Berliner Wasser wird intensiver gereinigt

Berliner Wasser wird intensiver gereinigt

Für saubereres Trinkwasser in der Hauptstadt erhöhen die Berliner Wasserbetriebe den Reinigungsaufwand. Das Klärwerk im Wandlitzer Ortsteil Schönerlinde (Barnim) erhält dazu eine vierte Reinigungsstufe.

Trinkwasser

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Trinkwasser läuft aus Wasserhahn.

Der Standort am Berliner Ring soll ab 2024 mit Hilfe von Ozon Spurenstoffe von Medikamenten und anderen Mitteln beseitigen, wie das Unternehmen am 8. Dezember 2021 mitteilte. 48 Millionen Euro werden in die Erweiterung des drittgrößten Berliner Klärwerks investiert; es reinigt Wasser aus dem Norden der Stadt und aus Umlandgemeinden. «Die anderen Klärwerke werden folgen», kündigte Werksleiterin Barbara Hütter an.
«Ozon is coming home», sagte der Spurenstoff-Experte Martin Jekel - Werner von Siemens hatte Mitte des 19. Jahrhunderts den ersten Ozongenerator entwickelt. Das Reizgas wird künftig in Schönerlinde hergestellt und in biologisch gereinigtes Wasser eingeleitet. Dort zerlegt Ozon etwa hundert Reststoffe, etwa von Arzneimitteln, Geschirrspülmitteln und Süßstoffen.
Denn die Wasserbetriebe erwarten, dass sich die Konzentration von Spurenstoffen und Mikroorganismen im Berliner Abwasser erhöht. Die Menschen werden älter und nehmen mehr Medikamente, erklärte Vorstandschef Frank Bruckmann. Zugleich wachse die Stadt, während der Klimawandel die Wassermenge von Havel und Spree senke. Aus den Flüssen gewinnt Berlin etwa 70 Prozent seines Trinkwassers. Das gereinigte Wasser aus Schönerlinde fließt über den Nordgraben in den Tegeler See.
Bundesweit werden Medikamentenrückstände, Mikroplastik und andere Schadstoffe zunehmend zur Herausforderung. Der Bundesverband der Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft warnt, auch weitere Reinigungsstufen würden in Kläranlagen nicht alle Mittel herausbekommen, etwa Röntgenkontrastmittel. Die Branche schlägt vor, den Wasserkreislauf stärker zu schützen. Patienten sollen etwa Urinbeutel nutzen, um das Kontrastmittel über den Restmüll zu entsorgen. Klare Zielvorgaben für den Schadstoffeintrag aus dem Verkehr und der Landwirtschaft seien notwendig.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 8. Dezember 2021 14:15 Uhr

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