Politik reagiert auf Kalou-Video

Politik reagiert auf Kalou-Video

Das Facebook-Video von Hertha-Profi Salomon Kalou hat auch in der Politik für kritische Reaktionen gesorgt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich zur Film-Posse des mittlerweile von seinem Berliner Club suspendierten Spielers. «Da macht die Liga hervorragende Konzepte, und dann gibt es Einzelspieler, wie jetzt zu lesen war, die sich sehr, sehr, sehr unglücklich verhalten», sagte Söder am Dienstag. Hertha BSC wurde von dem CSU-Politiker gelobt: «Ich finde auch gut, dass Profivereine sehr hart dagegen entscheiden, weil das bringt das ganze Konzept in Verruf.»

Markus Söder (CSU)

© dpa

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern.

Kalou hatte am Montag Szenen aus der Umkleidekabine von Hertha mit seinem Handy gefilmt und bei Facebook live verbreitet, wie er und seine Kollegen gegen mehrere Hygienevorschriften der Deutschen Fußball Liga in der Corona-Krise verstoßen. Am Mittwoch hoffen die Clubs auf eine Erlaubnis durch die Bundesregierung zur Fortsetzung der wegen der Pandemie unterbrochenen Saison.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich fassungslos. «Dieses Video kann man ja wohl nur als ausgemachte Blödheit betrachten», sagte der SPD-Politiker am Dienstag. «Es ist schädlich nicht nur für die direkt Betroffenen, die da zu sehen sind, oder für Hertha, sondern es wirft ein ungutes Bild insgesamt auf den Sport oder die Vereine», meint er. «Wer so was tut, erweist allen Beteiligten einen Bärendienst.»
FDP-Chef Christian Lindner forderte harte Strafen für Fußballprofis wie Kalou, die sich nicht an Abstandsregeln halten. «Das ist ein Warnschuss für alle, dass jeder Verantwortung tragen muss», sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Solches individuelle Fehlverhalten muss daher so streng geahndet werden, dass es selbst Fußballmillionären richtig weh tut. Dennoch darf daraus nun kein Schaden für die Liga insgesamt entstehen.»
Genau den befürchtet die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Dagmar Freitag. Die SPD-Politikerin kritisierte zudem den Verein. «Das Verhalten der Spieler ist nur das eine. Noch viel schwerer wiegt für mich das Fehlverhalten der hauptamtlichen Mitarbeiter von Hertha BSC, deren einzige Sorge es erkennbar war, dass das Video an die Öffentlichkeit gelangen könnte. Es ist aus meiner Sicht schlichtweg ein Skandal, dass niemand eingreift, wenn die simpelsten Regeln missachtet werden, die im Übrigen einvernehmlich von allen Clubs beschlossen worden waren», sagte Freitag der «Rheinischen Post». Eine geringen Akzeptanz von Geisterspielen in der Bevölkerung könne die Konsequenz sein.
Der ehemalige Turn-Weltmeister und sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eberhard Gienger, meinte, Hertha BSC habe mit der raschen Suspendierung seines Profis «ein klares und richtiges Signal gesetzt». «Verstöße gegen die neuen Corona-Regeln dürfen nicht toleriert werden», sagte Gienger. Hertha BSC hatte Kalou am Montag vom Trainingsbetrieb suspendiert. Am Dienstag sollten Spieler und Betreuer nochmals auf die Vorschriften hingewiesen und zu deren Einhaltung angemahnt werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 5. Mai 2020 15:50 Uhr

Weitere Nachrichten zu Hertha BSC