Ministerin befürchtet weitere Corona-Wellen ohne Impfpflicht

Ministerin befürchtet weitere Corona-Wellen ohne Impfpflicht

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat vor dem Risiko immer neuer Corona-Wellen ohne Einführung einer Impfpflicht für alle gewarnt. «Wenn wir die Immunitätslücken nicht deutlich herunterkriegen, sind wir immer wieder gefährdet, auch von einer neuen Welle erfasst zu werden», sagte Nonnemacher der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. «Ich habe meine Meinung zu einer Impfpflicht geändert, weil ich nicht sehe, dass wir mit aller Aufklärungsarbeit die Impfquoten erreichen, die wir brauchten.» Es müsse natürlich genug Impfstoff dafür vorhanden sein.

Ursula Nonnemacher

© dpa

Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Gesundheit, spricht.

In Brandenburg liegt der Anteil der Geimpften deutlich unter dem Bundesdurchschnitt: Am Mittwoch waren 64,3 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bis zu zweimal geimpft, bundesweit sind es 71 Prozent, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Eine Auffrischungsimpfung (Booster) haben 31,5 Prozent der Einwohner, bundesweit sind es 37,3 Prozent. Die Landesregierung ruft verstärkt zum Impfen auf, nun werden Briefe an rund 900.000 über 60-Jährige verschickt, um für Booster-Impfungen zu werben.
Um die Quote geimpfter Menschen zu erhöhen, ist eine allgemeine Impfpflicht im Gespräch. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte sich dafür ausgesprochen, mit der Entscheidung darüber bis Ende Januar oder Februar zu warten, um zu sehen, ob sich genug Menschen freiwillig einen Piks geben lassen. Während Nonnemacher für eine Impfpflicht ist, sieht Innenminister Michael Stübgen (CDU) diese sehr skeptisch. Angedacht ist eine Abstimmung im Bundestag ohne Fraktionszwang.
Eine Impfpflicht für Beschäftigte in Kliniken oder Pflegeheimen ist beschlossene Sache, sie greift für Nonnemacher aber zu kurz: «Ich hätte mir gewünscht, dass die ersten Schritte einer berufsbezogenen Impfpflicht nicht nur den Gesundheits- und Pflegebereich, sondern auch Kindertagesstätten und Schulen umfassen», sagte die Grünen-Politikerin, die Ärztin ist. «Wir haben überhaupt keine Impfung für die unter Fünfjährigen, und die unter Zwölfjährigen sind noch so gut wie ungeimpft.»
Die Ministerin kritisierte eine Radikalisierung der Proteste gegen Corona-Maßnahmen. «Ich fände es jetzt falsch, wenn wir unsere Politik an Impfgegnern ausrichten würden, die zum Teil von bekennenden Rechtsextremisten unterwandert sind», sagte Nonnemacher. «Die Frage, wie man es mit dem Impfstoff hält, wird praktisch religiös überhöht. Ich finde, wir müssen da alle mal wieder herunterkommen.» Es gehe um Solidarität. Wöchentlich protestieren Tausende Menschen an zahlreichen Orten in Brandenburg gegen Corona-Beschränkungen.
In den Brandenburger Krankenhäusern ist die Zahl der Patientinnen und Patienten mit Covid-19 auf Intensivstation wieder gestiegen. Derzeit würden 185 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Vor einer Woche waren 178 Patienten landesweit auf Intensivstationen. Insgesamt sind derzeit 728 Menschen mit Covid-19 im Krankenhaus, vor einer Woche waren es 885. Der Anteil der Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten stieg auf 25,1 Prozent.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 29. Dezember 2021 15:16 Uhr

Aktuelle Meldungen aus Berlin