Kiezspaziergang am 14.4.2007

Vom Bahnhof Grunewald durch Eichkamp

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Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen

Treffpunkt: Vor dem Bahnhof Grunewald

Sehr geehrte Damen und Herren!

Herzlich willkommen zu unserem 64. Kiezspaziergang. Wir haben uns heute am Bahnhof Grunewald getroffen, aber wir wollen nicht die Villenkolonie Grunewald erkunden. Sie war schon öfter Thema von Kiezspaziergängen, und wir haben zwar noch nicht alle Teile der Villenkolonie erkundet, aber doch schon eine ganze Menge. Heute soll es vor allem um die Siedlung Eichkamp gehen, eine ganz eigenartige Wohnsiedlung, die in den 20er Jahren entstanden ist und die in dieser Form einmalig ist. Es gibt Villen, Einfamilienhäuser, kleinere Mietshäuser, und das alles sehr naturverbunden und sehr idyllisch.
In der Siedlung Eichkamp gibt es einen aktiven, rührigen Siedlerverein, und ich freue mich, dass der Vorsitzende Uwe Neumann uns seine Siedlung vorstellen wird. Bei der Vorbereitung haben wir schon gemerkt, dass er so viel über Eichkamp weiß, dass wir alle noch eine Menge dazulernen können. Vielen Dank, Herr Neumann, dass Sie sich heute die Zeit nehmen, um uns aufzuklären.
Wie gewohnt will ich Ihnen zu Beginn unseren nächsten Treffpunkt mitteilen. Am Sonnabend, dem 12.Mai, werde ich nicht in Berlin sein. Deshalb wird mich meine Kollegin, die Sozial- und Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer vertreten. Sie wird unterstützt werden von Prof. Klaus W. Döring, dem Vorsitzenden des Bürgervereins Lietzenseepark. Die beiden werden mit Ihnen gemeinsam rund um den Lietzensee durch den Lietzenseepark spazieren, und dort gibt es viel zu sehen und zu erklären. Treffpunkt ist am Sonnabend, dem 12. Mai um 14.00 Uhr U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz.
Wie Sie wissen gibt es seit Januar dieses Jahres auch das Kiezmenü, und zwar immer am letzten Mittwoch eines Monats um 18.00 Uhr. Natürlich ist das April-Menü längst ausgebucht. Aber für das Mai-Menü können Sie sich ab Montag, dem 7. Mai in der Pressestelle anmelden, Telefon 9029-12514. Es findet statt am Mittwoch, dem 30. Mai, um 18.00 Uhr im Restaurant Glocke, Mecklenburgische Straße 14 am Brabanter Platz, und es gibt einen Vorspeisenteller “Georgische Art”, Spargel nach Art des Hauses und ein Dessert “Himbeerträume” für 12.- Euro.

Villenkolonie Grunewald

Die Villenkolonie Grunewald entstand im Zusammenhang mit dem Ausbau des Kurfürstendammes zum Boulevard. Fürst Bismarck hatte auf diesen Ausbau großen Wert gelegt. Da er privat finanziert werden musste, durfte die dafür gegründete Kurfürstendamm-Gesellschaft als Gegenleistung 234 ha Grunewaldgelände für die Anlage einer Villenkolonie erschließen. Dies geschah im Jahr 1889, unter anderem durch die künstliche Anlage von vier Seen: Dianasee, Koenigssee, Herthasee und Hubertussee. 1889 wurde auch das Straßennetz angelegt, und die ersten Grundstücke wurden baureif gemacht und verkauft. 10 Jahre später, 1899 erhielt die Kolonie den Status einer selbständigen Landgemeinde. Allgemein wurde sie in Berlin die “Millionärskolonie” genannt.
Die Anlage der Villenkolonie war höchst umstritten. Das Lied “Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion” war nicht zuletzt Ausdruck des ohnmächtigen Protests gegen das Abholzen der meisten Bäume.
1920 gab es in der Landgemeinde Grunewald besonders starke Proteste gegen die Bildung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin. Aber diese Proteste nützten nichts. Grunewald mit 6.449 Einwohnern wurde 1920 gemeinsam mit Eichkamp, der Gemeinde Schmargendorf und der Großstadt Wilmersdorf zum Bezirk Wilmersdorf, dem 9. Bezirk von Berlin zusammengefasst.
In der Kolonie Grunewald ließen sich Bankiers, Unternehmer, Professoren, erfolgreiche Künstler und Schriftsteller nieder und genossen bis zur Eingemeindung 1920 die Steuervorteile der Landgemeinde Grunewald.
Der jüdische Anteil der Bevölkerung war hier besonders hoch. Ungefähr ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner waren jüdischer Herkunft. Viele jüdische Repräsentanten des neuen, modernen Berlin zog es seit der Jahrhundertwende in den “Neuen Westen”. Nach 1933 vertrieben die Nationalsozialisten die jüdischen Bürgerinnen und Bürger und zerstörten damit das kulturelle Zentrum Grunewald.

