Bobic rüffelt Trainer Dardai und verteidigt Transferpolitik

Bobic rüffelt Trainer Dardai und verteidigt Transferpolitik

Fredi Bobic nutzte die eigens anberaumte Pressekonferenz. Der für den Kader verantwortliche Sport-Geschäftsführer verteidigte die Transfers der zurückliegenden Wechselperiode, vor allem die zahlreichen Abgänger. «Wir haben die Spieler abgegeben, von denen gesagt wurde, dass sie das Trikot nicht so getragen haben, wie sie sollten», sagte Bobic.

Fredi Bobic und Pal Dardai

© dpa

Herthas Manager Fredi Bobic (l-r), Sportdirektor Arne Friedrich und Trainer Pal Dardai im Stadion.

Sie hätten dafür Spieler geholt, «die Erfahrung haben gepaart mit jungen Spielern, die sehr gerne für Hertha BSC spielen und es als Riesenchance sehen, sich hier entwickeln zu können.» Dass keine großen Namen unter den Neuzugängen sind, interessiert Bobic dabei nicht besonders. «Bekannte Namen hattet ihr doch zwei Jahre gehabt», konterte der ehemalige Angreifer am Donnerstag in einer Medienrunde. Matheus Cunha, Jhon Cordoba, Dodi Lukebakio oder auch Javairo Dilrosun verließen unter anderem den Verein für teilweise viel Geld. Zahl und Namen der Neuzugänge sind eher überschaubar.
Bobic gab zu, dass die Wirren des letzten Transfertages auch durch eigenes Verschulden zu Unmut bei den Fans geführt hatten. Ein Balken auf der Twitterseite des Vereins hatte nahegelegt, dass nach dem Transfer von Myziane Maolida noch weitere - womöglich hochkarätige - Einkäufe zu erwarten seien. Es kam aber nichts mehr. «Ich übernehme die Verantwortung für den Scheißbalken, von dem ich nichts wusste», sagte Bobic, «dass etwas suggeriert wurde, tut mir Leid. Da müssen wir noch darüber sprechen. Deswegen verstehe ich eine gewisse Skepsis über den Transfersommer.»
Allerdings hatte Sportdirektor Arne Friedrich nach dem Transferschluss auch schon eingeräumt: «Nicht alles, was wir uns vorgenommen haben, konnten wir am Ende realisieren, aus den verschiedensten Gründen.» In einem Fall reichte einfach die Zeit nicht aus. «Um 17.00 Uhr wusste ich, dass wir es nicht schaffen», erklärte Bobic.
Aber der Kaderplaner war nach eigener Aussage froh, «bereits am Vormittag schon durch» zu sein: «Als wir Maolida bekommen haben, war ich sehr zufrieden. Vor einem Monat hätte er das Doppelte gekostet. Wir müssen auch wirtschaftlich denken.»
Wieder einmal begleiten Worte wie Umbruch und Wandel den Werdegang der Hertha. Fakt ist, dass die Mannschaft mit null Punkten aus den ersten drei Meisterschaftsspielen Letzter in der Tabelle der Fußball-Bundesliga ist. Bobic weiß, dass die jetzige Phase einer Neuordnung Zeit braucht. Trainer Pal Dardai hat davon aber nicht so viel. Nach der Länderspielpause ist seine Mannschaft gegen die Aufsteiger VfL Bochum und SpVgg Greuther Fürth schon wieder und erst recht gefordert.
Dass der 45 Jahre alte Ungar nach der 0:5-Klatsche gegen den FC Bayern zuletzt indirekt seinen Rücktritt angeboten hatte, missfiel Bobic auch sehr. Ein langes Gespräch habe er mit Dardai geführt nach dessen «emotionalen Ausbruch am Sonntag, der nicht gut war. Die Emotionalität darf nicht Überhand gewinnen. Das war nicht förderlich für Hertha BSC Berlin», sagte Bobic.
Der 49 Jahre alte Ex-Nationalspieler forderte einmal mehr Einigkeit. «Jeder einzelne muss für den Wandel bereit sein und dafür arbeiten», sagt Bobic, «dass da Fehler passieren und wir selber Fehler produzieren, ist klar. Allerdings dürfen wir nicht zu viele Fehler davon machen.» Das dürfte wohl auch für jeden einzelnen gelten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 2. September 2021 13:56 Uhr

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