Hertha-Quarantäne: Vom Möbelrücken bis Bergsprints

Hertha-Quarantäne: Vom Möbelrücken bis Bergsprints

Notfalls muss auch mal Tapezierband her. «Ich komme selbst auf abgefahrene Ideen», berichtet Henrik Kuchno. Der 47-Jährige ist derzeit vermutlich der wichtigste Mann beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Denn Kuchno muss dafür sorgen, dass die Mannschaft auch nach einer 14-tägigen Quarantäne nach mehreren positiven Corona-Befunden bereit ist für ein pickepackevolles Restprogramm mit sechs Spielen womöglich in 18 Tagen. «Es ist eine Gratwanderung von der Beanspruchung», sagt Kuchno: «Grundsätzlich sind wir auf einem guten Weg.»

Henrik Kuchno

© dpa

Athletik-Coach Henrik Kuchno auf dem Trainingsgelände der Hertha.

Die generelle Fitness sollte nicht das Problem sein, die Spieler wurden längst mit sogenannten Spinningrädern und mit Laufbändern ausgerüstet. Zwei Apps, die die Spieler auf ihren Smartphones oder Tablets haben, machen sie zum gläsernen Profi in ihren persönlichen Pain-Caves. Die Leistungsdaten bekommt Kuchno, ebenso Einschätzungen zum Wohlbefinden. «Wenn wir über das Herz-Kreislauf-System sprechen, glaube ich nicht, dass wir dort großartige Verluste hinnehmen müssen. Dafür gibt es genug Trainingsmethoden. Da habe ich überhaupt keine Bauchschmerzen», sagt er.
Vertrauen müssen Kuchno und der an Corona erkrankte Chefcoach Pal Dardai in der Isolation beim Schlaf und bei der Ernährung der Selbstdisziplin der Spieler - «für mich zwei ganz wichtige Faktoren in der Leistungsfähigkeit», sagt Kuchno.
Entsprechend gab es zu Beginn der Quarantäne Ernährungstipps mit nach Hause. «Wenn Sachen passieren, die nicht passieren sollten, kann ich leider nichts machen», sagt er auch, die Spieler seien aber Profi genug, es einzuschätzen. Zumal das böse Erwachen schon beim nächsten Corona-Test droht: Denn die Waage ist bei den Testern mit dabei.
Die größte Herausforderungen in der Übergangsphase, bis die Mannschaft voraussichtlich am 30. April wieder draußen zusammen trainieren darf, sind fußballspezifische Bewegungen. Schnelles Abstoppen, Richtungswechsel. Wer dann keinen Garten hat, müsse auch schon mal die Möbel umstellen, berichtet Kuchno. Und eben Tapezierband als Markierung nehmen.
Meist sind zwei Einheiten pro Tag vorgesehen, einmal sind alle virtuell vereint, die zweite wird selbstständig durchgeführt nach einem vorgegebenen Programm. Allerdings nicht für alle.
Abwehrspieler Marvin Plattenhardt habe «Sportverbot», berichtete Kuchno. Er gehörte neben Trainer Dardai, Assistenzcoach Admir Hamzagic und Dodi Lukebakio zu den positiv auf Corona getesteten Herthanern Ende vergangener Woche, woraufhin sich Mannschaft und Trainerteam für 14 Tage in die Isolation begeben mussten. Wann Plattenhardt beim Training wieder einsteigen kann, ist offen.
An eine Rückkehr von Torwart Rune Jarstein ist nach einem schwereren Krankheitsverlauf vorerst gar nicht zu denken. «Da wird auch in der nächsten Zeit nichts passieren. Wir hoffen, dass er in der nächsten Zeit auch ohne Sport auf die Beine kommt. Ich glaube, da hat er genug zu tun», sagte Kuchno. Lukebakio ist Kuchno zufolge derzeit auch ohne Beanspruchung im körperlichen Bereich. Für alle gelte, das «wir sehr vorsichtig sein müssen. Da jetzt überstürzt zu beginnen, wäre der falsche Weg», betonte Kuchno. Dann ließ er etwas später die anderen Hertha-Profis bei einer gut anderthalbstündigen Einheit auch bei simulierten Bergsprints auf dem Laufband schwitzen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 21. April 2021 15:52 Uhr

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