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Am Bahnhof Grunewald, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bahnhof Grunewald
Dieser Bahnhof wurde 1879 zunächst als Bahnhof Hundekehle eröffnet, 1884 wurde er umbenannt in “Bahnhof Grunewald”. Zunächst wurde er vor allem von den Grunewald-Ausflüglern aus Berlin genutzt, seit der Zeit um 1900 zunehmend auch von den Bewohnern der Villenkolonie. Das Bahnhofsgebäude wurde 1899 von Karl Cornelius gebaut. Es steht ebenso unter Denkmalschutz wie der Tunnel, der 1884-85 entstand, gemeinsam mit dem Bahnsteig 1. Der Bahnsteig 2 wurde 1935 eröffnet.
Seit dem 18. Oktober 1941 fuhren von hier und von den Bahnhöfen Putlitzstraße und Lehrter Stadtbahnhof Deportationszüge nach Lodz, Riga und Auschwitz und brachten insgesamt mehr als 35.000 jüdische Berlinerinnen und Berliner in die Vernichtungslager, wo die meisten von ihnen ermordet wurden.
Auf Initiative der Bezirksverordnetenversammlung Wilmersdorf wurde am 18. Oktober 1991 das Mahnmal von Karol Broniatowski enthüllt. Es zeigt in einem Betonblock Negativabdrücke von menschlichen Gestalten und informiert daneben auf einer Bronzetafel über die Deportationen. Diese Bronzetafel ist leider schwer lesbar, aber der Künstler wollte es so: Das Entziffern des Textes soll Mühe machen.

Der Text lautet:
“Zum Gedenken
an die mehr als 50.000 Juden Berlins,
die zwischen Oktober 1941 und Februar 1945
vorwiegend vom Güterbahnhof Grunewald aus
durch den nationalsozialistischen Staat
in seine Vernichtungslager deportiert und ermordet wurden.
Mahnung an uns,
jeder Mißachtung des Lebens und der Würde des Menschen
mutig und ohne Zögern entgegenzutreten.”

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Am Mahnmal "Gleis 17", Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Auch die Deutsche Bahn AG hat sich für die Erinnerung an die Deportationen von diesem Bahnhof engagiert. Am 27. Januar 1998 wurde das Mahnmal auf der Gleisanlage von der Deutschen Bahn AG enthüllt. Es wurde von Nicolaus Hirsch, Wolfgang Lorch und Andrea Wandel geschaffen. Es befindet sich an den Gleisen, von denen die Deportationszüge abgefahren sind. Es besteht aus Metallplatten auf den ehemaligen Verladebahnsteigen. Auf diesen Metallplatten sind die Daten, Bestimmungsorte und die Opferzahlen der einzelnen Transporte eingraviert. Wir kennen diese Daten aus den Transportlisten der Nationalsozialisten.
Sie haben genaue Listen über die Transporte geführt, auf denen allerdings die Verladebahnhöfe nicht erwähnt sind. Deshalb wissen wir nur von Augenzeugenberichten über einzelne Transporte vom Bahnhof Grunewald.
Die großen Transporte mit meist mehr als 1000 Menschen gingen zunächst nach Lodz und Riga, seit Ende 1942 bis Juni 1943 nach Auschwitz. Danach gab es noch bis zum 2.2.1945 kleinere Transporte, zuletzt am 2.2.1945 mit 11 Opfern nach Ravensbrück.
Die Reichsbahn verlangte von der SS pro Person und gefahrenem Schienenkilometer 4 Pfennige, pro Kind 2 Pfennige, nur die Hälfte wenn mehr als 400 Menschen transportiert wurden. Für die ersten Transporte wurden noch Personenzüge verwendet, später Güterzüge.

Von den etwa 170.000 in Berlin lebenden Juden wurden 55.000 in Konzentrationslagern ermordet. Von 5000, die in den Untergrund gingen, haben 400 überlebt – wie zum Beispiel Hans Rosenthal und Inge Deutschkron, die davon in ihren Lebenserinnerungen berichtet haben.

