128. Kiezspaziergang am 11.8.2012

Vom Henriettenplatz zum Bahnhof Grunewald

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Elfi Jantzen, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bezirksstadträtin Elfi Jantzen

Treffpunkt: Henriettenplatz am S-Bahnhof Halensee
ca. 4,2 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 128. Kiezspaziergang. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann ist auf Einladung seines Treptow-Köpenicker Kollegen Oliver Igel bei der Berliner Bürgermeisterregatta auf der Dahme in Köpenick. Deshalb vertrete ich ihn gerne. Und ich freue mich auf meinen ersten Kiezspaziergang gemeinsam mit Ihnen. Mein Name ist Elfi Jantzen, und ich bin Bezirksstadträtin für Jugend, Familie, Schule, Sport und Umwelt.

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Kartenskizze Bild: Bezirksamt

Als Umweltstadträtin habe ich mich dafür entschieden, Ihnen heute einige Seen der Grunewaldseenkette vorzustellen, nicht zuletzt auch aus ökologischer Sicht. Aber selbstverständlich werden Sie auf unserer Tour wie immer auch sonst viele interessante Dinge erfahren, die am Wege liegen.
Wir werden zunächst über den Trabener Steg den Halensee erreichen, dann ein Stück durch die Villenkolonie Grunewald bis zum Koenigssee gehen, von dort am Herthasee vorbei und den Uferwanderweg am Hubertussee entlang wandern, durch die Delbrückstraße zurückgehen zum Koenigssee und schließlich vom Hasensprung aus noch einen Blick auf den Dianasee werfen. Beschließen werden wir den Spaziergang am Bahnhof Grunewald.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Wie immer wird er wieder am zweiten Samstag des Monats stattfinden, also am 8. September ab 14.00 Uhr. Auch im September ist Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann verhindert. Deshalb wird dann der Stellvertretende Bezirksbürgermeister Klaus-Dieter Gröhler den Spaziergang übernehmen. Er ist unter anderem für Kultur im Bezirk zuständig und wird Ihnen einige von den vielen Künstlerateliers vorstellen, die es in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt. Start ist am Samstag, dem 8. September, um 14.00 Uhr am Ernst-Reuter-Platz, und zwar am U-Bahn-Ausgang Hardenbergstraße Ecke Schillerstraße.

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Start am Henriettenplatz, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Henriettenplatz
Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach Luise Henriette von Oranien-Nassau, der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten. Die Gedenkstele für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken wurde von niederländischen Unternehmen gestiftet und zur 750-Jahr-Feier Berlin 1987 hier aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem Großen Kurfürsten, angebracht.
1987 wurde der gesamte Platz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neugestaltet mit dem Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier, den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle von Heinz Mack und dem goldenen Obelisken ebenfalls von Heinz Mack auf dieser Straßenseite.

Bahnhof Halensee
Der S-Bahnhof wurde 1877 eröffnet, damals noch unter dem Namen Bahnhof “Grunewald” und etwas weiter westlich als heute. 1884 wurde er in “Bahnhof Halensee”, umbenannt und an die heutige Stelle verlegt.
Auf dem Areal des Güterbahnhofs will die Firma Bauhaus einen großen Heimwerkermarkt errichten. Außerdem soll hier an der Kurfürstendammbrücke ein Hotel entstehen.

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Auf der Kurfürstendammbrücke, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Kurfürstendammbrücke
Der Kurfürstendamm ist hier 12 m höher als an der Gedächtniskirche. Wir werden gleich die Kurfürstendammbrücke überqueren, und Sie können den schönen Blick genießen nach Charlottenburg im Norden mit dem ICC und dem Funkturm und nach Wilmersdorf im Süden mit dem Kraftwerk und dem silbernen Gebäude der Rentenversicherung Bund.

Kurfürstendamm 119/120
Das Geschäftshaus hinter der Brücke an der Ecke Bornstedter Straße wurde 1993 von dem Stararchitekten Helmut Jahn aus Chicago für 70-Millionen Euro gebaut. Von ihm stamm auch das Neue Kranzler-Eck und das Sony-Center am Potsdamer Platz.

Bornstedter Straße
Wir biegen dann in die Bornstedter Straße ein, die 1888 nach dem Stadtteil von Potsdam benannt wurde.
Unser nächster Halt ist vor dem Eingang zum Friedhof Grunewald an der Bornstedter Straße 11-12.

Bornstedter Str. 11-12: Friedhof Grunewald
1892 wurde der Friedhof für die neugegründete Villenkolonie Grunewald auf 11.686 qm Fläche angelegt. Er war schon damals von Bahngleisen umschlossen und werde deshalb auch “Toteninsel” genannt. Die neugotische Friedhofskapelle stammt aus dem Jahr 1897.
Hier sind unter anderem begraben: Der 1912 gestorbene Bildhauer Otto Lessing, der 1923 gestorbene Optiker Carl Paul Goerz, der 1928 gestorbene Schriftsteller Hermann Sudermann und der 1929 gestorbene Historiker Hans Delbrück.

Trabener Steg
Wir werden jetzt gleich den Trabener Steg erreichen. Die 1960 gebaute Fußgängerbrücke führt über die Stadtautobahn A 100 und die Halenseestraße und verbindet die Bornstedter Straße mit der Trabener Straße. Der Steg ist aus Stahl, 96 Meter lang und 4,5 Meter breit.
Er ist wie die Trabener Straße nach Traben-Trarbach benannt, einer Weinbau-Stadt an der Mosel in Rheinland-Pfalz. Von der Brücke aus sehen Sie den meistbefahrenen Autobahnabschnitt Deutschlands.

Bürogebäude am Halensee “Zitrone”, Kronprinzendamm 15
Das auffällige Gebäude direkt an der Autobahn wurde 1994-96 von Hilde Léon und Konrad Wohlhage auf einem Grundstück errichtet, das als unbebaubar galt. Es ist ein 7-geschossiges Haus auf einem dreieckigen Grundriss. Über einem sogenannten Luftgeschoss ragt das Gebäue 6m vor. Es hat insgesamt 7500qm Bürofläche mit variablen Grundrissen. Markant ist die dynamisch geschwungene, verglaste Fassade über einem Natursteinsockel parallel zur Autobahn. Aus Schallschutzgründen und zum Schutz gegen Abgase hat das Bürohaus eine zweischalige Außenhaut, deren Zwischenraum über das Dach belüftet wird und so ein natürliches Raumklima gewährleistet.
1997 wurde der Bau mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet. Nach der Pleite des ehemaligen Hauptmieters Aubis im Jahr 2000 stand das Haus einige Zeit leer. Der Spitzname “Zitrone” bezieht sich auf die elliptische Form des Gebäudes.
Unser nächster Halt ist gleich hinter dem Trabener Steg.

