Stolpersteine Gasteiner Straße 27

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Hausansicht Gasteiner Str. 27
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolperstein für Marie Polatschek wurde vom “Arbeitskreis Gedenken der SPD-Charlottenburg-Wilmersdorf” gespendet. Den Stolperstein für Franziska Polatschek spendete Lorena Endler. Die Stolpersteine wurden am 25.04.2018 verlegt.

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Stolperstein Marie Polatschek
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
MARIE
POLATSCHEK
GEB. WOLFF
JG. 1866
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 25.9.1942

Marie Polatschek wurde am 09. August 1866 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Wolff in Charlottenburg geboren. Sie war mit Hugo Polatschek verheiratet und hatte zwei Töchter.
Als Witwe und Rentiere lebte sie in der Gasteiner Str. 27 zusammen mit ihrer unverheirateten Tochter Franziska Polatschek. Über ihr Leben ist wenig bekannt. Sie war Mitglied der Jüdischen Gemeinde und hatte sogar einen Telefonanschluss.

Als Jüdin wurde Marie Polatschek 1942 gezwungen, ihre Wohnung aufzugeben und zur Untermiete in die Uhlandstr. 81 bei der jüdischen Familie Eger einzuziehen.

Am 14. September.1942 wurde sie mit weiteren 1.000 Menschen mit dem sogenannten „2. Großen Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie starb wenig später – am 25. September 1942 – laut „Todesfallanzeige“ an einem akuten Darmkatarrh. Man weiß aber aus vielen Quellen, dass diese Todesfallanzeigen häufig nicht die tatsächliche Todesursache wiedergaben. Viele Menschen sind an Hunger, Durst, mangelnder medizinischer Versorgung und aufgrund der unmenschlichen Unterbringungs- und Lebensverhältnisse im Ghetto Theresienstadt verstorben.

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Stolperstein Franziska Polatschek
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
FRANZISKA
POLATSCHEK
JG. 1893
IM WIDERSTAND
DEUTSCHE VOLKSFRONT
VERHAFTET MAI 1939
GEFÄNGNIS BARNIMSTRASSE
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Franziska Polatschek wurde am 16. August 1893 in Charlottenburg geboren. Sie besuchte die Volksschule und eine kaufmännische Berufsschule und arbeitete als Buchhalterin, zuletzt in einer jüdischen Firma. Sie war unverheiratet und lebte mit ihrer ebenfalls jüdischen Mutter Marie Polatschek zusammen in der Gasteiner Str. 27.

Franziska Polatschek wurde im Mai 1939 verhaftet und vom Kammergericht Berlin wegen „Beihilfe zu einer hochverräterischen Unternehmung“ zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt, die sie im Frauengefängnis Barnimstraße in Friedrichshain verbüßte. Die „Beihilfe“ bestand darin, dass sie eine Widerstandsschrift der Wider-standsgruppe „Deutsche Volksfront“ auf Wachsmatrizen schrieb, damit sie verbreitet werden konnte.
Einer politischen Partei gehörte sie nicht an. Sie war arbeitslos und wollte sich etwas hinzuverdienen. Sie erhielt zehn Reichsmark für ihre gefährliche Arbeit. Staatsfeindlichkeit sei ihr fremd gewesen. Ihre soziale Lage sei schlecht gewesen, sodass sie politische Bedenken zur Seite gelegt habe.

Am 12. Januar 1943 wurde sie mit weiteren 1195 Personen mit dem sogenannten „26. Osttransport“ vom Güterbahnhof Moabit in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Recherche und Texte: Lorena Endler