Für die geplante Bebauung des Güterbahnhof-Geländes mit Wohnhäusern hat die Bezirksverordnetenversammlung strenge Auflagen formuliert: Das Mahnmal muss in seiner jetzigen Anlage und künstlerischen Gestaltung unversehrt und unbeeinträchtigt bleiben. Die Sichtachse von Gleis 17 in die Ferne muss frei gehalten werden. Ein Supermarkt darf hier in der Nähe nicht errichtet werden. Im Zusammenhang mit dem Bauprojekt soll eine ausführliche Dokumentation zum Geschehen am Bahnhof Grunewald erstellt werden.

Seit Jahren organisieren Schülerinnen und Schüler am 9. November einen Gang vom Gedenkstein an der Koenigsallee Ecke Erdener Straße, der an die Ermordung Walther Rathenaus 1922 erinnert, hierher, wo eine Gedenkveranstaltung mit Holocaust-Überlebenden stattfindet.

Im Gegensatz zu dem großen Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor ist der Bahnhof Grunewald ein authentischer Ort, der mit dem tatsächlichen historischen Geschehen des Holocaust in Verbindung steht. Deshalb hat dieser Ort eine große Bedeutung. Das wurde zuletzt am 12. Dezember 2006 deutlich, als der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert diese Gedenkstätte besuchte und hier der Opfer des Holocaust gedachte.

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Im Dauerwaldweg, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Eichkamp

Die Siedlung Eichkamp, benannt nach der Revierförsterei Eichkamp im Forst Grunewald, wurde nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1929 von Max und Bruno Taut, Martin Wagner, Franz Hoffmann und Otto Pflug unmittelbar neben der AVUS angelegt und als preisgünstiger Wohnraum für Angestellte und Beamte konzipiert. Max Tauts Bebauungsplan hatte ursprünglich ein wesentlich größeres Areal zwischen Teufelssee-Chaussee und AVUS vorgesehen, im Westen vom Grunewald, im Osten durch einen Exerzierplatz, das heutige Messegelände, begrenzt. Ludwig Marcuse sprach von “…einem lichten Berliner Dörfchen mit kindlich-schlichten Straßen und Häuschen…” Bei der Bildung von Groß-Berlin 1920 kam die Siedlung zum Bezirk Wilmersdorf. 1938 wurde sie bei einer Gebietsreform dem Bezirk Charlottenburg zugeschlagen. Seit 2001 gehört sie nun zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Prominente Bewohner der Siedlung Eichkamp waren Arnold Zweig, Ludwig Marcuse, Elisabeth Langgässer, Horst Krüger und Max Taut, und inzwischen ist auch Herta Heuwer prominent geworden als Erfinderin der Curry-Wurst.

Restaurant Landkneipe / Scheune

AVUS
Die AVUS ist heute Teil der Bundesautobahn A 115. Sie wurde 1913 bis 1921 als Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße AVUS gebaut und am 24.9.1921 mit einem Motarradrennen eröffnet. Auf der ursprünglich 10km langen Strecke, die in zwei Schleifen endete, fanden viele spektakuläre Autorennen statt. Am 1.5.1999 wurde sie mit einer großen Abschlussparty als Rennstrecke geschlossen.

Link zu: Uwe Neumann, Vorsitzender des Siedlervereins Eichkamp, Foto: KHMM
Uwe Neumann, Vorsitzender des Siedlervereins Eichkamp, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Dauerwaldweg
Waldklause
Deutsches Nordic Walking Institut
Studentenwohnheim

Rottannenweg

Sonnenhof

Rottannenweg

Alte Allee
Die Alte Allee wurde 1924 benannt, es ist die älteste Straße in der Siedlung Eichkamp.

Eichkatzweg
Der Eichkatzweg wurde 1936 umbenannt. Davor hieß er seit 1921 “Im Eichkamp”.

Eichkatzweg 56
Buddy Bär vor der Haustür

Eichkatzweg 54 Herta Heuwer
Hier lebte bis zu ihrem Tod am 3. Juli 1999 Herta Heuwer, die als Erfinderin der Curry-Wurst gilt. Ihre Currysauce ist unter der Patentnummer 721 319 zu finden. 2003 wurde an dem Haus Kantstraße 101 an der Seite zur Kaiser-Friedrich-Straße eine Gedenktafel angebracht mit folgendem Text:
“Hier befand sich der Imbissstand,
in dem am 4. September 1949
Herta Heuwer
30. Juni 1913 in Königsberg – 3. Juli 1999 in Berlin
die pikante Chillup-Sauce
für die inzwischen weltweit bekannte Currywurst erfand.
Ihre Idee ist Tradition und ewiger Genuss!”