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Friedenthalpark, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Friedenthalpark
1882 eröffnete Paul Saeger hier sein “Wirtshaus am Halensee”. Theodor Fontane machte es zum Ziel einer Landpartie in seinem Roman “Frau Jenny Treibel”, der von 1888 bis 1891 entstand.
Für Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, klingt “ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie vier Wochen auf Capri”… “Da stieg zunächst eine Terrasse nach dem See hinunter … Den See selbst aber sah man nicht recht…. ‘Wir müssen doch den See sehen. Wir können doch nicht in Halensee gewesen sein, ohne den Halensee gesehen zu haben!’
Und dabei schoben die Mädchen zwei Stühle mit den Lehnen zusammen und kletterten hinauf, um so den Wasserspiegel vielleicht entdecken zu können. ‘Ach, da ist er. Etwas klein.’
‘Das Auge der Landschaft muss klein sein’, sagte Treibel. ‘Ein Ozean ist kein Auge mehr.’”
An der Stelle von Saegers Wirtshaus wurden 1904 die “Terrassen am Halensee” als Vergnügungsgelände mit orientalisierender Fantasiearchitektur eröffnet. 1910 wurde daraus der “Lunapark” – mit jährlich wechselnden Attraktionen wie Shimmytreppe, Cakewalkmaschine, Wasserrutschbahn, Gebirgsbahn, Wirbelschaukel, Teufelsscheibe, Somalidorf usw.. Am 16.5.1927 wurde das legendäre Wellenbad als größte Schwimmhalle Europas eröffnet. 1934 wurde der Lunapark durch die Nationalsozialisten als “Schandfleck des Westens” geschlossen und abgerissen. Stattdessen wurde 1938 ein Teil des Geländes von Joseph Pertl als Landschaftspark gestaltet und ein Teil zum Bau einer Straße zum damaligen Reichssportfeld, dem heutigen Olympiagelände genutzt.
Heute führt die Halenseestraße als Autobahnzubringer mitten durch das Gelände.
Die Grünanlage wurde 1997 nach dem preußischen Politiker und Unternehmer Karl Rudolf Friedenthal benannt. Wegen seiner jüdischen Herkunft war im Jahr 1938 die nach ihm benannte Friedenthalstraße in Grunewald in Schellendorffstraße umbenannt worden. Da eine Rückbenennung der Straße nicht möglich war, wurde ersatzweise der Halenseepark nach Friedenthal benannt. Auf einem großen Findling informiert eine Gedenktafel darüber:
“Karl Rudolf Friedenthal
15.9.1827 – 7.3.1890
Preußischer Politiker und Unternehmer
1867 Mitbegründer der Freikonservativen Partei
1871-1881 Reichtagsabgeordneter
1874-1879 preußischer Landwirtschaftsminister
1938 wurde in Wilmersdorf die nach Friedenthal
benannte Straße wegen seiner jüdischen Herkunft
von den Nationalsozialisten umbenannt in Schellendorffstraße”

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Am Halensee, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Halensee
Der Halensee gehört zur Kleinen Grunewaldseenkette und ist mit 56 000 Quadratmetern Oberfläche der größte dieser Seen. Er hat eine mittlere Tiefe von 5 Metern. Der größte Teil der Uferzone ist in privater Hand. Lediglich im Norden und Süden ist der See frei zugänglich.
Wegen des verschmutzten Wassers ist das ehemalige Freibad Halensee seit 2002 geschlossen und Baden im See seit 2003 verboten. Der See verfügt am südlichen Ende über eine Verbindung zum Koenigssee und speist sich im Wesentlichen durch Regenwasser, das – vor allem von der Autobahn – viel Dreck mitführt. Das Einzugsgebiet für die Regenwassserentwässerung beträgt ca. 67,3 ha.
Am 4.6.2007 nahmen die Berliner Wasserbetriebe eine neue Regenwasserfilteranlage in Betrieb, die das Dreckwasser von den Straßen auffängt und reinigt, bevor es in den See fließt.
In einigen Jahren soll das Wasser im Halensee wieder Badequalität haben. Der Bodenfilter hat schon eine große Reinigungsleistung erzielt, so ist die Sichttiefe von 60cm auf bis zu 2,5m gestiegen. Als weitere geplante Maßnahme zur Sanierung des Sees soll belastetes Tiefenwasser über den Filter gereinigt werden. Probleme bereiten noch Überschreitungen bei Keimbelastung. Hier werden noch Ursachen und Lösungen unter anderem im Rahmen von Diplom- und Doktorarbeiten gesucht.
Durch die Platzierung der Filteranlage hier am Rand des Parks soll die öffentliche Grünanlage so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, denn sie wird in den Sommermonaten stark als Liegewiese genutzt – auch wenn Baden im See nicht möglich ist.
Die Filteranlage wurde mit einer Mauer und teilweise mit einem Zaun gesichert.
Die Mauer wurde als Schallschutzmauer gestaltet, was die Geräuschsbelastung durch den Straßenverkehr vermindert.
Wir gehen jetzt durch den Park zur großen Terrasse am Halensee und können dort ein besonders kompliziertes Stück des Uferwanderweges besichtigen.

