Union feiert und drängt auf Fan-Rückkehr

Union feiert und drängt auf Fan-Rückkehr

Diese letzte Zaun-Party der Geister-Spielzeit ließen sich Rafal Gikiewicz und seine Kollegen nicht nehmen. Angeführt vom Richtung Augsburg scheidenden Torwart feierten die Profis des 1. FC Union Berlin mit mehr als 100 Fans am Gatter der Alten Försterei das 3:0 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf. Die Metallabsperrung hielt Fußballer und Fans gerade so auf nötigem Corona-Mindestabstand. Die Freude über das beglückende Ende der für den Bundesliga-Aufsteiger so aufregenden Premieren-Saison schallte durch den angrenzenden Wald.

Unions Anthony Ujah (o.r) feiert am Zaun mit Fans

© dpa

Anthony Ujah (o.r) von Union Berlin feiert nach dem Spiel mit den Fans außerhalb des Platzes.

Auch Trainer Urs Fischer, der, obwohl von den Anhängern stimmgewaltig herbeigerufen, der kleinen Sause fernblieb, wirkte spürbar gelöst, dass die von der Corona-Krise überschattete Spielzeit in der Fußball-Bundesliga vorbei ist. «Wir freuen uns, das dürfen wir auch. Die Ferien kommen zur rechten Zeit», sagte der Schweizer. Nach einem Teamabend bekommen die Union-Profis von Fischer am Sonntag noch ihre Fitnesspläne für die wohl rund vierwöchige Erholungspause.
Auf Geschäftsführer Oliver Ruhnert kommt die Aufgabe zu, für Fischer auch für die zweite Spielzeit im Oberhaus ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen. Außer Leistungsträger Gikiewicz verlassen auch Sebastian Polter sowie die ausgeliehenen Keven Schlotterbeck (SC Freiburg) und Yunus Malli (VfL Wolfsburg) den Club. Felix Kroos berichtete von fortdauernden Verhandlungen über seine Zukunft in Köpenick. Weitere Fortgänge sind nicht ausgeschlossen.
Die wohl wichtigste Personalie sind aber die eigenen Fans. Sie sind die für die Bundesliga ungewöhnliche Kraft, die Union von vielen Konkurrenten unterscheidet. Wieder 41 Punkte und Platz elf in einer möglicherweise kompletten Geister-Saison zu schaffen, wäre enorm schwierig. Das wissen alle bei den Eisernen. Und deshalb bündelt man bis ganz oben in die Chefetage die Kräfte, um auf eine Rückkehr der Anhänger auf die Stadionseite des Party-Zauns hinzuwirken.
«Ich wünsche mir für den Start der neuen Saison klare und verständliche Regeln für die Wiederzulassung von Menschen zu Großveranstaltungen ohne Abstandsregeln», erklärte Union-Präsident Dirk Zingler im Stadionheft zur Partie am Samstag. Das Erlebnis Fußball werde bei fortdauernder Geisteratmosphäre beschädigt.
Bei aller gebotenen Vorsicht, zum Thema Corona keinen verbalen Fettnapf zu erwischen, machte der Unternehmer doch klar, wie er entscheiden würde, wenn er könnte. «Wir spielen Fußball für Menschen, und zwar in erster Linie für Menschen im Stadion. Von dieser Grundhaltung bringt uns kein Ausnahmezustand ab, darauf arbeiten wir mit aller Kraft hin», sagte Zingler.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 28. Juni 2020 09:03 Uhr

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