Link zu: Im Eichkatzweg, Foto: KHMM
Im Eichkatzweg, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Eichkatzweg 35 Horst Krüger
Der Schriftsteller und Essayist Horst Krüger hat 1966 in seinem Erinnerungsbuch “Das zerbrochene Haus. Eine Jugend in Deutschland” seine Kindheit und Jugend in Eichkamp während des Nationalsozialismus beschrieben. Er löste damals Betroffenheit und Proteste aus:
“Vier Jahre Grundschule in Eichkamp, neun Jahre das Grunewald-Gymnasium besucht, neun Jahre lang täglich von der S-Bahn abgesprungen und dazwischen das Hakenkreuz über Eichkamp; erst die Skepsis und dann die frohe Stimmung, weil es nun doch wieder mit uns allen bergauf ging. Katzensteins und Schicks und Wittkowskis waren weggezogen. Man hatte es eigentlich nicht recht bemerkt. Es waren unsere guten Juden; die schlimmen wohnten rund um den Alex.
Jeder Eichkamper hatte mindestens einen guten Juden. Meine Mutter bevorzugte jüdische Ärzte. ‘Sie sind so sensibel’, sagte sie.”

Krüger beschreibt das Grunewald-Gymnasium als Drei-Klassen-Schule: Die Grunewalder Großbürgerkinder blieben unter sich, Krüger selbst gehört zu den kleinbürgerlichen Außenseitern aus Eichkamp, und dann gab es noch ein paar Arbeiterkinder aus Halensee.

Eichkatzweg 33 Elisabeth Langgässer
Elisabeth Langgässer lebte hier von 1935 bis 1948. Die Schriftstellerin gehörte gemeinsam mit Oskar Loerke, Peter Huchel und Günter Eich zum Dichterkreis der “Kolonne”.
Sie wurde am 23. Februar 1899 als Tochter eines Baurates in Alzey geboren. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin. 1928 übersiedelte sie mit ihrer Tochter nach Berlin, wo sie zunächst als Dozentin für Pädagogik arbeitete und anschließend ihren Lebensunterhalt mit Hörspielen bestritt. Wegen ihrer jüdischen Abstammung erhielt sie als so genannte “Halbjüdin” kurz nach dem Erscheinen ihres Romans “Gang durch das Ried” 1936 Publikationsverbot; ihre Tochter wurde als so genannte “Volljüdin” nach Auschwitz und Theresienstadt deportiert. Langgässer selbst musste Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb verrichten. Auch machten ihr eine multiple Sklerose und der Krieg zu schaffen. Während dieser Zeit schrieb Langgässer den Roman “Das unauslöschliche Siege”, der 1946 erschien. 1948 kehrte sie nach Rheinzabern im Kreis Germersheim in die Nähe ihrer Geburtsstadt zurück. Hier entstand ihr letzter Roman “Märkische Argonautenfahrt”. Langgässer starb am 25. Juli 1950. Kurz vor ihrem Tod erhielt sie den Georg-Büchner-Preis.

Eichkatzweg 31 Ludwig Marcuse
Ludwig Marcuse lebte hier und später im wenige Meter entfernten Haus Nr.25 von 1929 bis 1933. Der Schriftsteller, Literaturkritiker und Philosoph wurde vor allem bekannt durch seine Biographien über bedeutende Persönlichkeiten wie Ludwig Börne, Heinrich Heine, Sigmund Freud und Richard Wagner und durch seine Autobiographie, die 1960 unter dem Titel “Mein zwanzigstes Jahrhundert” erschien.
Marcuse wurde 1894 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Friedrichswerder absolvierte er ein Studium in Berlin und Freiburg, das er mit der Promotion abschloss.
Marcuse arbeitete als Journalist und Theaterkritiker unter anderem für die Vossische Zeitung, das Berliner Tageblatt und den Frankfurter Generalanzeiger. 1924 schrieb er eine Biographie über den schwedischen Dramatiker August Strindberg. Das Buch wurde ein großer Erfolg. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigrierte er mit seiner Frau Sascha in die USA und ließ sich in Los Angeles nieder, wo er ab 1940 eine außerordentliche Professur innehatte, ab 1947 einen Lehrstuhl für Philosophie, Kultur und Geistesgeschichte. Daneben setzte er seine Tätigkeit als Schriftsteller fort. 1960 arbeitete er als Gastdozent in Frankfurt, ehe er 1963 endgültig nach Deutschland zurückkehrte, wo er weiterhin publizierte. Marcuse starb am 2. August 1971 in München.