Uferwanderweg
Planungen zu einem Uferwanderweg entlang der Grunewaldseen bestanden bereits in den 1920er-Jahren, konnten jedoch nie realisiert werden. Ende der 1970er-Jahre griff der Bezirk Wilmersdorf die Idee im Rahmen eines Landschaftsplans auf und machte zunächst die Uferbereiche der landeseigenen Grundstücke öffentlich zugänglich. Durch Zukäufe kamen in den 1980er- und 1990er-Jahren weitere Teile dazu. Die Gesamtlänge des Uferwanderwegs Grunewald soll am Ende 3,5 Kilometer betragen und die Innenstadt entlang der kleinen Seen auf einem durchgehenden Weg mit dem Forst Grunewald verbinden. Bis zum Jahr 2003 waren knapp zwei Kilometer fertig gestellt. Seitdem stagniert der Ausbau, da Mittel für weitere Ankäufe erst einmal nicht vorhanden sind.
An dieser Stelle können Sie besonders gut sehen, wie schwierig die Anlage eines solchen Uferwanderweges ist.
Die Berliner Wasserwerke bauten 2009 in Abstimmung mit dem Bezirksamt ein neues Stück als Kompensation für die durch den Bau der Filteranlage verloren gegangene Erholungsfläche. Eine Holzbrücke führt über den Auslauf des Regenwasserklärbeckens. Der Weg muss hier teilweise mit einer Steganlage um private Ufergrundstücke herumgeführt werden und soll mit einem bereits fertig gestellten weiteren Wegstück verbunden werden. Leider kann diese Verbindung bis heute nicht fertig gestellt werden, weil ein Grundstückseigentümer gegen den Bau des Weges klagt. In der ersten Instanz wurde die Klage vom Verwaltungsgericht zwar abgewiesen. Aber der Kläger ist in Berufung gegangen, und das Oberverwaltungsgericht hat bisher – seit mehr als zwei Jahren – noch nicht entschieden.
Wir gehen jetzt zur Trabener Straße ein Stück an der neu entstehenden Villensiedlung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Grunewald entlang und treffen uns wieder an der Hilde-Ephraim-Straße. Wer möchte, kann (mit Herrn Metzger) den relativ steilen Weg hinunter zum Halensee gehen, die Ausblicke vom Uferweg aus genießen und nach rund 100 Metern wieder nach oben zur Trabener Straße gehen. Dort treffen Sie dann diejenigen wieder, die nicht ganz so gut zu Fuß sind.

Güterbahnhof Grunewald
Das 100.000 qm große Gelände des Güterbahnhofs Grunewald zwischen der Trabener Straße und den Bahngleisen wurde von der Deutschen Bahn AG nicht mehr benötigt und an einen Investor verkauft. Es wird derzeit mit rund 100 neuen Villen auf jeweils rund 1.000 qm großen Grundstücken bebaut.

Hilde-Ephraim-Straße
Die Erschließungsstraße für die neue Siedlung wurde am 1. April 2010 nach Hilde Ephraim benannt. Sie wurde am 1. April 1905 in Charlottenburg geboren, hat als Fürsorgerin in der Stadt Brandenburg gearbeitet und kam 1931 zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland SAPD, einer Links-Abspaltung von SPD-Mitgliedern, die nicht bereit waren, Kompromisse mit dem bürgerlichen Lager zu akzeptieren.
1933 wurde Hilde Ephraim wegen ihrer jüdischen Herkunft und ihres politischen Engagements aus dem Staatsdienst entlassen. Sie zog nach Berlin und schloss sich dem Untergrundkampf der SAP an. Sie wurde verantwortlich für die “Rote Hilfe” und kümmerte sich vor allem um die Familien von Verhafteten. Im Juli 1936 wurde sie selbst verhaftet, von Gestapo-Leuten schwer misshandelt und ein Jahr später vom Volksgerichtshof zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie in Lübeck und Amberg absaß.
1940 wurde sie nicht aus der Haft entlassen, sondern bei der NS-“Euthanasie”-Aktion T4 in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz in Österreich verschleppt, wo sie am 20. September 1940 im Alter von 35 Jahren starb.
Mit dieser Straßenbenennung wollen wir an eine tapfere Frau erinnern, die von den Nationalsozialisten ermordet wurde, und wir wollen auch daran erinnern, dass viel zu wenige Straßen nach Frauen benannt sind.
Erbacher Straße
Wir biegen gleich links in die Erbacher Straße ein, die 1898 benannt nach dem heutigen Stadtteil von Eltville in Hessen.

Erbacher Str. 1-3 Dernburg-Villa
Auf dem Eckgrundstück erinnert das Eingangstor noch an die frühere Villa des Bankiers Bernhard Dernburg von 1901. Hinter dem Haus ließ Dernburg einen landschaftlich gestalteten Garten anlegen, der bis zum Halensee reichte. Durch umfangreiche Baumaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Villa und das Grundstück stark verändert.
Unser nächster Stopp ist vor dem Haus an der Wissmannstraße 6.

Wissmannstraße
Die Wissmannstraße wurde 1898 benannt nach dem Afrikaforscher Major Hermann von Wissmann (1853-1905)

Wissmanstr. 6: Haus von Rainer Kriester
Seit den 60er Jahren lebte hier bis zu seinem Tod 2002 der bekannte Bildhauer Rainer Kriester. Im Garten ist eine Auswahl seiner Skulpturen aufgestellt. Zwei Köpfe von Rainer Kriester wurden 1989 auf dem Theodor-Heuss-Platz zwischen Kaiserdamm und Masurenallee aufgestellt.
Wir gehen jetzt durch die kleine Grünanlage links hinunter zum Koenigssee.

