Nach Dardai ist vor Covic: Signale für neue Saison

Nach Dardai ist vor Covic: Signale für neue Saison

Platz elf ist es am Ende für Hertha BSC. Zwar sei es eine «Topleistung», trotz vieler Verletzungssorgen wieder weit weg von der Abstiegszone zu landen, meint der scheidende Coach Dardai. Doch die Club-Bosse wollen mehr - und setzen die ersten Signale für 2019/20.

Herthas Trainer Pal Dardai

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Herthas Trainer Pal Dardai verabschiedet sich von den Fans nach dem Schlusspfiff. Foto: Paul Zinken/Archivbild

Berlin (dpa) - Als Letzter des Team-Trosses hastete der scheidende Chefcoach Pal Dardai aus der Messehalle 18, schrieb das letzte Autogramm für einen Fan - ab sofort genießt der Hertha-Fanliebling eine Zeit ohne Fußballstress. Drin im spärlich beleuchteten Betonbau verkündete Manager Michael Preetz am Sonntag die ersten Personalentscheidungen für die Nach-Dardai-Zeit. Auf jeden Fall wolle der Hauptstadtclub die neue Saison «besser abschließen».
Der belgische Nationalspieler Dedryck Boyata ist die erste Neuverpflichtung für den neuen Chefcoach Ante Covic. Der 28 Jahre alte Abwehrspieler und WM-Teilnehmer von 2018 kommt von Celtic Glasgow nach Berlin. Zudem verlängert Hertha die Verträge mit Kapitän Vedad Ibisevic (34) und mit dem aktuellen deutschen U-21-Nationalspieler Maximilian Mittelstädt (22). Die Talente Dennis Jastrzembski (19) und Florian Baak (20) wurden länger gebunden.
«Tanke Kraft. Ich freue mich, wenn wir uns im Sommer 2020 bei Hertha BSC wiedersehen», sagte Preetz zu Dardai. Der Geschäftsführer Sport begründete vor 1129 Mitgliedern noch einmal, warum es mit dem Ungarn auf dem Cheftrainer-Stuhl nicht weitergeht. Es sei nicht darum gegangen, «dass wir uns für die internationale Plätze qualifizieren müssen», sagte Preetz. Aber es sei einfach das Gefühl, dass in der Rückrunde «deutlich mehr drin gewesen wäre für uns».
Zum Saison-Abschluss gab es wie schon in den zwei Vorjahren (je 2:6) mit einem 1:5 gegen Bayer Leverkusen eine kräftige Klatsche. Kai Havertz (28. Minute), dreimal Lucas Alario (38., 72., 88.) und Julian Brandt (54.) trafen vor 59 287 Zuschauern für den Werksclub, der als Vierter im letzten Moment auf den Champions-League-Zug sprang. Valentino Lazaro (34.) glich zwischenzeitlich aus. Am Ende bleiben für den Hauptstadtclub Platz elf und ein Stück Unzufriedenheit.
Das Hauptproblem: Hertha fehlte die Konstanz. Immer, wenn die Chance auf einen Qualitätssprung da war, kam der nächste Rückschlag. Das kostete schließlich Dardai den Job. «Das Spiel hat ein bisschen die ganze Saison widergespiegelt», sagte der Trainer nach der Niederlage gegen Bayer. «Ohne die Verletzungen haben wir sehr organisiert, sehr gut gespielt. Nach den zwei Wechseln hat das ganze Anlauf-Verhalten, die ganze taktische Disziplin nicht so ausgesehen, wie man sich das wünscht», ergänzte der viereinhalb Jahre wirkende Coach.
Ein Schuss Naivität, Inkonstanz, die fehlende letzte Konsequenz - diese Defizite soll nun Covic als neuer Chefcoach beseitigen. Dardai hat dafür gesorgt, dass Hertha seit seinen Arbeitsbeginn im Februar 2015 erst einem weiteren Absturz entging und dann mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hatte. Mit den vielen Verletzungen in der laufenden Spielzeit sei das «eine Topleistung», meinte Dardai.
Nach dem emotionalen Abschied am Samstag im Olympiastadion wurden Dardai und der nach zwölf Hertha-Jahren in seine Heimat zurückkehrende Schweizer Profi Fabian Lustenberger auch bei der Mitgliederversammlung noch einmal bejubelt. «Für mich war die Motivation immer: Wir wollen Stabilität und international spielen», sagte Dardai. Das hat der Ungar erreicht: «Wir haben eine neue Philosophie entwickelt, da bin ich stolz.» Er sieht «eine funktionierende Mannschaft», die er übergibt: «Das Leben geht hier weiter. Im Fußball zählt immer der nächste Pass.»
Der nächste Schritt wird für den bisherigen Berliner Jugendcoach Covic nicht leicht. Die wirtschaftlichen Bedingungen werden sich für Hertha nicht schlagartig verbessern. Der Club will 2019/20 insgesamt 140,6 Millionen Euro ausgeben. Dagegen stehen vorgesehene Einnahmen von 140,8 Millionen Euro. Das sind neun Millionen Euro mehr, als es der Plan für 2018/19 vorsah. «Wir bewegen uns in der Bundesliga im Bereich zwischen 10 und 14», erklärte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller - das entspricht etwa dem sportlichen Abschneiden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 19. Mai 2019 14:50 Uhr

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