Eichkatzweg 19-25
Die Wohnhäuser wurden 1919-23 von Max Taut und Franz Hoffmann gebaut.

Maikäferpfad
Ev. Gemeindehaus (Ev. Friedensgemeinde Charlottenburg)

Kühler Weg
Der Weg liegt am kühlen Wald und wurde deshalb 1929 so genannt.

Kühler Weg 10: Atelier von Arnold Zweig
Auf dieses Atelierhaus bezieht sich die Bemerkung von Horst Krüger aus seinem Buch “Das zerbrochene Haus”: “Arnold Zweig wohnte damals in Eichkamp. Sein modisches Flachdach war undeutsch und musste nach seiner Flucht gleich germanisch gegiebelt werden.”

Sportanlage Kühler Weg
Am 29. April soll dieses Gelände in “Hans-Rosenthal-Sportanlage” umbenannt werden. Hans Rosenthal überlebte den Holocaust in einer Berliner Kleingartenkolonie mit Unterstützung mutiger Berlinerinnen und Berliner. Er war nicht nur der beliebteste Radio- und Fernsehquizmaster der Nachkriegszeit, sondern auch aktiv im Zentralrat der Juden in Deutschland und bekennender Fußballfan. Als solcher war er von 1965 bis 1973 Präsident des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin. Die in diesem Verein tätige und von ihm mit gegründete Prominenten-Elf trägt seit seinem Tod den Namen Hans-Rosenthal-Elf und sammelt Gelder für die Hans-Rosenthal-Stiftung.

Link zu: In der Julius-Hirsch-Sportanlage, Foto: KHMM
In der Julius-Hirsch-Sportanlage, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Julius-Hirsch-Sportanlage (Eichkamp), TUS Makkabi
Am 21. Januar dieses Jahres wurde im Zusammenhang mit der Umbenennung der Sportanlage nach Julius Hirsch auch die Gedenktafel mit folgendem Text enthüllt:
“Julius Hirsch
*7. April 1892 Achern/Baden März 1943 Auschwitz-Birkenau
Mitglied des Karlsruher Fußballvereins 1902 – 1933
Deutscher Fußballmeister 1910 mit dem Karlsruher FV
Mitglied der deutschen Fußballnationalmannschaft 1911 – 1913
Deutscher Nationalspieler bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm
Deutscher Fußballmeister 1914 mit der Spielvereinigung Fürth
Soldat im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918
Ab 1933 wurde Julius Hirsch aufgrund seines jüdischen Glaubens
von den Nationalsozialisten entrechtet, gedemütigt, verfolgt und 1943 ermordet.”

Link zu: Vor der Reinfelder-Schule, Foto: KHMM
Vor der Reinfelder-Schule, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Maikäferpfad
Sportluftbad Eichkamp, Verein für Körperkultur 1901 e.V.
Kolonie Buchenweg

Maikäferpfad 30: Reinfelder-Schule
Die Reinfelder-Schule bezog 1976 ihren Neubau hier am Maikäferpfad. Sie ist Sonderpädagogisches Förderzentrum, Schule für Schwerhörige und Montessori-Grundschule in einem. Ihren Namen erhielt sie nach Dionys Reinfelder, der 1907 in Berlin-Mitte die erste Landesschule für Schwerhörige gegründet hatte.
Im August 1992 wurden hier die ersten Integrationsklassen, die nach Grundsätzen Maria Montessoris arbeiten, eingerichtet und auch behinderte Kinder aufgenommen. Seit dem Schuljahr 2001/2002 nimmt die Reinfelder-Schule an dem Modellversuch “Altersmischung im Unterricht der Grundschule” teil.
Die Sekundarstufe I der Sonderschule für Schwerhörige bietet die Möglichkeit zum Abschluss der Haupt- und Realschule an.
Außerdem gibt es in dem Haus eine audiologische Beratungsstelle. Sie bietet Diagnostik und Unterstützung bei allen Hörproblemen an.
Auf dem Gelände befinden sich neben dem eigentlichen Schulgebäude eine große Doppelturnhalle, eine Schwimmhalle, ein Fotolabor, ein Schulgarten und ein Freiluft-Unterrichtsplatz.

