Stolpersteine Richard-Strauss-Str. 30 (früher Jagowstraße)

Bildvergrößerung: Hausansicht Richard-Strauß-Str. 30
Hausansicht Richard-Strauss-Str. 30
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Diese Stolpersteine wurden auf Wunsch von Ulrich „Andy“ Meyer (USA), Enkel von Salomea und Neffe von Bronislawa, sowie seines Neffen Christian Meyer (Heidelberg) am 6. Oktober 2016 in Anwesenheit des letzteren verlegt.
Das Haus, in dem die beiden Frauen bis 1941 gelebt hatten, gibt es nicht mehr. Auf dem Gelände stehen jetzt mehrere Eigenheime. Die Stolpersteine befinden sich an der Ecke Richard-Strauss-Straße/Brahmsstraße.

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Stolperstein Salomea Meyer
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
SALOMEA MEYER
GEB. HEYMANN
JG. 1863
DEPORTIERT 2.2.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 10.8.1943

Salomea Meyer geb. Heymann wurde am 5. Oktober 1863 in Lodz geboren. In den polnischen Dokumenten lautete ihr Vorname Tscharna, genannt wurde sie auch Zsalka. Im Dezember 1881 heiratete sie in Lodz Siegfried Meyer aus Hamburg. Sie bekamen in Lodz vier Kinder – 1882 Edmund, 1883 Bronislawa (Bronia), 1886 Fania, und Gustav, dessen Daten unbekannt sind (vielleicht war er das dritte Kind).

Die Familie zog später nach Berlin. Hier wohnte sie zunächst in der Dortmunder Straße. Siegfried Meyer starb 1927. Er ist auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben.

Salomea wohnte ab 1927 bei ihrer Tochter Fania in der Fasanenstrasse, bis diese 1939 in die Schweiz auswanderte. Dann zog sie in die Jagowstraße 30 zu ihrer Tochter Bronia und deren Ehemann Leopold. Bei der Volkszählung am 17.5.1939 war sie dort erfasst.

1941 zog Salomea mit ihr Tochter Bronia – gezwungenermaßen – zunächst in ein Zimmer in der Nähe des Rüdesheimer Platzes und bald darauf in die Konstanzer Straße um.

Salomea Meyer war die Tante des weltberühmten aus Lodz stammenden Pianisten Arthur Rubinstein. Er hat den ersten Absatz in seinem Buch „Erinnerungen – Die frühen Jahre“ Salomea Meyer gewidmet:

Mein Leben danke ich Tante Salomea; acht Jahre nach der Geburt ihres letzten Kindes, des sechsten, wollten meine Eltern auf keinen Fall noch eines, und hätte meine Tante Salomea Meyer sich nicht so leidenschaftlich für das Ungeborene ins Zeug gelegt, mein Eintritt in dieses Jammertal wäre wohl verhindert worden.

Am 2. Februar 1943 wurde Salomea nach Theresienstadt deportiert. Dort ist sie am 10. August 1943 ums Leben gebracht worden. Im Totenschein wurden „Altersschwachsinn“ und „Altersschwäche“ als Todesursache angegeben: . Sie war fast 80 Jahre alt und musste die erniedrigenden, grauenhaften Lebensumstände in dem Ghetto noch ein halbes Jahr lang ertragen.

Ihr Sohn Edmund ist 1939 in Berlin gestorben. Er wurde neben seinem Vater Siegfried beigesetzt. Salomea hatte damals zugunsten ihres Sohnes auf die reservierte Stelle neben ihrem Mann verzichtet. Edmunds Frau Elsbeth und die zwei Söhne Thomas und Ulrich sind nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert. Der andere Sohn Gustav war etwa 1938 nach Chile geflüchtet.

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Stolperstein Bronislawa Hamburger
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
BRONISLAWA
HAMBURGER
GEB. MEYER
JG. 1883
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET FEB. 1943

Bronislawa (Bronia) Hamburger geb. Meyer wurde am 11. Dezember 1883 in Lodz geboren. 1910 heiratete sie in Berlin Leopold Hamburger, Mitbegründer und Direktor der Privat Telefon Gesellschaft (Priteg), ein Unternehmen für Telefontechnik. Für Leopold war es die zweite Ehe. Sie hatten zwei Söhne Wolfram und Erwin, die vor Beginn des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland flüchteten. Erwin ist direkt nach USA ausgewandert, während sein Bruder Wolfram über den Umweg über Jugoslawien und Frankreich später in den USA angekommen ist. Leopold ist 1940 gestorben und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beigesetzt.

Zum Gedenken an Leopold Hamburgers erste Frau Margarete Hamburger wurde an der Arcostraße 14 ein Stolperstein verlegt.

Leopold und Bronia Hamburgers Haus in der Jagowstraße 30 (heute: Richard-Strauss-Straße) war Mittelpunkt größerer Feste und Zusammenkünften mit Familie, Freunden und prominenten Künstlern. Das Haus wurde 1940 oder 1941 zwangsweise an das Deutsche Reich (die deutsche Wehrmacht) verkauft und wurde später zerstört.

Bronia Hamburger zog 1941 von der Jagowstraße 30 mit ihrer Mutter Salomea Meyer, zunächst in ein Zimmer in der Nähe des Rüdesheimer Platzes (Landauer Straße 11) und bald darauf in die Konstanzer Straße 4 II nahe dem Kurfürstendamm um, wo sie zur Untermiete mit ihrer Mutter wohnte. Sie war „ehrenamtlich“ beim Jüdischen Kulturverein (JKV) tätig gewesen.

Bronia Hamburger wurde am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort im Februar 1943 ermordet.

Text: Christian Meyer (Heidelberg) nach Familienerinnerungen und Archivmaterial. Quellen: Bundesarchiv; Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Adressbuch

Bildvergrößerung: Salomea Meyer geb. Heymann mit Siegfried Meyer – Anfang 1900
Salomea Meyer geb. Heymann mit Siegfried Meyer – Anfang 1900
Bild: Archiv Ulrich Meyer (USA)
Bildvergrößerung: Leopold Hamburger und Bronislawa Hamburger geb. Meyer - Anfang 1900
Leopold Hamburger und Bronislawa Hamburger geb. Meyer - Anfang 1900
Bild: Archiv Ulrich Meyer (USA)
Bildvergrößerung: Salomea Meyer geb. Heymann mit Enkel Thomas Meyer – 1926
Salomea Meyer geb. Heymann mit Enkel Thomas Meyer – 1926
Bild: Archiv Ulrich Meyer (USA)
Konfirmation von Ulrich „Andy“ Meyer - 1942
Konfirmation von Ulrich „Andy“ Meyer - 1942
Bild: Archiv Ulrich Meyer (USA)

Erste Reihe von Links – Thomas Meyer, Salomea Meyer geb. Heymann, Ruth Wirth-Cormann geb. Hoffmann und Louis Hoffmann
Zweite Reihe – Margarete Stelzer, Bronislawa Hamburger geb. Meyer, Ulrich Meyer, Elsbeth Meyer geb. Stelzer und Helene Hoffmann geb. Stelzer