HAU - Hebbel am Ufer

HAU - Hebbel am Ufer

Keine Lust auf „Kunstkacke“: Das Kreuzberger Theaterkombinat der anderen Art, HAU, sucht die Reibung an der Realität.

  • Hebbel am Ufer© Marcus Lieberenz
    Aufnahme vom 01. November 2012
  • Hebbel am Ufer© Marcus Lieberenz
    Aufnahme vom 01. November 2012
  • Hebbel am Ufer© Marcus Lieberenz
    Aufnahme vom 01. November 2012
  • Hebbel am Ufer© Jürgen Fehrmann
Der Zusammenschluss dreier Kreuzberger Bühnen zum Theaterkombinat Hebbel am Ufer (HAU 1, 2 und 3) begann 2003 mit einer Überwältigung. Matthias Lilienthal, Frank Castorfs ehemaliger Chefdramaturg an der Volksbühne, begründete ein Theater, das wie ein permanenter Festivalbetrieb funktioniert, keine genre- und kulturellen Grenzen kennt und eine kalkulierte Überforderung der Zuschauer ist. Folgerichtig beendete Lilienthal seine Ära im Sommer 2012 mit einer alle Formen und Zeiten sprengenden Marathon-Performance, die viele der Künstlergruppen vereinte, die seine Intendanz mitprägten: Er schickte sein Publikum zu einem 24-stündigen „Unendlichen Spaß“ (nach David Foster Wallace Roman) , auf eine an die Substanz gehende theatrale Reise durch die Stadt.

Annemie Vanackere bis 2022 Intendantin des HAU

Annemie Vanackere hat als Intendantin seit 1995 die Rotterdamer Schouwburg geleitet hat, ein Produktionshaus und Festivalort von internationalem Rang. Sie hat also genug Kontakte und Erfahrung, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen: „Alle erwarten, dass es ein Desaster wird“, sagt die aus Belgien stammende Theaterfrau, „das ist ein guter Ausgangspunkt: Da kann es nur besser werden.“ Der Aufsichtsrat der Hebbel-Theater Berlin GmbH hatte im Dezember 2015 Vanackeres Vertrag bis zum 31. August 2022 verlängert. Vanackere ist seit 2012 künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des HAU. Ihr Vertrag sollte ursprünglich zum 31. August 2017 enden.

HAU 1, HAU 2, HAU 3

Diesen abgeklärten, selbstironischen Blick teilt sie mit ihrem Vorgänger, der keine „Kunstkacke“ mochte, sondern sich lieber an der „Realitätskacke“ rieb. Lilienthal führte seine Häuser in neue, experimentelle und nach herkömmlichem Maßstab theaterfremde Gefilde und bekam gleich in der ersten Saison dafür die Quittung: Das HAU wurde zum Theater des Jahres 2004 gewählt. Es folgten mehr als 1.000 Produktionen, rund 120 pro Jahr – und das mit einem Budget von 4,6 Millionen Euro. Das sind auch die Mittel, mit denen Vanackere wirtschaften muss, was nur dank internationaler Vernetzung und durch Ko-Produktionen geht. Vanackere will die HAUBühnen als Häuser für interdisziplinäre Kunst weiterführen, und versuchen, ein unter Freien Bedingungen bislang kaum mögliches Repertoiretheater aufzubauen. Erfolgreiche Stücke sollen nach Möglichkeit länger und öfter gespielt werden können, als wie bislang nach der ersten Aufführungsserie wieder zu verschwinden.

Das Hebbel am Ufer als Ort experimentellen Kunst

Das HAU 1 war als Hebbel-Theater von 1989 bis 2003 einer der bedeutendsten Berliner Veranstaltungsorte für junge, internationale, experimentelle und innovative darstellende Kunst. In dem 1907/08 errichteten Theaterhaus pflegte Intendantin Nele Hertling den regen Kontakt mit Künstlern wie Robert Wilson, Laurie Anderson, Steve Reich, Robert Lepage und Peter Sellars.

Quelle: Kulturverführer Berlin, 10. Auflage

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Aktualisierung: 19. Oktober 2018