Helen-Keller-Sonderschule (Waldschulallee 31)
Hinter der Reinfelder-Schule befindet sich an der Waldschulallee 31 die Helen-Keller-Sonderschule für Sprachbehinderte. Sie zog 1971 in ihren neuen Schulkomplex.

Link zu: An der Gedenktafel für Arnold Zweig, Foto: KHMM
An der Gedenktafel für Arnold Zweig, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Zikadenweg 59 Gedenktafel Arnold Zweig
Die Gedenktafel für Arnold Zweig wurde 1987 enthüllt:
“Hier wohnte und arbeitete bis zu seiner
Emigration im Jahre 1933
ARNOLD ZWEIG
10.11.1887 – 26.11.1968
Erzähler, Dramatiker, Essayist
Verfasser des Romans
Der Streit um den Sergeanten Grischa”

Der Schriftsteller wurde 1887 als Sohn eines Sattlers in Glogau geboren und studierte Philosophie, Sprachen, Geschichte, Psychlogie, Germanistik und Kunstgeschichte, unter anderem bei Max Scheler und Edmund Husserl in Göttingen. Er wurde zunächst zum Vertreter des literarischen Impressionismus, der von der Psychoanalyse Sigmund Freuds beeinflusst war. Die Erfahrung des Ersten Weltkrieges machte ihn zum Pazifisten und engagierten Autor. Nach 1918 lebte Zweig als freier Schriftsteller in Starnberg und Berlin. Unter seinen sozial- und zeitkritischen Romanen ragt “Der Streit um den Sergeanten Grischa” von 1927 heraus.
Nach der Machtübernahme Hitlers musste Zweig 1933 aus Deutschland fliehen und emigrierte über die Tschechoslowakei, die neutrale Schweiz und Frankreich nach Palästina, von wo aus er immer wieder nach Europa und nach Nordamerika reiste.
In diesen Jahren entstand der Roman “Das Beil von Wandsbek”, der 1943 auf hebräisch erschien, 1947 auf deutsch. Während dieser Zeit entwickelte er eine marxistisch geprägte Weltanschauung. 1948 kehrte Zweig nach Ostdeutschland zurück, wo er zwischen 1949 und 1967 Abgeordneter der Volkskammer war. Außerdem wurde er 1950 Präsident und 1953 Ehrenpräsident der Deutschen Akademie der Künste. In den fünfziger Jahren stand Zweig dem ostdeutschen PEN vor. Er starb am 26. November 1968 in Ost-Berlin.

Lärchenweg

Lärchenweg 15 Max Taut
Max Taut lebte hier seit 1930

Am Fliederbusch

Waldschulallee
1904 wurde in Charlottenburg für gesundheitlich schwache Schüler aus den Mietskasernen der Stadt die erste deutsche Waldschule errichtet, 1909 daneben die ‘Höhere Schule’, die heutige Wald-Oberschule. Die Waldschulallee erhielt 1925 ihren Namen, weil sie zu den beiden Schulen führt.

Waldschulallee 19-23
Die ersten Hauptpreise beim Tag der offenen Tür in den 60er Jahren

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Am Bahnhof Messe Süd (Eichkamp), Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bahnhof Messe-Süd (Eichkamp)
Der Bahnhof Eichkamp wurde 1927-30 von Richard Brademann gebaut. Das Empfangsgebäude ist ein mit roten Klinkern verblendeter Mauerwerkbau im Stil der neuen Sachlichkeit mit expressionistischen Elementen. 1935 wurde die Anlage im Zusammenhang mit dem Bau der in unmittelbarer Nachbarschaft errichteten Deutschlandhalle von Fritz Hane und Hugo Röttcher erweitert. Und bis 1946 trug der Bahnhof jetzt auch den Namen “Deutschlandhalle”.
Der Bahnhof ist Teil der ehemaligen Vorortbahn nach Spandau. Diese gesamte Bahn steht einschließlich Brücken und Bahnhöfen unter Denkmalschutz. Von 1980 bis 1998 war der S-Bahn-Verkehr auf dieser Strecke eingestellt. Im Juni 2002 wurde der Bahnhof umbenannt in “Messe-Süd”, was bei vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht auf Begeisterung stieß.