Stolpersteine Arcostraße 14

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Hausansicht Arcostr. 14
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolperstein für Fanny Mendelsohn wurde am 19.4.2010 verlegt. Der Stolperstein für Margarete Hamburger wurde auf Wunsch der Enkelin Leonora (Wendy) Howard, die in den USA lebt, am 19.5.2016 verlegt.

Link zu: Stolperstein für Fanny Mendelsohn
Stolperstein für Fanny Mendelsohn
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
FANNY MENDELSOHN
JG. 1881
AUSHEILANSTALT
BENDORF-SAYN
DEPORTIERT 22.3.1942
IZBICA
ERMORDET

Fanny Mendelsohn geb. Stein wurde am Silvestertag, dem 31. Dezember 1881, in Berent (Koscierzyna, damals Westpreußen) geboren. Ihr Bruder war der am 15. Oktober 1878 ebenfalls in Berent geborene Max Stein, der am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert worden ist. Über Fanny Mendelsohns Leben ist so gut wie nichts bekannt, auch nicht, mit wem sie zeitweise verheiratet war. Sie war bei ihrem Bruder, Untermieter von Grete Schlesinger geb. Jessel (geboren am 23. Mai 1867 in Stettin, deportiert am 18. Oktober 1941 nach Lodz), in der Havelstraße 14 gemeldet und war nervenkrank. Sie wurde aus der jüdischen psychiatrischen Jacoby’schen Anstalt in Bendorf-Sayn bei Koblenz – wann genau und auf wessen Veranlassung sie dorthin eingeliefert wurde, ist nicht bekannt – am 22. März 1942 von dort in einem Zug mit 1 000 Insassen, davon etwa 100 aus Sayn, aus Koblenz in das Ghetto Izbica nach Polen deportiert und kurz nach ihrem 60. Geburtstag ermordet.

Vermutlich gehörte sie zu den Opfern des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten, das unter dem Decknamen „T4“ lief. Von 1939 bis 1945 wurden schätzungsweise fast 200 000 wehrlose Menschen umgebracht. Sechs Stolpersteine sind in Sayn unweit der ehemaligen Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke, der Jacoby’schen Anstalt, symbolisch für alle verlegt worden.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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Stolperstein Margarete Hamburger
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARGARETE
HAMBURGER
GEB. PETZALL
JG. 1875
DEPORTIERT 9.7.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Margarete Hamburger geb. Petzall wurde am 24. Januar 1875 in Berlin
geboren. Verheiratet war sie mit Leopold Hamburger, sie wohnten an der Havelstraße 14, die heute Arcostraße heißt, und hatten einen Sohn Gerhard.

Leopold Hamburger ist 1940 gestorben, er wurde auf dem Friedhof Weißensee beerdigt. Seine erste Ehefrau vor Bronislawa Hamburger geb. Meyer, geboren am 11. Dezember 1883 in Lodz, war Margarete Hamburger.

Er war Direktor der Deutschen Privat Telephon Gesellschaft (PRITEG), die er zusammen mit Max Salomon gegründet hatte. Dieses Unternehmen installierte und betrieb Telefonsysteme, die von der Firma H. Fuld & Co. Telephon- und Telegraphenwerke in Frankfurt a.M. hergestellt wurden. Eines Tages erhielt Edmund Meyer, vermutlich der Bruder Bronislawas, zum Dank für seine Dienste als sein Rechtsanwalt von Harry Fuld ein goldenes Zigarettenetui.

Margarete Hamburger, seine geschiedene Ehefrau, ist am 9. Juli 1942 vom Anhalter Bahnhof in einem verriegelten Waggon mit 100 im Sammellager Hamburger Straße 26 für diesen Abtransport willkürlich eingeteilten Menschen in das Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Am 19. September 1942 wurde sie nach Treblinka weiterdeportiert wo sie ermordet worden ist.

Der Sohn Gerhard war vorher nach New York geflüchtet. Seine Tochter Wendy Howard wohnte in Richmond (Virginia).

Zum Gedenken an Leopold Hamburgers zweite Ehefrau Bronislawa Hamburger ist ein Stolperstein an der Richard-Strauss-Straße (früher Jagowstraße) 30 verlegt worden.

Text: Helmut Lölhöffel (Stolpersteine-Initiative Charlottenburg, Wilmersdorf). Quellen: Bundesarchiv und Brandenburgisches Landeshauptarchiv sowie Erinnerungen von Christian Ulrich Meyer, Großneffe von Bronislawa Hamburger.