Pal Dardai bleibt Kumpel und Knurrer

Pal Dardai bleibt Kumpel und Knurrer

Bei aller Freude über den 3:0-Coup gegen Leverkusen - Pal Dardai ist dann eben manchmal doch ein harter Hund. «Wir können nicht die ganze Woche jubeln», sagte der Trainer von Hertha BSC einen Tag nach dem wichtigen Sieg im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Der Berliner Trainer fühlte sich in seiner Philosophie bestätigt, dem zuletzt noch zu oft inkonsequenten Team mit klarer Ansprache begegnet zu sein. «Es gab eine Beredung im Hotel, die war ziemlich hart, aber nicht beleidigend», sagte Dardai am Montag bei einem Mediengespräch.

Pal Dardai

© dpa

Der Trainer von Herta BSC Pal Dardai reagiert auf den Spielverlauf.

Der Erfolg gegen die recht konzeptlose Werkself gab ihm recht. «Wir haben einen Mannschaft, die langsam funktioniert», konstatierte Dardai nach neun Wochen im Traineramt. Die Erleichterung über den Sprung von Platz 17 auf 14 konnte der 45-Jährige natürlich nicht verbergen. Erstmals ging es mit ihm in der Tabelle nach oben. «Es war gut vor dieser Pause. Mit diesem Sieg kann man ruhiger arbeiten.»
Am liebsten hätte sich Dardai gegen Bayer noch selber eingewechselt. Und sei es nur, um nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen zu jubeln. Glückselig berichtete er über die Stimmung auf der Berliner Bank in der Schlussphase. Auch harte Hunde haben Gefühle. Und Dardai hat auch seine Kumpel-Seite. «Wir können ja nicht mal mitspielen, Leute. Wir würden sehr gerne noch mal fünf Minuten auf den Rasen gehen und ein bisschen mitmachen und danach abklatschen. Das gehört zum Sieg», erklärte er seinen Jubel mit Sportdirektor Arne Friedrich.
Kurz versuchte sich Dardai nach dem konsequent herausgespielten Befreiungsschlag in der Rolle des Mahners. Im TV-Interview hob er zu Kritik an: Schlecht habe das Team in der ersten Halbzeit den Druck auf den schwächelnden Gegner hoch gehalten. Doch schnell schwenkte er in den Gute-Laune-Modus um und präsentierte sich von seiner freundlichen Seite. «Wenn wir das noch hinbekommen, werden wir noch ein paar schöne Wochen erleben.»
Der Rest war ohnehin in Berlin lange vermisste blau-weiße Erleichterung. «Heute hat es funktioniert. Wir haben es vorne gut umgesetzt und haben hinten gut gestanden», sagte Lukas Klünter. «Mir kam es in den letzten Wochen so vor, als hätten wir mehr verdient gehabt», meinte der unter Dardai wieder erstarkte Verteidiger.
Die Tore von Deyovaisio Zeefuik (4. Minute), Matheus Cunha (26.) und Jhon Cordoba (33.) besiegelten den zweiten Heimsieg in Folge. Die Perspektiven für den Klassenverbleib sind jedenfalls nach dem ersten Saisonsieg gegen ein Team aus den Top Sechs wieder besser. Das Restprogramm sieht keinen Kontrahenten aus dem oberen Tabellendrittel mehr vor. Da haben es andere Keller-Clubs schwerer.
Doch schon die nächste Aufgabe hat es mit dem Berliner Duell beim 1. FC Union am Ostersonntag nochmal in sich. «Natürlich können wir jetzt mal durchatmen auch in der Länderspielpause, aber dann geht es sofort weiter, und dann steht das Derby an. Das ist was Besonderes», sagte Kapitän Niklas Stark.
Dardai fände es gut, wenn im Rahmen des Berliner Pilotprojektes und bei einem genehmigten Hygienekonzept dann erstmals wieder ein paar tausend Fans zugelassen wären - und seien es nur die des Lokalrivalen. «Kein Fußballer würde sagen, Fans sind ein Nachteil, selbst wenn es nicht unsere Fans sind, sondern von Union. Sollen sie kommen», sagte der Hertha-Trainer.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 22. März 2021 12:29 Uhr

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