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Koenigssee, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Koenigssee
Der 2,2 ha große Koenigssee ist einer der vier 1889 zum Ausbau der Villenkolonie Grunewald künstlich angelegten Seen. Er wurde – wie die gleichnamige Allee – nach dem Bankier und Mäzen Felix Koenigs benannt, der von 1846 bis 1900 lebte. Der geplante Grunewalder Uferwanderweg ist hier auf einer Länge von 515m angelegt.
Die Anlage der vier Seen diente einerseits zur Trockenlegung des übrigen Grunewaldgebietes. Zum anderen konnte man dadurch begehrte und entsprechend teure Seegrundstücke gewinnen. Die vier Seen wurden innerhalb eines Jahres von polnischen Gastarbeitern ausgegraben und durch artesische Brunnen, das heißt, Brunnen, dessen Wasser durch den Überdruck des Grundwassers selbständig aufsteigt, mit Wasser gefüllt.
Der Koenigssee ist Teil der Kleinen Grunewaldseenkette, zu der die Krumme Lanke, Schlachtensee, Grunewaldsee, Hundekehlesee, Herthasee, Hubertussee, Fennsee, Dianasee, Halensee und der Lietzensee gehören. Diese Seen werden von zwei ehemaligen Schmelzwasserrinnen durchzogen. Die erste Rinne ist eine Nebenrinne der Havel, die in Nord-Süd-Richtung gelegen ist. Zu ihr gehören der Lietzensee, der Halensee, der Hundekehlesee, der Koenigssee und der Dianasee.
Eine zweite Rinne verläuft vom Schöneberger Rathaus in westlicher Richtung auf die erste Rinne zu. In ihr liegen der Fennsee, der Hubertussee und der Herthasee. Beide Rinnen entstanden im Verlauf der Eiszeit, also von etwa 600.000 bis 12.000 vor unserer Zeitrechnung.
Die Seen der Kleinen Grunewaldseenkette sind keine Badeseen, sie werden zum Teil durch Straßenabwasser und sonstige Niederschlagswasser gespeist. Dadurch wird die Wassergüte stark beeinflusst.
Über ein Pumpwerk am Dianasee kann die Kleine Grunewaldseenkette bei Bedarf mit sauberem Wasser versorgt werden.
Zur Verbesserung der Wasserqualität wird ein sogenanntes Durchströmungskonzept umgesetzt. Die natürliche Fließrichtung in der Seenkette ist von Nord nach Süd. Durch den Einbau von Pumpen wird es möglich, zusätzlich gereinigtes, sauerstoffreiches, nährstoffarmes Havelwasser aus der Oberflächenwasseraufbereitungsanlage Beelitzhof in umgekehrter Fließrichtung über Schlachtensee, Krumme Lanke, Grunewaldsee in die kleine Seenkette zu leiten. Voraussichtlich nächstes Jahr wird noch ein Pumpwerk am Ende des Hundekehlegrabens neu gebaut, sodass die Durchströmung für eine Zeit unterbrochen ist.
In den letzen Jahren hat sich durch die langsame Verbesserung der Wasserqualität die Sichttiefe auch in diesen kleinen Seen verbessert, was das Wasserpflanzenwachstum fördert. Bei diesen Wasserpflanzen handelt es sich um Hornkraut, das durch seine hohe Sauerstoffproduktion von unserer Seite sehr gewünscht ist. Die Anwohner beklagen die Behinderung beim Baden und den unschönen Anblick der Fadenalgen, die sich auf die Wasserpflanzen setzen. Grundsätzlich ist das Baden in der kleinen Grunewaldseenkette verboten, da es sich bei diesen Seen technisch ausgedrückt um Straßenabwassersammelbecken handelt, die die bakteriologischen Anforderungen an ein Badegewässer nicht immer erfüllen können.
Seit zwei Jahren führt das Umwelt- und Naturschutzamt in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt, engagierten Anwohnern und dem Wilmersdorfer Anglerverein jeweils im Herbst eine Wochenendaktion durch. Dabei werden die absterbenden Wasserpflanzen und Algenteppiche so weit wie möglich vom Boot aus abgefischt und an Land gebracht und dort kompostiert. Damit wird den Seen Nährstoffe entzogen, die im herbstlichen Abbauprozess einen hohen Sauerstoffverbrauch im See verursachen. Wenn Sie Interesse haben sollten, am 14. und 15. September an der diesjährigen Aktion teilzunehmen, können Sie sich an unser Umwelt- und Naturschutzamt wenden, die sich sehr darüber freuen werden.
Die stellvertretende Leiterin unseres Umweltamtes, Frau Sperling, hat zwei kleine Broschüren zum Dianasee und zum Herthasee mitgebracht, die Sie gleich verteilen wird.

Koenigsallee
Wir gehen gleich hinauf zur Koenigsallee, die 1895 ebenso wie der See nach dem Bankier Felix Koenigs benannt wurde, der zu den Begründern und Finanziers der Villenkolonie Grunewald zählt. Der Straßenname wird oft fälschlicherweise mit “ö” geschrieben, aber er hat nichts mit irgendeinem König zu tun, sondern mit Felix Koenigs, der sich mit “oe” schrieb.

Koenigsalleebrücke
Die 1892 gebaute Koenigsalleebrücke führt im Zuge der Koenigsallee über den Kanal, der den Koenigssee mit dem Herthasee verbindet. Die als Klinkergewölbe errichtete Brücke ist 21 Meter lang und 18 Meter breit. Das schmiedeeiserne Geländer wird von Blumenmotiven geziert. Vier ursprünglich vorhandene Kandelaber wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Link zu: Villa Walther, 11.8.2012, Foto: KHMM
Villa Walther, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Koenigsallee 20a Ecke Delbrückstraße: Villa Walther
Die Villa an der Koenigsallee Ecke Delbrückstraße wurde 1917 von dem Königlichen Baurat Wilhelm Walther für einen russischen Adligen erbaut, der nach dem Krieg nicht mehr bezahlen konnte. Walther hat sich durch den Bau der “maßlosen Villa” ruiniert und soll sich nach der Fertigstellung im Turm erhängt haben.
Der Architekt Wilhelm Walther war ein Hauptvertreter des Eklektizismus, das heißt einer Mischung verschiedenster Stile. Er wurde bekannt durch den Bau von Versicherungspalästen, Industriebauten und Mietvillen in Berlin, und er war auch im Grunewalder Baugeschäft engagiert.
1918 kaufte ein Fabrikbesitzer das Haus und nutzte es als Wohnhaus mit Mietwohnungen. 1938 wurde es dann vom Finanzministerium erworben, das hier die “Reichsfinanzschule” unterbrachte. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte ein Bombentreffer 60 Prozent der Bausubstanz.
Nach dem Krieg wurde der erhaltene Gebäudeteil in mehrere Wohnungen aufgeteilt. Die Oberfinanzdirektion Berlin als Eigentümerin beabsichtigte seit Ende der 1960er Jahre, das Restgebäude wegen seiner Unwirtschaftlichkeit abbrechen zu lassen und das Grundstück auf dem Immobilienmarkt zu veräußern. Der Denkmalschutz konnte das allerdings verhindern. 1980 erwarb das Land Berlin das Grundstück. 1985-1988 wurde die Villa nach langjährigem, ruinösen Leerstand durch den Architekten Gottfried Böhm restauriert, erweitert und ausgebaut.
Sie wurde von verschiedenen Einrichtungen genutzt, unter anderem vom Wissenschaftskolleg. Heute befindet sich hier das 1999 gegründete rumänische Kulturinstitut “Titu Maiorescu”, das regelmäßig zu öffentlichen Veranstaltungen einlädt.
Hinter dem Haus befindet sich ein kleiner öffentlicher Park. Dieser ist Teil der 1912 entstandenen Gartenanlage, die ebenfalls von Wilhelm Walther stammt.
Innerhalb des Gartens sind starke Höhenunterschiede durch steile Böschungen aufgefangen, so dass stets ebene Flächen entstanden. Treppen führen hinunter zum Herthasee. Aber der Zugang zum Uferwanderweg ist leider nicht mehr möglich.

