert Salomon am 8. September 1933 die Lehrbefugnis entzogen worden war, eröffnete er eine Privatpraxis in Charlottenburg, wo er jedoch nur jüdische Patienten behandeln durfte. Von 1936 bis 1939 war er als Leiter der Chirurgischen Abteilung am Jüdischen Krankenhaus in Berlin tätig. Als „Kriegsteilnehmer“ wurde ihm erst 1939 auch die Approbation aberkannt.
Im Zuge der Pogromnacht vom 9. November wurde Albert Salomon am 10. November 1938 in seiner Wohnung in der Wielandstraße 15 verhaftet und nach Sachsenhausen gebracht. Wie sich Paula Salomon-Lindberg später erinnerte, bemühte sie sich mit Hilfe politischer Verbündeter, Entlassungspapiere für ihn aus Sachsenhausen zu besorgen. Albert Salomon wurde am 29. November 1938 entlassen und kehrte völlig abgemagert nach Berlin zurück. Die Familie beschloss, Deutschland so rasch wie möglich zu verlassen. Charlotte Salomon fuhr im Januar 1939 zu den Großeltern nach Südfrankreich, Albert und Paula Salomon flohen mit gefälschten Papieren vor einer drohenden Verhaftung am 15. März 1939 nach Amsterdam. Ihr gesamtes Eigentum verblieb in der Wohnung und wurde nach der Flucht beschlagnahmt.
Da das deutsche Ärzteexamen in Holland nicht anerkannt wurde, begann Albert Salomon in Amsterdam noch einmal Medizin zu studieren. Voraussetzung für seine dortige Approbation war das Beherrschen der holländischen Sprache. Im Mai 1943 wurden Albert und Paula Salomon in Amsterdam verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork deportiert. Beide arbeiteten dort als Helfer in der Krankenbaracke des Lagers. Unter dem Vorwand, medizinische Geräte aus Amsterdam holen zu müssen, gelang beiden im November 1943 die Flucht aus dem Lager. Bis Kriegsende überlebten sie versteckt in Südholland. Bei ihrer Rückkehr nach Amsterdam erfuhren sie von Charlottes Tod in Auschwitz.
1946 bestand Albert Salomon das niederländische Ärzteexamen und eröffnete eine Privatpraxis in seiner Wohnung. Zusammen mit seiner Frau nahm er die holländische Staatsbürgerschaft an, denn eine Rückkehr nach Deutschland kam für sie beide nicht infrage. Albert Salomon starb am 7. Mai 1976 in Amsterdam. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Liberalen Jüdischen Gemeinde Amsterdam in Hoofddorp bei Amsterdam. Dort erinnert seit 2000 ein Gedenkstein an Charlotte Salomon.
An seinem Geburtshaus in Röbel wurde 2011 eine Gedenktafel für Albert Salomon angebracht.

