Unions Grauen vor der Geisterkulisse im Berliner Derby

Unions Grauen vor der Geisterkulisse im Berliner Derby

Die Ausgangssituation will Manager Oliver Ruhnert nicht überschätzen. Sechster ist der 1. FC Union Berlin vor dem brisanten Hauptstadtduell am kommenden Freitag. Hertha BSC, der Gastgeber, belegt Rang 13. Union holte 16 Punkte aus den ersten neun Spielen der ebenfalls von der Corona-Krise gezeichneten neuen Saison der Fußball-Bundesliga. Hertha kommt gerade mal auf die Hälfte der Zähler. Das Tabellenbild sei so nicht zu erwarten gewesen und eine Momentaufnahme, sagte Ruhnert in einem Interview dem «Kicker» (Montag).

Union-Manager Oliver Ruhnert spricht bei einer Pressekonferenz

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Union-Manager Oliver Ruhnert spricht bei einer Pressekonferenz.

Auch wenn sie den Blick auf das Tableau genießen. «Wir haben aber immer gesagt, dass es nicht das ist, was für uns am Ende zählt. Hertha verfolgt doch eine ganz andere Zielsetzung als wir», sagte Ruhnert. Der Club aus Charlottenburg will dort sein, wo der Club aus Köpenick gerade ist. Ein internationaler Platz soll es bestenfalls am Ende der Saison sein. Union dagegen sieht sich in erster Linie wieder im Kampf gegen den Abstieg in seiner zweiten Spielzeit in der höchsten deutschen Spielklasse.
«Ich finde es auch gut für Berlin, dass eine Mannschaft in der Hauptstadt versucht, ganz oben mitspielen zu können. Unser Thema ist das aber nicht», betonte Ruhnert. Sie machen es derzeit halt einfach, ohne groß darüber zu reden. Mit einem auch prestigeträchtigen Sieg bei den Herthanern könnten sie ihren Platz im vorderen Drittel festigen und in der Stadtmeisterschaft das Polster auf die Herthaner noch ein bisschen dicker machen.
Ruhnert hat vor dem Spiel am Freitag zum Auftakt des zehnten Spieltages aber ein Problem ausgemacht. «Ganz ehrlich: Mir graut ein bisschen vor dem Derby und dieser Kulisse», sagte der 49-Jährige. «Im Mai in dieses Riesenstadion zu kommen und diese Katastrophenatmosphäre miterleben zu müssen, war ein schlimmes Erlebnis. Dafür konnte natürlich niemand etwas. Aber das hat mir nachhaltig Kopfschmerzen bereitet», sagte Ruhnert: «Da habe ich das erste Mal so richtig gemerkt, was los war.»
Hinzu kam, dass die Eisernen nach ihrem Aufstieg im Sommer 2019 und dem 1:0-Sieg im heimischen Stadion An der Alten Försterei ebenfalls am 10. Spieltag das Rückspiel bei der Hertha dann mit 0:4 verloren hatten. Alle Treffer waren damals in der zweiten Halbzeit gefallen. «Wir haben in wenigen Minuten den Faden verloren. Das war eines der wenigen Spiele, in denen wir von der Mannschaft enttäuscht waren, weil sie naiv aufgetreten ist», sagte Ruhnert rückblickend.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 30. November 2020 10:50 Uhr

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