Link zu: Am Herthasee an der Bismarckbrücke, 11.8.2012, Foto: KHMM
Am Herthasee an der Bismarckbrücke, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Herthasee
Der Herthasee ist einer der vier Seen, die 1889 beim Ausbau der Villenkolonie Grunewald künstlich angelegt wurden. Er ist 1,3 ha groß und bis zu fünf Meter tief. Der See ist fast vollständig von Privatgrundstücken umgeben. Er erhielt seinen Namen wie die gleichnamige Straße nach der germanischen Göttin Hertha. Der Uferwanderweg ist hier auf 210m Länge angelegt und endet hier leider als Sackgasse. Wir werden ihn aber gleich an der Bismarckbrücke von der anderen Seite besichtigen können.
8 Bismarckallee
Die Bismarckallee wurde am 24.1.1898 nach Otto Fürst von Bismarck benannt, der am 30.7. 1898 starb. Er galt als Mitgründer der Villenkolonie Grunewald. Deshalb wurde eine der Hauptstraßen der Kolonie nach ihm benannt. Sie führt zum Bismarckplatz, wo eine überlebensgroße Bismarck-Statue auf einem hohen Sockel steht.

Bismarckbrücke
Die Bismarckbrücke wurde 1891 als Straßenbrücke erbaut und ist ein Baudenkmal. Sie überquert die Rinne zwischen Hertha- und Hubertussee. Sie hat eine gemauerte Unterkonstruktion, eiserne Gitterbrüstungen und dekorative Brückenwangen aus Buntsandstein, geschmückt mit Sphingen, Vasen und Obelisken von dem Bildhauer Max Klein.

Hier beginnt der Uferwanderweg am Herthasee entlang, der leider als Sackgasse endet.
Die Ufer der 1889 neu geschaffenen Seen wurden befestigt und so bepflanzt, dass man ihre Künstlichkeit nicht wahrnahm. Das bei dem Aushub anfallende Erdreich nutzte man für Aufschüttungen der Ufer, so dass die Seeparzellen mit zum Teil beträchtlichem Gefälle zu den Gewässern abfallen.
Die Ufer der Kolonie standen nicht für Erholungssuchende zur Verfügung. Für diese glaubte man mit dem nahen Grunewaldsee, dem Südufer des Hundekehlesees sowie dem nördlichen Halensee und seiner öffentlichen Badeanstalt ausreichend Ufer, bzw. Seeanteile bereitgestellt zu haben.
Die damals gültigen Baubestimmungen sicherten die landschaftlichen Qualitäten des Villengebietes. So wurden die Seeufer und die Hangbereiche von Bebauung freigehalten und eine Bebauungshöchstgrenze von 30 Prozent der Grundstücksfläche eingeführt.
Gehörten die ersten 1890 bebauten Flächen noch zu den kleineren Grundstücken mit einer Größe zwischen 700 und 3.500 qm, so entstanden in den darauffolgenden 15 Jahren gärtnerisch kultivierte Anlagen mit Ausmaßen zwischen 5.000 und 23.000 qm bis hin zur extremsten Ausbreitung von annähernd 80.000 qm Gartenfläche. Entsprechend großzügig war die Bepflanzung mit Waldbäumen möglich.
Diese großen Grundstücke waren vor allem an den Uferbereichen der Seen zu finden, vor allem an den Nord- und Ostufern, da dort eine optimale Ausnutzung der Sonnenscheinstrahlung möglich war.
Veränderte Baubestimmungen nach 1959 führten zur zunehmenden baulichen Verdichtung und zur teilweisen Zerstörung des traditionellen Landschaftsbildes. Dadurch wurden der ökologische sowie der Erholungs- und Wohnwert beeinträchtigt.
Prägende Landschaftselemente wie die Hangkanten zu den Seen, der Waldbaumbestand und die großzügigen Grundstücksfreiflächen sind heute zum Teil vollständig verschwunden.
Durch intensive Nutzung wird auch der empfindliche Uferbereich geschädigt. Die Bebauung im Hangbereich bewirkt die Zerstörung gewachsener Böden. Die charakteristische Bepflanzung von Grundstücken mit typischen Waldbaumarten ist in den vergangenen Jahren immer weiter zugunsten von modischen Gehölzen zurückgegangen. Großkronige Laubbäume, die ehemals prägende Waldkiefer oder landschaftstypische Sträucher werden kaum noch gepflanzt. Immer mehr Flächen werden befestigt und versiegelt. Das führt zu einer starken Einschränkung der typischen, zum Teil seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten. Der Bestand an Fröschen, Kröten und einigen Vogelarten geht stetig zurück.
Im Rahmen des Landschaftsplanes wird versucht, dem entgegen zu wirken und die Qualitäten des Gebietes zu sichern.
Entlang der Seeufer wurde eine rund 35 m breite Uferschutzzone festgesetzt, für die besondere Schutz- und Pflegemaßnahmen anzuwenden sind.
Der verstärkte Laubfall in die Seen führt zu Verschlammung und Sauerstoffverzehr beim biologischen Abbau. Deshalb sind Abholzungen an der Ufern wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität. Bei Abholzmaßnahmen gibt es oft Proteste, wenn dieser Zusammenhang und die Bedeutung für die Seen nicht bekannt ist.

Link zu: Hubertussee, 11.8.2012, Foto: KHMM
Hubertussee, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Hubertussee
Der Hubertussee ist von Osten gesehen der erste in der Reihe der kleinen Seenkette, die 1889 zum Ausbau der Villenkolonie Grunewald künstlich angelegt wurden, hier mit einer kleinen Insel. Am Hubertussee ist der geplante Grunewalder Uferwanderweg auf einer Länge von 730 Metern angelegt, die wir jetzt erkunden wollen.