Paula Lindberg wurde am 21. Dezember 1897 in Frankenthal bei Mannheim als einzige Tochter des Rabbiners Lazarus Levi und seiner Frau Sophie, geb. Meyer geboren. Auf Wunsch des Vaters studierte sie unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges zunächst Mathematik für das Lehrfach in Heidelberg. Erst nach seinem Tod wechselte sie an die Musikhochschule in Mannheim und erhielt Unterricht bei dem Gesangspädagogen August Perron. Auf Empfehlung von Wilhelm Furtwängler ging sie 1926 zum Studium bei Julius von Raatz-Brockman an die Musikhochschule in Berlin.
Um ihr Leben zu finanzieren, arbeitete sie als Kindermädchen bei dem Architekten Erich Mendelsohn und seiner musikbegeisterten Frau Luise, die häufig Hauskonzerte mit zeitgenössischen Kompositionen veranstalteten. So trat neben ihre große Liebe zur Musik Johann Sebastian Bachs die Begeisterung für die musikalische Moderne, die Ernst Toch und Paul Hindemith an der Berliner Musikhochschule repräsentierten. Den größten Einfluss auf ihre Ausbildung hatte Siegfried Ochs, der Gründer und Leiter des Philharmonischen Chores und Lehrer für Oratoriengesang an der Berliner Hochschule. Unter ihm sang sie 1926 in der Berliner Philharmonie erstmals die Alt-Partie in Bachs „Matthäus-Passion“.
Siegfried Ochs riet der jungen Sängerin, ihren Namen in Paula Lindberg zu ändern, um sich vor antisemitischen Anfeindungen zu schützen. 1930 heiratete sie den verwitweten Berliner Chirurgen Albert Salomon und zog zu ihm und seiner Tochter Charlotte in die Wielandstraße 15 in Berlin-Charlottenburg, die rasch zu einem beliebten Treffpunkt des Berliner Kulturlebens wurde.
Zwischen 1930 und 1933 sang Paula Salomon-Lindberg häufig die Alt-Partie bei der Aufführung sämtlicher Bach-Kantaten in der Thomanerkirche in Leipzig. Im März 1933 durfte sie dort zum letzten Mal öffentlich auftreten. Durch ihre Freundschaft mit Kurt Singer, der 1933 mit Genehmigung der Nationalsozialisten den „Kulturbund deutscher Juden“ gründete, war dieser auch für sie das einzige Podium, das ihr noch offenstand. Vor einem ausschließlich jüdischen Publikum durften dort jedoch nur Werke jüdischer Künstler aufgeführt werden. Neben ihren Konzertverpflichtungen unterrichtete Paula Salomon-Lindberg ab 1936 an der „Jüdischen Privaten Musikschule Hollaender“ in der Sybelstraße in Berlin-Charlottenburg.
Erst nach der Haft Albert Salomons im November 1938 in Sachsenhausen entschloss sich die Familie zur Emigration. Charlotte fuhr im Januar 1939 zu den bereits emigrierten Großeltern Grunwald nach Villefranche in Südfrankreich. Am Tag eines bereits angekündigten Abschiedskonzerts in Berlin flohen Albert und Paula Salomon mit falschen Papieren nach Amsterdam. Die geplante gemeinsame Emigration mit Charlotte in die USA scheiterte am Vormarsch deutscher Truppen auf dem europäischen Kontinent. Ihre Tochter sollten sie nie wiedersehen. Paula Salomon-Lindberg wurde zusammen mit ihrem Mann 1943 in Amsterdam verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork deportiert. Von dort gelang ihnen unter dem Vorwand, medizinische Geräte aus Amsterdam zu besorgen, die Flucht. Bis zur Befreiung überlebten sie in einem Versteck in Südholland.
Bei der Rückkehr nach Amsterdam erfuhren sie von Charlottes Tod in Auschwitz. 1947 reisten sie nach Villefranche und brachten das dort gerettete Werk „Leben? Oder Theater?“ von Charlotte Salomon nach Amsterdam. Eine Rückkehr nach Deutschland kam für die Salomons nicht infrage. 1950 nahmen sie die holländische Staatsbürgerschaft an. Paula Salomon-Lindberg unterrichtete am Musiklyzeum in Amsterdam und gab private Gesangsstunden. Ab 1950 lehrte sie im Rahmen der Sommerkurse am Mozarteum in Salzburg. Ihr Spezialgebiet war die Sprecherziehung für Sänger und die deutliche Artikulation im Gesang. Die Lehrtätigkeit in Salzburg betrachtete sie als ihre „Wiedergutmachung“.
1986 kam sie zur Eröffnung einer Ausstellung von „Leben? Oder Theater?“ zum ersten Mal wieder nach Berlin. 1989 richtete die Hochschule der Künste Berlin einen internationalen „Paula Lindberg-Salomon-Wettbewerb“ für Liedgesang ein, der seither alle zwei Jahre durchgeführt wird. Bis zu ihrem Tod nahm Paula Salomon-Lindberg daran aktiv Anteil und war viele Jahre Mitglied der Jury. 1992 erschien ihre Lebensgeschichte unter dem Titel „Mein C’est-la-vie-Leben in einer bewegten Zeit. Der Lebensweg der jüdischen Künstlerin Paula Salomon Lindberg“ in Berlin. 1995 folgte der einstündige Dokumentarfilm „Paula Paulinka“ von Christine Fischer-Defoy, Daniela Schmidt und Caroline Goldie. Paula Salomon-Lindberg starb am 17. April 2000 im Alter von 102 Jahren in Amsterdam. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hoofddorp bei Amsterdam.

