Großes Corona-Minus in Union-Kasse

Großes Corona-Minus in Union-Kasse

Sportlich steht der 1. FC Union glänzend da. Die Coronavirus-Pandemie hat den Berliner Fußball-Bundesligisten aber wirtschaftlich geschwächt.

Urs Fischer, Trainer vom 1. FC Union Berlin

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Urs Fischer, Trainer vom 1. FC Union Berlin, spricht vor einem Spiel beim Interview.

Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wurde von den Köpenickern ein negatives Geschäftsergebnis erzielt. Trotz des bis dahin höchsten Etats standen Einnahmen von Höhe von 70,39 Millionen Euro Ausgaben von 77,84 Millionen Euro gegenüber.
Das Minus von 7,445 Millionen Euro gab Geschäftsführer Oskar Kosche bei der am Mittwoch (27. Januar 2021) digital veranstalteten Mitgliederversammlung bekannt. Präsident Dirk Zingler fehlte aus «dringenden persönlichen Gründen», wie Union mitteilte. Ein negatives Ergebnis hatte der aktuelle Tabellen-Achte der Bundesliga zuletzt in der Saison 2007/08 zu verzeichnen gehabt. Damals hatte Union in der seinerzeit drittklassigen Regionalliga Nord gespielt.
Aus einer Loge im Stadion An der Alten Försterei wurde die Veranstaltung im Internet übertragen. 2874 der 37 417 Mitglieder waren virtuell zugeschaltet und konnten sich teilweise interaktiv einschalten und Stimmen abgeben. Im Hintergrund waren der Rasen und leere Ränge zu sehen. Laut Kosche hat Union ein hervorragendes Konzept für eine schnelle Zuschauerrückkehr, sobald die Pandemielage diese wieder zulässt.
Die Fans leisteten einen Beitrag, dass das Minus nicht höher ausfiel. Nach Union-Angaben verzichteten die Anhänger auf die mögliche Rückerstattung von 621 000 Euro Eintrittsgeld. «Ich hoffe, dass es 2021 schnellstmöglich zur Normalität zurückgeht. Ihr fehlt uns, die Wucht unseres Stadions», sagte Trainer Urs Fischer in einer Videobotschaft an die Mitglieder.
Mitarbeiter und Spieler verzichteten laut Kosche auf 1,25 Millionen Gehalt, Sponsoren auf Leistungen in Höhe von 1,51 Millionen Euro, weitere Partner und Banken auf 9,09 Millionen Euro. Die Union-Gruppe, zu der auch die Stadionbetriebs AG und die Alte Försterei Veranstaltungs GmbH und Co. KG gehören, kam saisonübergreifend zwischen März 2020 und dem 31. Dezember 2020 auf ein Minus von 12,41 Millionen Euro. 2,63 Millionen Euro davon entgingen durch den Ausfall des Veranstaltungs- und Cateringgeschäfts. 2,68 Millionen Euro kamen weniger durch TV-Einnahmen in die Kasse. Die Heimspiele mit Geisterkulisse führten zu einem Verlust von 7,09 Millionen Euro.
Das negative Eigenkapital stieg in der Saison 2019/20 im Vergleich zur Saison 2018/19 von 8,99 auf 17,03 Millionen Euro. Damit ist die Union-Gruppe im Prinzip wieder auf dem Stand vom Zweitligajahr 2009/10, als das negative Eigenkapital bei 16,10 Millionen Euro gelegen hatte. «Bilanziell betrachtet ist die Arbeit von zehn Jahren innerhalb von dreieinhalb Monaten vernichtet worden», sagte Kosche, versicherte aber: «Wir sind in der Lage, die fälligen Verbindlichkeiten fristgemäß zu bedienen.»
Für die laufende Saison plant Union bis zum Saisonende ohne Zuschauer und bei Einnahmen von 77,78 Millionen Euro sowie Ausgaben von 77,74 Millionen Euro mit einem Plus von 40 000 Euro. «Das ist ein sehr anspruchsvolles Ziel. Es wird durch die Pandemie nicht einfacher. Der Klassenerhalt ist jedoch aktuell das wichtigste Ziel», sagte Kosche.
Vorerst werde bei den Spielern auch nicht wegen eines weiteren Gehaltsverzichts nachgefragt. Der Etat für die Lizenzspielerabteilung betrug 2019/20 33,17 Millionen Euro. In der aktuellen Spielzeit sind es mit 35,18 Millionen Euro rund zwei Millionen Euro mehr. An den Plänen für den Ausbau der Alten Försterei hält Union weiter fest. 2022 soll es Baurecht geben, im Jahr darauf könnten es 37 000 statt 22 000 Plätze im Stadion An der Alten Försterei geben.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 28. Januar 2021 08:17 Uhr

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