Hubertusallee
Am Ende des Sees biegen wir rechts in die Hubertusallee, die 1898 nach dem Schutzpatron der Jagd benannt wurde.
Delbrückstraße
Von der Hubertusallee geht es dann wieder rechts in die Delbrückstraße. Sie wurde 1891 benannt nach dem preußischen Staatsmann Martin Friedrich Rudolph von Delbrück. An der Ecke treffen wir uns wieder vor der Sankt-Karl-Borromäus-Kirche.

Delbrückstr. 30: St.-Karl-Borromäus-Kirche
1929 wurde an dieser Stelle von Josef Weber eine sogenannte Notkirche errichtet, die 1944 zerstört wurde. Die St.-Karl-Borromäus-Kirche wurde 1955 von Alfons Leitl erbaut, und zwar als quadratischer Saalbau mit einem schmalen Sakristeianbau, daneben ein Turm, der durch einen Kreuzgang mit dem Haupthaus verbunden ist. Die Fassade zeigt weißes Tragwerk mit rostrot gestrichenen Ausfachungen.
Eine Gedenktafel neben dem Eingang erinnert an den Berliner Großstadtapostel Carl Sonnenschein, zu dessen Gedenken die Kirche errichtet wurde. Er lebte von 1876 bis 1929

Link zu: Elfi Jantzen vor der Grunewald-Grundschule, 11.8.2012, Foto: KHMM
Elfi Jantzen vor der Grunewald-Grundschule, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Delbrückstr. 20a: Grunewald-Grundschule
Die Grunewald-Grundschule wurde 1899 im Haus des Bildhauers Steinmann an der Hubertusbader Straße 14 eröffnet. Zwischen 1903 und 1905 war die Schule im Gebäude des Grunewald-Gymnasiums, heute Walther-Rathenau-Gymnasium in der Herbertstraße, untergebracht.
In den Jahren 1904 bis 1906 errichteten die Architekten Ludwig Grün und Förster für die Grunewald-Grundschule den Hauptbau, 1954 erfolgte ein Anbau, und 1972 wurde ein Erweiterungsbau fertig gestellt. Der Hauptbau ist eine dreigeschossige Anlage aus kurzem Kopfbau und stumpfwinklig angeschlossenem Klassentrakt, übergehend in einen Turnhallen- und Aulaflügel.

Richard-Strauss-Straße
Die Straße wurde erst 1953 nach dem Komponisten Richard Strauss benannt, der 1864 in München geboren wurde und 1949 in Garmisch starb. Davor hieß die Straße von 1902 bis 1953 Jagowstraße nach Traugott Achatz von Jagow, der von 1909 bis 1918 Polizeipräsident von Berlin war. Er gehörte 1920 zu den Anführern des rechtsradikalen Kapp-Putsches und wurde 1921 vom Reichsgericht wegen Beihilfe zum Hochverrat zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, aber bereits 1924 begnadigt. Es ist schon interessant, dass hier schon zu seinen Lebzeiten und auch während seiner Inhaftierung bis 1953 durchgehend eine Straße nach ihm benannt war.

Link zu: Sauerbruch-Büste, 11.8.2012, Foto: KHMM
Sauerbruch-Büste, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Richard-Strauss-Straße Ecke Delbrückstraße: Sauerbruch-Büste
Der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch lebte seit 1939 mit seiner zweiten Frau Margot in der Herthastr. 11 in Grunewald. Seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus ist umstritten. Einerseits war ein international bekanntes Aushängeschild und erhielt Auszeichnungen auch von Hitler persönlich. Andererseits hatte er Kontakte zum Widerstand. 1945 wurde der damals 70jährige von den Russen an der Charite als Chefchirurg herausgestellt, obwohl er gesundheitlich eigentlich nicht mehr in der Lage war zu operieren und mehr und mehr zur Belastung wurde. Schließlich wurde er 1949 pensioniert und arbeitete seit Anfang 1950 bis kurz vor seinem Tod am 2. Juli 1951 hier in der damaligen Privatklinik bei Dr. Julius Jungbluth – auch hier wohl eher als Werbeträger, denn als medizinische Kraft. Die Büste wurde von der damaligen Grunewald-Klinik im November 1985 aufgestellt. Die Beteiligung des damaligen Wilmersdorfer Bezirksbürgermeisters Horst Dohm an der Enthüllung wurde in der BVV äußerst kontrovers diskutiert – wegen der NS-Belastung Sauerbruchs.
Margot Sauerbruch arbeitete als Internistin am Martin-Luther-Krankenhaus. Sie war 45 Jahre lang Gesellschafterin der “Pharmazeutische und Kosmetische Präparate Böttger GmbH”. Sie starb am 3.2.1995 in ihrem Haus in der Trabener Straße.

Lassenstraße
Wir biegen gleich rechts in die Lassenstraße ein. Sie wurde 1937 nach dem Indologen Christian Lassen benannt, der von 1800 bis 1876 lebte. Er gilt als Begründer der Wissenschaft von den indischen Altertümern. Von 1898 bis 1937 hieß die Straße Siemensstraße. Unser nächster Halt ist vor dem Hildegard-Wegscheider-Gymnasium an der Lassenstraße 16-20, schräg gegenüber der polnischen Botschaft.

Lassenstr. 19: Polnische Botschaft
Diese Villa ist nur ein Behelfsquartier für die Polnische Botschaft. Der Hauptsitz Unter den Linden 70-72 wird derzeit umgebaut und restauriert.
1945 richtete Polen hier seine Militärmission ein, bei der 1946 für einige Monate auch Marcel Reich-Ranicki arbeitete.