Charlotte Salomon wurde am 16. April 1917 als einziges Kind des Chirurgen Albert Salomon und seiner Frau Franziska, geb. Grunwald, in Berlin geboren. Die gutbürgerliche assimilierte jüdische Familie lebte in Berlin-Charlottenburg in der Wielandstraße 15. Charlottes Kindheit wurde bald überschattet vom Selbstmord ihrer Mutter am 27. Februar 1926. Von nun an bestimmten wechselnde Kindermädchen ihren Alltag. Sie besuchte ab Ostern 1927 die Fürstin-Bismarck-Schule in der Sybelstraße (heute Sophie-Charlotte-Gymnasium). Albert Salomon heiratete 1930 die jüdische Sängerin Paula Lindberg. Sie wurde rasch zum wichtigsten Menschen in Charlottes Kindheit und Jugend.
1933 entzog die Berliner Universitätsklinik Albert Salomon seine Professur. Paula Salomon-Lindberg durfte nicht mehr öffentlich als Sängerin auftreten. In Charlotte Salomons Schule nahmen antisemitische Anfeindungen zu, die sie 1933 veranlassten, den Schulbesuch ein Jahr vor dem Abitur abzubrechen. Sie wollte Künstlerin werden. Sie besuchte zunächst eine private Kunstschule, um sich auf die Aufnahmeprüfung an den damals so genannten „Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst“ am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg vorzubereiten.
Zum Wintersemester 1935 wurde Charlotte Salomon auf Probe an der Hochschule angenommen. Sie studierte zunächst bei dem Gebrauchsgrafiker Ernst Böhm und wechselte nach einem Semester zu Ludwig Bartning. Weil ihr jüdischer Vater als „Frontkämpfer“ im Ersten Weltkrieg galt, wurde sie zum Sommersemester 1936 immatrikuliert. Sie fiel unter die Quote von 1,5 Prozent jüdischer Studierender, die gesetzlich zulässig war. Im Herbst 1937 brach Charlotte Salomon, die auch an der Hochschule als Jüdin öffentlich angegriffen wurde, ihr Studium ab.
Während dieser Zeit lernte sie den jüdischen Gesangspädagogen Alfred Wolfsohn kennen, der mit Paula Salomon-Lindberg zusammenarbeitete. Er förderte Charlottes künstlerische Entwicklung, gab ihr Aufträge und ermutigte sie, und sie verliebte sich in ihn. Er sollte später als „Daberlohn“ neben der „Paulinka“ genannten Paula Salomon-Lindberg im Zentrum ihres künstlerischen Hauptwerkes „Leben? Oder Theater?“ stehen.

Im Februar 1939 flüchtete Charlotte Salomon unter dem Vorwand eines Kurzbesuches zu den bereits 1933 emigrierten Großeltern Grunwald nach Villefranche in Südfrankreich. Ihren Eltern gelang im März 1939 die Flucht nach Amsterdam. Sie bemühten sich von dort um die gemeinsame Ausreise mit ihrer Tochter in die USA. Der Plan scheiterte am Vormarsch der Wehrmacht auf dem europäischen Kontinent: die Eltern wurden in das holländische Lager Westerbork deportiert.

