Freude und Wehmut bei Union vor Neustart

Freude und Wehmut bei Union vor Neustart

Bei aller Erleichterung über den Neustart - der Abstand zu den eigenen Fans schmerzt bei den Eisernen. Wenn der 1. FC Union Berlin in der Fußball-Bundesliga mit dem Geister-Topspiel gegen den FC Bayern München weitermacht, schwingt viel Wehmut über die unvermeidliche Distanz zum treuen Anhang mit. «Das erste Spiel wieder mit Fans, das werde ich genießen. Das ist mein Ziel. Ich weiß nicht, wann es so weit sein wird, aber das ist meine Motivation», sagte Verteidiger Neven Subotic in einer Sendung der britischen BBC, in der er sich auch kritisch zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs äußerte.

Neven Subotic steht im Stadion an der alten Försterei

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Neven Subotic steht im Stadion an der alten Försterei.

An kaum einem Bundesliga-Standort ist die Verbindung mit den eigenen Anhängern so elementar wie an der Alten Försterei. Das hatte am Donnerstag bereits Vereinspräsident Dirk Zingler klar gemacht. «Die kommenden Wochen werden auch eine mentale Herausforderung. Der Fußball ist über die Menschen in der Gesellschaft tief verankert, deshalb ist es für uns auch wichtig, die Zeit ohne Zuschauer im Stadion so klein wie möglich zu halten», sagte der 54-Jährige.
In der Coronavirus-Krise hat aber auch bei den Eisernen ein gewisser Pragmatismus Einzug gehalten. Zingler redete allen Profis vor dem Start ins Quarantäne-Trainingslager in Barsinghausen noch einmal ins Gewissen, die Hygieneregeln der Deutschen Fußball Liga strikt zu befolgen. «Ich habe deutlich gesagt, dass uns ein riesengroßer Vertrauensvorschuss gegeben wurde. Dieses Vertrauen muss jeder einzelne rechtfertigen», sagte der Club-Chef, der sich - um keinen Spieler zu gefährden - zuvor einem Corona-Test unterzogen hatte.
«Ich bin dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Spielbetrieb wieder aufzunehmen», sagte Zingler, nachdem er die Mannschaft in einer kurzen Ansprache nach mehreren Wochen Pause erstmals wieder begrüßt hatte. Kurz zuvor hatte die DFL mitgeteilt, dass es für Union mit der Partie am 17. Mai (18.00 Uhr/Sky) gegen die Bayern in der Alten Försterei wieder losgeht. Dieses Spiel werden die Fans nur im Pay-TV sehen können, da nur die Samstagskonferenz unverschlüsselt gezeigt wird.
Am Donnerstagabend kam in Köpenick die Genehmigung für das erhoffte Teamtraining durch die Berliner Behörden an. Am Freitagfrüh wurde dann auch gleich das erste Mal wieder in Teamstärke gemeinsam geübt. Von Samstag an wird Trainer Urs Fischer das Team auf dem beschaulichen Areal am Waldesrand in der Sportschule im niedersächsischen Barsinghausen fit machen.
Ob Mittelfeldspieler Yunus Malli nach seinen teils positiven und teils negativen Corona-Tests dabei sein kann, war vorerst weiter unklar. Der 28-Jährige ist nicht mehr in Quarantäne, fehlte aber weiterhin im Training.
Am Donnerstag hatte Subotic in seiner Kleingruppe offensive Standardsituation geübt. Bei der BBC äußerte sich der für seine gesellschaftskritischen Gedanken bekannte Verteidiger sehr nachdenklich zum Neustart. «Ich bin kritisch, wie das alles gemanagt wurde, aber verstehe, dass es für alle eine schwierige Situation ist», sagte der 31-Jährige.
Die Liga habe unter den gegebenen Umständen der Coronavirus-Krise das Beste gemacht, sei aber sehr entschieden in eine Richtung vorgegangen. «Der finanzielle Aspekt wurde hervorgehoben», sagte Subotic. Eine mögliche Ansteckungsgefahr mit Covid-19 für die Profis bei den nun anstehenden Geisterspielen bezeichnete Subotic als heikel. Man müsse «ohne Verluste» durch die Saison kommen.
Zingler erneuerte seine Sichtweise, dass der Profi-Fußball ganz unabhängig von der Corona-Krise Lehren für die Zukunft ziehen müsse. «Ich bin überzeugt, dass der deutsche Fußball eine Initiative ergreifen kann», sagte der Union-Präsident. Für seinen Verein schloss er Kündigungen aus. Für die rund 200 Mitarbeiter in Kurzarbeit wird die Einkommensdifferenz komplett übernommen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 8. Mai 2020 13:49 Uhr

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