Link zu: Hildegard-Wegscheider-Gymnasium, 11.8.2012, Foto: KHMM
Hildegard-Wegscheider-Gymnasium, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Lassenstr. 16-20: Hildegard-Wegscheider-Gymnasium
1896 wurde die erste Höhere Töchterschule in Grunewald in der Hubertusbader Str. 15 eröffnet. Bereits ein Jahr später zog sie hierher in den Neubau in der damaligen Siemensstraße, heute Lassenstraße 16, um. Das ist heute der naturwissenschaftliche Trakt der Schule, links neben dem Hauptgebäude. 1909 wurde das neue Schulgebäude, das heutige Hauptgebäude eingeweiht. 1912 erhielt die Schule den Namen “Bismarck-Lyceum”. 1924 wurden hier die ersten Abiturientinnen entlassen.
Der liberale Schulleiter Dr. Friedrich Abée konnte zunächst durchsetzen, dass auch jüdische Schülerinnen auf der Schule bleiben konnten. Aber 1936 war das nicht mehr möglich. 1939 wurde die Schule umbenannt in “Johanna von Puttkamer Schule” nach der Gemahlin Bismarcks. Denn alle Mädchenschulen sollten jetzt Frauennamen tragen.
1946 erhielt die Schule ihren heutigen Namen “Hildegard Wegscheider Gymnasium”.
Hildegard Wegscheider machte 1894 als erste Frau in Preußen Abitur und 1898 ebenfalls als erste Frau den Doktor der Philosophie. Sie legte das Staatsexamen für Gymnasiallehrer ab und gründete 1900 die erste private Schule mit gymnasialem Unterricht für Mädchen in Charlottenburg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie Oberschulrätin in Berlin und von 1919 bis 1933 preußische Landtagsabgeordnete der SPD. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten aus allen Ämtern entlassen. Sie musste ihren Lebensunterhalt mit Privatunterricht verdienen. An ihrem 75. Geburtstag, am 2. September 1946 wurde diese Schule nach ihr benannt. Am 4. April 1953 starb sie im Alter von 81 Jahren.
1967 begann die Koedukation von der 7. Klasse an. 1987 wurde Japanisch als Wahlpflichtfach eingeführt.
1998 wurden neben dem Treppenaufgang zwei Gedenktafeln in deutscher und hebräischer Sprache mit folgendem Text enthüllt:
“Ab 1933 begannen die Nationalsozialisten alle jüdischen
Schülerinnen und Schüler von öffentlichen Schulen auszuschließen.
Das “Gesetz gegen die Überfüllung Deutscher Schulen und
Hochschulen” diente dazu als juristische Grundlage.
Zwischen 1933 und 1939 mußten daher mehr als 100 Schülerinnen diese Schule vorzeitig verlassen.”
Ein Mosaik im Eingangsbereich ist “Den Müttern” gewidmet.
Vor dem Eingang sind nach dem Muster des Walk of Fame in Holywood Platten für die Abiturjahrgänge eingelassen.

Lassenstr.1: Ehem. Villa von Harald Juhnke
Harald Juhnke wurde 1929 in der Städtischen Frauenklinik Charlottenburg als Sohn eines Polizeibeamten geboren. Er wuchs im Wedding auf. Seit 1948 arbeitete er als Schauspieler am Theater, seit den 1950er Jahren auch als Filmschauspieler und Synchronstimme. Seit 1977 trat er auch im Fernsehen auf und wurde als Showmaster und Entertainer berühmt, allerdings auch bekannt durch seine Alkoholexzesse. Am 8.4.1971 heiratete er im Rathaus Schmargendorf die Schauspielerin Susanne Hsiao, deren Vater 1957 das erste China-Restaurant Berlins eröffnet hatte. Mit ihr lebte er von 1984 bis 2001 in einer Villa hier an der Lassenstraße 1 Ecke Koenigsallee. Dann zog er in ein Pflegeheim. Am 1.5.2005 starb er im Krankenhaus Rüdersdorf bei Berlin. Er wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem begraben. Juhnkes Villa wurde 2008 verkauft und 2012 von den neuen Besitzern abgerissen. Jetzt entsteht auf dem Grundstück ein Neubau.

Link zu: Zum Koenigssee, 11.8.2012, Foto: KHMM
Zum Koenigssee, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Wir gehen jetzt hinunter zum Koenigssee.

Link zu: Hasensprung, 11.8.2012, Foto: KHMM
Hasensprung, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Hasensprung
Die Hasensprungbrücke wurde 1920 über dem Verbindungskanal von Dianasee und Koenigssee gebaut. Der Name nach einer Weinlage im Rheingau gab 1924 den Anlass für die beiden spiegelbildlichen Steinfiguren auf der Brückenbrüstung.
Dianasee
Der 2,5 ha große Dianasee ist für uns heute der letzte der vier Seen, die 1889 künstlich angelegt wurden. Die Seeufer sind fast vollständig bebaut und deshalb zum größten Teil noch unzugänglich. Von dem geplanten Grunewalder Uferwanderweg, der einmal auf 680 m Länge am Dianasee entlang führen soll, sind hier erst 280m angelegt.
Diana war in der römischen Mythologie die Göttin des Mondes und der Fruchtbarkeit, Beschützerin der Frauen und Mädchen. Später wurde sie der griechischen Artemis angeglichen und so auch zur Göttin der Jagd.

Winkler Straße
Die Winkler Straße wurde 1898 nach dem Weinort Oestrich-Winkel im Rheingau-Taunus benannt. Sie ist eine der besonders reizvollen Straßen in der Kolonie mit bedeutender Villenarchitektur.

Winkler Str. 11 Villa Bernhard
Die Villa wurde 1906 von Hermann Muthesius im englischen Landhausstil für den Ingenieur und Fabrikanten Eduard Bernhard gebaut. Sie war für damalige Verhältnisse recht modern, ohne historisierende Ausschmückungen. Auffällig ist beispielsweise die ebenerdige Eingangstür ohne pompöse Freitreppe. Manche Architekturkritiker halten sie für die schönste Villa in Grunewald. Heute ist sie Bau- und Gartendenkmal. Der Pavillon als Ausguck weist darauf hin, dass ursprünglich von hier aus der Blick auf den Dianasee frei war.

Winkler Str. 13 Villa Franz
Die Villa wurde im malerischen Landhausstil mit vielen Türmchen, Spitzdächern und Giebeln 1895/96 von Cornelius & Jaehn für den Druckereibesitzer Martin Franz gebaut.

