Hertha zwischen Ärger und Druck

Hertha zwischen Ärger und Druck

Der Frust nagt an Hertha BSC. Der neue prominente Aufsichtsrat Jürgen Klinsmann sah auf der Tribüne neben Großinvestor Lars Windhorst mit finsterem Gesicht die dritte Liga-Pleite seiner Berliner nacheinander.

Ante Covic

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Herthas Trainer Ante Covic vor Spielbeginn auf der Bank.

Chefcoach Ante Covic wetterte über eine mutmaßlich mitentscheidende Elfmeter-Benachteiligung. Und am Sonntag bei der Mitgliederversammlung erhöhte Manager Michael Preetz den Druck auf Trainer und Team: «Wir sind nicht zufrieden, wir sind hinter dem Plan. Wir können mehr, wir wollen mehr. Wir müssen bis Weihnachten punkten, ganz klar.»
Covic sprach am Tag nach dem 2:4 (1:2) vor 48 532 Zuschauern gegen den Tabellen-Zweiten RB Leipzig nacheinander - von «purer Enttäuschung und purer Wut». Als «Knackpunkt» hatten die Gastgeber jene Szene ausgemacht, in der sich der designierte Berliner Nationalspieler Niklas Stark zu allem Unglück auch noch das Nasenbein brach, der Elfer-Pfiff aber ausblieb. Dabei war nicht nur der Ellenbogen von Konrad Laimer im Gesicht von Stark, auch der Ball landete auf dem Arm des Österreichers.
Videoassistent Benjamin Cortus griff anders als vor dem ersten Leipziger Tor nicht ein. Nationalstürmer Timo Werner glich mit dem Elfmeter die Hertha-Führung durch Maximilian Mittelstädt aus. «Wenn man sich die erste Sequenz anguckt, muss man sich die zweite auch angucken. Das ist das Mindeste», monierte Covic.
Der 44-Jährige weiß, Hertha braucht nach drei Liga-Niederlagen «schnellstmöglich Zählbares», auch um seine Position zu festigen. Dass jetzt auch verstärkt über den Trainer diskutiert werde, sei «legitim, wenn du nicht die Ausbeute hast, die du dir wünschst», sagte Covic: «Nach elf Spielen elf Punkte - das hast du dir anders vorgestellt.» Die Frage, dass seiner Mannschaft nun der Abstiegskampf drohen könnte, sei «vollkommen berechtigt».
Preetz rückt noch keinen Zentimeter von Covic ab: «Selbstverständlich werden wir auch in schwierigen Zeiten den Weg aus der Misere gemeinsam gehen.» Die Rückendeckung des Managers ist für Covic «extrem wichtig, wenn du Neuling in der Liga bist».
Der Deutsch-Kroate war zu Saisonbeginn als Nachfolger von Vereins-Legende Pal Dardai vom Nachwuchscoach zum Cheftrainer der Profis befördert worden. «Soweit ich mich erinnern kann, stehen wir nicht auf einem Abstiegsplatz», sagte Covic am Sonntag kämpferisch.
Während der Hauptstadtclub sportlich deutlich hinter den gestiegenen Erwartungen zurückbleibt, vermeldete der Club wirtschaftliche Rekordzahlen. Nach dem Einstieg von Lars Windhorst und dessen Investmentunternehmen Tennor verfügte Hertha zum 30. Juni dieses Jahres über ein Eigenkapital von bereits 123,7 Millionen Euro - ein Jahr vorher waren es 25,8 Millionen Euro. Die jüngste Zahlung von weiteren 99 Millionen Euro erhöhte die Summer noch einmal enorm.
Windhorst, der Ex-Nationalspieler Jürgen Klinsmann in den Aufsichtsrat hievte, gehören dafür 49,9 Prozent der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA. Hertha gab in der Saison 2017/18 insgesamt 170 Millionen Euro aus, so viel wie nie zuvor. Davon entfielen 62,2 Millionen Euro auf das Personal. Auf der Einnahmenseite standen 170,8 Millionen.
In der Tabelle ist Hertha nun sogar hinter den Stadtrivalen und Aufsteiger 1. FC Union (13) gefallen - die Nachwirkungen des verlorenen Stadt-Derbys wirken weiter nach. «Das Derby hat was mit uns gemacht, tabellarisch und was Stimmung betrifft», bemerkte Preetz. Die Tore der Leipziger Marcel Sabitzer, Kevin Kampl und nochmals von Nationalstürmer Werner machten die vierte Niederlage im vierten Bundesliga-Heimspiel gegen RB perfekt. Das 2:4 des ehemaligen Leipziger Davie Selke in der Nachspielzeit nutzte nichts mehr.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. November 2019 08:40 Uhr

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