Kiezspaziergang am 14.10.2006

durch den Dachsgrund im Grunewald

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Kiezspaziergang im Grunewald am 14.10.2006, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

mit Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen und Dr. Beate Witzel
Treffpunkt: Am unteren Parkplatz beim Wirtshaus Schildhorn, Straße am Schildhorn, 14193 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren!

Herzlich willkommen zu unserem Kiezspaziergang im Oktober. Es ist unser 58., und auch heute werden wir wieder einen Teil unseres Bezirks kennen lernen, wo wir bisher noch nicht gewesen sind. Im Gegensatz zur City-Tour im vergangenen Monat September verspricht unser heutiger Kiezspaziergang ein besonders außergewöhnliches Naturerlebnis zu werden. Wir werden gemeinsam mit Frau Dr. Beate Witzel von der Naturwissenschaftlichen Sammlung einen Rundgang durch den Dachsgrund machen. Frau Dr. Witzel ist Mitarbeiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlung des Stadtmuseums an der Schloßstraße 69a hinter dem Heimatmuseum, und sie ist darauf spezialisiert, die naturgeschichtlichen Grundlagen unserer Region Berlin sehr anschaulich und eindrucksvoll zu erläutern. Die Idee zu diesem Spaziergang kam uns gemeinsam in den Sinn, als Frau Dr. Witzel uns vor einigen Monaten ihr Museum präsentiert hat. Damals haben alle Beteiligten gestaunt und manche zum ersten Mal verstanden, was in der Eiszeit eigentlich für uns heute so bedeutungsvolles und prägendes passiert ist. Und wir haben uns überlegt, dass dies alles vor Ort im Grunewald doch noch viel spannender sein könnte.
Wir werden also hier im Grunewald vor Ort nicht nur etwas über die Tier- und Pflanzenwelt erfahren, sondern vor allem auch über die geologischen Formationen, wie sie sich während und nach der Eiszeit entwickelt haben. Ich danke Frau Dr. Witzel herzlich dafür, dass sie sich bereit dazu erklärt hat, dieses Abenteuer mit uns gemeinsam zu wagen.
Zuvor möchte ich Ihnen aber wie immer unseren nächsten Treffpunkt mitteilen. Wie immer am zweiten Sonnabend im Monat, also diesmal am Sonnabend, dem 11. November, um 14.00 Uhr treffen wir uns vor dem Rathaus Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz, und wir werden voraussichtlich die Robert-Jungk-Gesamtschule und das Logenhaus in der Emser Straße besichtigen, und zum Schluss sind wir eingeladen zu einem Kaffee oder Glühwein vor dem Berlin Plaza Hotel in der Knesebeckstraße Ecke Kurfürstendamm.
Lassen Sie mich, bevor ich das Wort an Frau Dr. Witzel abgebe, noch einige Bemerkungen machen zum Wirtshaus und zur Halbinsel Schildhorn, die wir ja vor zwei Jahren bei einem Kiezspaziergang schon einmal besucht haben.
Das Wirtshaus Schildhorn steht unter Denkmalschutz. Es wurde ab 1865 in zahlreichen Baustufen errichtet und ist ein beliebtes, traditionelles Ausflugslokal am Havelufer. Im Äußeren ist es weitgehend erhalten: Zwei hallenartige eingeschossige Restaurantsäle wurden 1873 als Eisenfachwerkbauten errichtet mit Gefachen aus getünchten Backsteinen.
Daneben steht ein neubarocker Putzbau mit verglasten Arkaden von 1890. Um 1850 entstanden straßenseitig spätklassizistische Wohnhäuser.
An der Spitze der Halbinsel Schildhorn ließt König Friedrich Wilhelm IV. 1845 das Schildhorndenkmal nach einem Entwurf von Friedrich August Stüler als Pfeiler aus schlesischem Sandstein errichten.
Dieses Denkmal erinnert an die Zeit im 12. Jahrhundert, als sich zum ersten Mal Deutsche für dieses Gebiet zu interessieren begannen. Bis dahin war es nur sehr spärlich von Slawen oder Wenden besiedelt. Und der letzte slawische Fürst, Jaczo von Kopenice, soll, so will es die Legende, an dieser Stelle nach einer vernichtenden Schlacht auf der Flucht vor Albrecht dem Bären, die Havel durchschwommen haben. Als er wider Erwarten heil am Ufer ankam, hing er Schild und Schwert an einen Baum und gelobte, zum Christentum überzutreten und sich taufen zu lassen. Von dieser Legende erhielt die Halbinsel ihren Namen Schildhorn.
Stüler nahm in der Gestaltung des Denkmals die Sage auf und gab dem Pfeiler die Form eines Baumstumpfes, an dessen angedeuteten Zweigen die Waffen des Wendenfürsten hängen. Auf halber Höhe hängt der Schild, so, wie Jaczo ihn der Legende zufolge zurück gelassen hat. Den krönenden Abschluss bildet ein Scheibenkreuz.
Historische Tatsache ist, dass der Slawenfürst Jaczo das Land Brandenburg besaß, bis Albrecht der Bär es im Jahr 1157 eroberte und das Gebiet bis Spandau besetzte. Wir wollen heute aber vor allem etwas über die Zeit davor lernen – und darauf bin ich schon sehr gespannt.

Text von Dr. Beate Witzel folgt.