Winkler Str. 10: Villa Noelle
Die Villa ließ 1901 der Stahlbauunternehmer und Kommerzienrat Ernst Noelle bauen. Das dazugehörige Grundstück war ursprünglich 9.000 qm groß, lag direkt am Dianasee und reichte bis zum Hasensprung. Es umfasste die heutigen Hausnummern 6a, 8 und 10. Ernst Noelle wurde 1854 in Mülheim an der Ruhr geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Über den Stahlhandel bei Thyssen kam er nach Berlin und gründete hier mit seinem Freund Steffen die Stahlhandelsfirma Steffen und Noelle. Die Firma hat unter anderem den Stahl für den Bau des Funkturms geliefert.
Ernst Noelle beauftragte den Architekten Hermann Solf, der bereits einige Villen in Grunewald gebaut hatte, mit dem Bau eines repräsentativen Hauses.
Es wurde im Stil der deutschen Renaissance ausgeführt und erinnert mit seinen Giebeln, Erkern und Dachaufbauten an den Burgenstil. Der Stein für die Fassadengestaltung stammte aus Oberdorla bei Mühlhausen in Thüringen. Ernst Noelle zog 1901 mit seiner Frau und seinen 5 Kindern ein. Er spendierte die Kirchenfenster für die Evangelische Grunewaldkirche und den jährlichen Tannenbaum für die Weihnachtsgottesdienste. Er starb 1916. Sein ältester Sohn hat später die Tobis-Filmgesellschaft gegründet, und dessen Tochter ist die bekannte Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann.
Sie wurde 1916 hier in Berlin geboren. 1947 gründete sie ihr “Institut für Demoskopie Allensbach”, das erste Institut für Meinungsforschung in Deutschland. 2010 starb sie in Allensbach.
1972 hat der Malermeister Uwe Schulz-Eschbach das Haus gekauft, saniert und seine Geschichte sorgfältig dokumentiert. Die Firma Schulz-Eschbach ist bekannt für ihre kunstvollen Restaurierungen und hat beispielsweise für den symbolischen Preis eines Preußentalers Schloss Sanssouci mit einem neuen Anstrich versehen.

Winkler Str. 12 Villa Maren
Diese klassizistische Villa im Stil der italienischen Renaissance wurde 1896/97 von Heimann, Zaar & Vahl für den Arzt Paul Maren gebaut. Sie könnte auch irgendwo in der Toskana stehen. Besonders auffallend ist das Schmuckband im obersten Geschoss direkt unter dem Dach. Bis vor einigen Jahren war hier ein DRK-Wohnheim für Flüchtlingsfrauen untergebracht, jetzt wurde sie vorbildlich restauriert und wird privat genutzt.

Winkler Str. 15 Villa Becher
Diese Villa hat der Architekt Ewald Becher 1896 in Anlehnung an den Renaissance-Stil für sich selbst gebaut. Heute ist sie ein Baudenkmal. Auffallend ist der glockenturmähnliche Aufsatz. Ewald Becher hat in der Folge noch eine Reihe von Villen in Grunewald gebaut.

Winkler Str. 15a Norwegische Botschaftsresidenz
Der architektonisch interessante Neubau der norwegischen Botschaftsresidenz wurde vor einigen Jahren auf einem ehemals bezirklichen Grundstück errichtet.

Winkler Str.18 Ehem. Villa Dotti
Hier befand sich das 1898 von Alfred Messel gebaute Landhaus Dotti. Alfred Messel hatte unter anderem das berühmte Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz gebaut. Die Villa Dotti wurde zerstört, und in den 1960er Jahren wurde das Grundstück bis hinunter zum Dianasee dicht bebaut mit terrassenförmig angelegten Flachbauten.

Winkler Str. 20: Botschaftsresidenz der Vereinigten Arabischen Emirate
Hier haben die Vereinigten Arabischen Emirate den Neubau für ihre Botschaftsresidenz errichtet. Das Grundstück zieht sich hin bis zum Dianasee. Der Bau im arabisch angehauchten Architekturstil bereichert die äußerst vielfältige Architektur in dieser Straße.

Winkler Str. 22: Romy Schneider
Am 15. Juli 1966 heiratete Romy Schneider den Theaterregisseur Harry Haubenstock, der sich Harry Meyen nannte, und bezog mit ihm als Ehepaar Haubenstock eine Vierzimmer-Wohnung hier in der Winkler Straße 22 in Grunewald.
Romy Schneider hat ihren Erinnerungen später ihre Grunewalder Zeit als die “schönsten, glücklichsten und heilsten Jahre” ihres Lebens bezeichnet. Am 3. Dezember 1966 wurde im Rudolf-Virchow-Krankenhaus der Sohn David-Christopher geboren. Zwei Jahre lang zog sich Romy Schneider komplett aus der künstlerischen Arbeit und – soweit es ihr möglich war – aus der Öffentlichkeit zurück.
Ältere Grunewalder erinnern sich noch heute an eine glücklich aussehende, immer freundliche Romy mit ihrem großen Kinderwagen, den sie von der Winkler Straße zu den Wiesen des Diana- und des Koenigssees schob.
Aber die Idylle dauerte nicht lange. Die Ehe mit Harry Meyen scheiterte. Er war alkohol- und tablettenabhängig geworden und litt an Depressionen. Er erhängte sich Ende der siebziger Jahre mit einem Seidenschal an einer Feuerleiter.
1981 wurde Romy Schneiders zweite Ehe mit David Biasani geschieden, und im gleichen Jahr verunglückte ihr Sohn David-Christopher tödlich. Am 29. Mai 1982 wurde Romy Schneider in ihrer Wohnung in Paris tot aufgefunden.

Link zu: Bahnhof Grunewald, 11.8.2012, Foto: KHMM
Bahnhof Grunewald, 11.8.2012, Foto: KHMM Bild: Bezirksamt

Bahnhof Grunewald
Der Bahnhof Grunewald war schon einige Male Ausgangspunkt von Kiezspaziergängen. Dabei wurden auch die Gedenkstätten an diesem Bahnhof besichtigt und ausführlich erläutert. Deshalb heute nur ein kurzer Hinweis dazu: Von 1941 bis 1945 wurden mehr als 50.000 jüdische Berlinerinnen und Berliner in Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Viele Deportationszüge fuhren hier am Bahnhof Grunewald ab. 1991 wurde das Mahnmal von Karol Broniatowski enthüllt und 1998 die Gedenkstätte der Deutschen Bahn, Gleis 17. Für die meisten Juden ist dies das wichtigste Mahnmal in Berlin, weil es im Gegensatz zum Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor ein authentischer historischer Ort ist. Israelische Präsidenten, Ministerpräsidenten und Außenminister haben hier schon Kränze niedergelegt.
Wer die Gedenkstätte noch nicht kennt, sollte sie unbedingt anschauen. Sie ist sehr eindrucksvoll.