Zwischen 1940 und 1942 schuf Charlotte Salomon in Villefranche das „Singspiel“ genannte Werk „Leben? Oder Theater?“. Auf über tausend Gouachen und Textblättern stellte sie ihre Sicht auf die Geschichte der Familie dar, die sie „Kann“ nannte. Sie selbst gab sich den Namen „Charlotte Kann“. Ihr Werk übergab sie dem Arzt Dr. Moridis in Villefranche, der es über den Krieg retten konnte.

Im Juni 1943 heiratete Charlotte Salomon in Nizza den österreichischen Emigranten Alexander Nagler, der in Villefranche jüdische Waisenkinder betreute. Ihre Hochzeit machte die Behörden auf sie aufmerksam. Charlotte und Alexander Nagler wurden im September 1943 in Villefranche verhaftet und über Drancy nach Auschwitz deportiert. Charlotte war im fünften Monat schwanger und wurde vermutlich am Tag ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Alexander Nagler starb 1944 im Vernichtungslager Auschwitz III/Buna.

Albert und Paula Salomon reisten 1947 nach Villefranche, wo ihnen Charlotte Salomons Werk „Leben? Oder Theater“ übergeben wurde. Es ist seit 1971 im Besitz des „Joods Historish Museum“ in Amsterdam und wurde bereits weltweit in Ausstellungen gezeigt. 2012 war es Teil der internationalen Ausstellung zeitgenössischer Kunst „documenta“ in Kassel.

1991 wurde in Anwesenheit von Paula Salomon-Lindberg eine Grundschule in der Großbeerenstraße in Berlin-Kreuzberg nach Charlotte Salomon benannt.

Texte: Christine Fischer-Defoy

Bildvergrößerung: Stolperstein Leon Driller
Stolperstein Leon Driller
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
LEON DRILLER
JG. 1886
FLUCHT 1939 BELGIEN
INTERNIERT ST.CYPRIEN
1940 GURS
ERMORDET 22.12.1942
LES MILLES

Leon Driller , geboren am 26. Mai 1886 in Wien, war österreichischer Staatsbürger. Estera Yasgur-Driller wurde am 11. August 1902 in Druskienniki (Litauen) geboren, ihre Eltern waren der Lederwarenhändler Salomon Yasgur und Anna Levy, beide aus Orscha (Weißrussland), sie hatte acht Geschwister. Die Familie lebte in der Gegend von Minsk. Leon und Estera, genannt Jenny, heirateten im Mai 1930 in Berlin, am 25. November 1930 kam ihr Sohn Peter zur Welt.

Die Familie wohnte in der Wielandstraße 15. Leon Driller war von Beruf Schneider und stellte Oberhemden her. Im Berliner Adressbuch war er bis 1939 mit dem Zusatz „Herrenwäsche“ eingetragen. 1939, im Jahr nach der Pogromnacht, als in Deutschland und Österreich alle jüdischen Geschäfte vernichtet wurden, gelang es ihnen, nach Belgien zu flüchten. Doch nach der Besetzung Belgiens durch die deutsche Wehrmacht wurden sie entdeckt und aufgegriffen. Leon Driller ist durch die südfranzösischen Internierungslager geschleppt worden: zunächst 1940 nach Saint-Cyprien, dann nach Gurs und schließlich nach Les Milles, wo er 56-jährig am 22. Dezember 1942 ermordet wurde.

Jenny Yasgur-Driller und Peter Driller wurden in das SS-Sammellager Mechelen (Belgien) verschleppt und am 4. April 1944 in einem Zug mit 625 Menschen nach Auschwitz deportiert, der vier Tage unterwegs war. Peter ist dort im Alter von 14 Jahren umgebracht worden. Seine Mutter Estera wurde 1944, 41 oder 42 Jahre alt, ins Konzentrationslager Bergen-Belsen weitertransportiert. Dort überlebte sie und wurde im April 1945 von britischen Truppen befreit. Im KZ Bergen-Belsen (Niedersachsen) waren schätzungsweise 110.000 bis 120.000 Häftlinge untergebracht, die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 50.000 berechnet.

