Covic kann nach Debüt strahlen: Hertha ärgert Bayern

Covic kann nach Debüt strahlen: Hertha ärgert Bayern

Ein Robert Lewandowski reicht dem FC Bayern nicht. Die Münchner werden in der Defensive zweimal von Hertha BSC überrumpelt. Berlins neuer Trainer Ante Covic ärgert gleich in seinem ersten Bundesligaspiel den Rekordmeister und seinen Freund Niko Kovac.

Bayern München - Hertha BSC

© dpa

Niklas Stark (l-r), Per Skjelbred, Maximilian Mittelstädt und Pascal Köpke bedanken sich nach dem Spiel bei den Fans. Foto: Sven Hoppe

München (dpa) - Ante Covic bekam das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Der neue Trainer von Hertha BSC herzte nach dem ersten Achtungserfolg bei den großen Bayern alle seine Nebenleute auf der Bank und eilte zu seinen erschöpften Spielern. «Wir wissen es genau einzuordnen. Uns war klar, dass wir einige gute Momente haben mussten und auch einige Momente überleben mussten», sagte der 43-Jährige nach seinem Debüt in der Fußball-Bundesliga. Die neue, laute Atmosphäre im Oberhaus hatte Covic beeindruckt: «Man hat kaum Einfluss auf das Spiel, weil man seine Spieler kaum erreichen kann.»
Torschützenkönig Robert Lewandowski verhinderte mit einem Doppelpack einen krassen Fehlstart von Serienmeister FC Bayern München im Eröffnungsspiel der 57. Bundesliga-Saison. Das 2:2 (1:2) gegen eine in der ausverkauften Allianz Arena couragiert auftretende Berliner offenbarte am Freitagabend, dass die von Borussia Dortmund angeführten Bayern-Jäger den Serienmeister nach sieben Titeln am Stück in dieser Spielzeit angreifen können.
Lewandowski erzielte in der 24. Minute zunächst das erste Tor der neuen Saison und verwandelte nach Videobeweis einen Foulelfmeter zum 2:2-Endstand (60.). Bayern-Schreck Dodi Lukebakio (36. Minute) und Marko Grujic (38.) hatten zwischenzeitlich mit einem Doppelschlag die insgesamt von den Bayern dominierte Partie vor 75 000 Zuschauern gekippt. «Schade, wir haben viel investiert», sagte Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic am Ende und haderte mit dem Strafstoßpfiff nach Grujic' Ringeraktion gegen Lewandowski. «Solche Aktionen dürfen kein Spiel entscheiden», bemerkte Ibisevic.
Die Hertha wollte sich in München nicht verstecken. «Wir spielen gegen den schwersten Gegner im deutschen Fußball. Trotzdem möchte ich, dass wir mutigen Fußball zeigen», fordert Covic im ZDF. Als Rekordtransfer Lukebakio (20.) - im November legendärere Dreifachtorschütze für Düsseldorf in München - erstmals schwungvoll Richtung Tor zog, ging ein Raunen durchs Publikum. Doch Torwart Manuel Neuer war vor dem Belgier am Ball.
Die Bayern waren offensiv viel gefährlicher. Nach Torannäherungen von Thomas Müller und Lewandowski war es eine Frage der Zeit, bis der Saison-Premierentreffer fällig war. Die Hertha war trotz Fünfer-Kette instabil - später stellte Covic auf eine Vierer-Kette um. Über Joshua Kimmich und den agilen Serge Gnabry landete der Ball bei Lewandowski. Der Torschützenkönig der Vorsaison hatte kein Problem, einzuschieben. Der Pole ist der erste Bundesliga-Spieler, der zum fünften Mal in Serie am ersten Spieltag trifft.
Alles lief für die Bayern nach Plan, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge lächelten im VIP-Bereich. Doch dann kam erstmal alles anders. Lukebakio wurde von Joshua Kimmich, Benjamin Pavard und Niklas Süle nicht attackiert. Sein Schüsschen flog an den Rücken von Vedad Ibisevic und von dort unhaltbar für Neuer ins Tor. Der Bayern-Schreck hatte wieder zugeschlagen.
Drei Minuten später rasselten Grujic und Pavard mit den Köpfen zusammen. Pavard kam ins Straucheln, Grujic lief weiter, umkurvte von Ibisevic bedient Neuer und schob zur Hertha-Führung ein - erst dann ließ er sein gerade erlittenes Veilchen behandeln. Bundestrainer Joachim Löw fühlte sich auf der Tribüne «gut unterhalten». Hoeneß' und Rummenigges Laune hatte sich aber sichtbar verschlechtert.
Die Bayern blieben trotz des Rückstands recht cool. Gnabry und Coman sorgten für Unruhe in der Hertha-Defensive. Für den Torerfolg war aber wieder Lewandowski zuständig. Grujic riss den 30-Jährigen abseits des Spielgeschehens zu Boden. Schiedsrichter Harm Osmers entschied nach Video-Studium auf Strafstoß, den Lewandowski selbst verwandelte.
«Wir haben gut verteidigt. Aber wenn das Spiel zehn, 15 Minuten länger gegangen wäre, hätten wir Probleme bekommen», sagte Berlins Verteidiger Niklas Stark. Sein Team hätte zwar versucht, auch fußballerische Akzente zu setzen: «Doch da müssen wir noch an uns arbeiten. Wir müssen schneller im Kopf sein. Den Punkt nehmen wir aber mit und gehen mit Rückenwind in die nächsten Aufgaben.»
Bayern-Neuzugang Ivan Perisic saß im Sommer-Look noch auf der Tribüne - von Inter Mailand hatte er eine Gelb-Sperre mitgebracht. Der Kroate dürfte nicht die letzte Transferaktivität der Münchner gewesen sein. Kurz vor dem Anpfiff kamen die Meldungen aus Spanien, dass Philippe Coutinho vom FC Barcelona kurz vor einem Wechsel nach München steht. Das bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach der Partie. Auch für einen Wechsel von Michaël Cuisance von Borussia Mönchengladbach zu den Bayern sollen nur noch Details fehlen.
Mit dem Torgespür von Lewandowski hätte Corentin Tolisso (72.) die Bayern wieder in Führung gebracht, doch der Franzose vergab freistehend zu überhastet. Die Bayern hatten sich längst in der Hertha-Hälfte eingerichtet. Ganz große Chancen gab es aber kaum. David Alaba (83.) schoss wie auf der Gegenseite Ondrej Duda (77.) einen Freistoß in die Mauer. Gnabrys (65.) Schuss aus spitzem Winkel war das Signal für die letztlich doch erfolglose Schlussoffensive.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 17. August 2019 08:30 Uhr

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