Estera Yasgur-Driller fuhr „in der Hoffnung, den Mann und den Sohn zu finden, nach Belgien zurück“, berichtete Richard Schepard, der Sohn ihrer Schwester, „aber ohne Erfolg“. Sie starb 1991 mit fast 90 Jahren in New York.

Text: Mark Schwartz und Richard Schepard, ergänzt von Helmut Lölhöffel

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Stolperstein Estera 'Jenny' Yasgur-Driller
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ESTERA „JENNY“
YASGUR-DRILLER
JG. 1902
FLUCHT 1939 BELGIEN
INTERNIERT MECHELEN
DEPORTIERT 4.4.1944
AUSCHWITZ
1944 BERGEN BELSEN
BEFREIT/ÜBERLEBT

Mark Schwartz ist der Sohn von Sonia Yasgur Schwartz, einer Cousine von Jenny Yasgur-Driller. Richard Schepard ist Neffe von Estera Yasgur-Driller, der Schwester seiner Mutter, Ellen Yasgur Schepard. Beide haben an der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Driller in Berlin teilgenommen. Mark Schwartz hielt danach diese Ansprache:

„Willkommen, Welcome

ברוך הבא,

My cousin Richard Schepard and I would like to thank you very much for coming to this Stolperstein ceremony. We thank the committee here in Charlottenburg-Wilmersdorf and the artist, Guenter Demnig, for making this a reality for us.

Mein Vetter Richard und ich bedanken uns sehr, dass Sie diese Stolpersteine-Zeremonie begleiten.

בן דודי ריצ’רד ואני מודים לכם שבאתם לטקס שטולפרשטיין הזה. מאד מתרגש.

I will continue in English to keep this shorter.

Jenny Yasgur Driller was my mother’s first cousin. She was one of nine children. The family lived in Berezin, Belarus, by Minsk. They were quite prosperous. The family fled the new Communist regime and settled in Berlin, including five of Jenny’s siblings.

Of the nine siblings, one died as a young man in the Red Army in 1921 and a sister was married to a Yugoslavian and was killed there. Sisters Sonia, Rachel and Richard’s mother, Ellen, and brother Alex managed to escape.

The Driller family fled to Belgium in 1939. Leon Driller as you can see on his Stein, was killed in a camp in France. On April 4, 1944, Jenny and young Peter were transported to Auschwitz, where he was murdered. Jenny was then sent to Bergen-Belsen, where she was freed by the British. She returned to Belgium in hopes of being reunited with Leon and Peter.

Jenny died in New York in 1991 at the age of 89, where she had a dignified burial. Finally, here, in front of the last residence where the Driller family lived by their own free choice, these Stolpersteine symbolize a final resting place for this little family, giving Leon and Peter some semblance of a grave and a memory plaque, together with their wife and mother, Jenny.

As someone who has made a name for himself in German/Jewish Dialog, let me say this: we must all learn from the past, apply its teachings to the present, with our attention to the future, and may all of us work together, all races, creeds and nationalities, so that something like the Shoa, the Holocaust never happens again.

Wir müssen von der Vergangenheit lernen, in der Gegenwart leben, mit Blick in die Zukunft. Zusammen ist es unsere schwere Aufgabe zu schaffen, dass eine Greueltat wie der Holocaust nie wieder passiert.

Nie wieder, Nunca Jamás, Plus Jamais, לעולם עוד שוב, לעולם עוד לא..

NEVER, NEVER NEVER AGAIN! Let us say Kaddish. (…)”

Bildvergrößerung: Stolperstein Peter Driller
Stolperstein Peter Driller
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
PETER DRILLER
JG. 1930
FLUCHT 1939 BELGIEN
INTERNIERT MECHELEN
DEPORTIERT 4.4.1944
ERMORDET IN
AUSCHWITZ