Stolperstein Niebuhrstraße 61

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Hausansicht Niebuhrstr. 61
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolperstein wurde von der Hausgemeinschaft gespendet und am 10.5.2017 verlegt.

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Stolperstein Bertha Moddel
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
BERTHA MODDEL
GEB. FRIEDLÄNDER
JG. 1873
DEPORTIERT 30.7.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Bertha Moddel wurde am 2.10.1872 in Rotzow, nahe Koszalin/Polen (früher Köslin) an der Ostsee als Bertha Friedländer geboren. Etwa 1897 heiratete sie den Schneider Isidor Moddel, geboren am 3. Oktober 1874 in Samter (Region Poznan/Posen). Mit ihren drei Kindern wohnten sie in der Niebuhrstr. 61, Gartenhaus, 2. Stock. In den Entschädigungsakten ist zu lesen, dass Bertha nach dem Tod ihres Mannes am 16.5.1940 in eine kleinere Wohnung in die Mommsenstr. 45 gezogen war. Vorher hatte sie fast alle Möbel ihrer großen Wohnung verkauft, die Kinder waren nach Belgien geflüchtet.

Am 30.7.1942 wurde Bertha Moddel im Alter von 70 Jahren aus der Mommsenstr. 45 mit dem Alterstransport I/34 nach Theresienstadt deportiert. Laut Akte beim Oberfinanzpräsident war der Wert ihrer Einrichtung 87,55 RM. Zwei Monate später, am 26.9.1942 wurde sie von dort nach Treblinka abtransportiert und ermordet.

Ihr ältester Sohn Dewin (Derwil) Moddel, geboren am 16. Oktober 1899 in Berlin, war Herrenschneider, verheiratet mit Rosa, geb. Lachmann, geboren am 7. Mai 1903. Sie hatten keine Kinder. 1939 floh er (40 Jahre) und seine Frau (36 Jahre) von ihrer Wohnung in der Nassauischen Str. 46 nach Antwerpen (Belgien), wahrscheinlich auch nach Montauban in der Bretagne (Frankreich). Sie wurden etwa 1941 in verschiedene Lager in Südfrankreich (Septfons/St.Cyprien/Gurs) deportiert, dann nach Drancy bei Paris und von dort am 9.9.1942 nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden.

Die Tochter Edith Moddel war Schneiderin und hatte mit 21 Jahren 1933 Felix Neumann geheiratet. Ihr gelang es als einziger der Familie, erst nach England, dann nach New York zu flüchten, wo sie als Kellnerin arbeitete. Dort heiratete sie 1956 ihren 2. Mann Isaac Wolfstein aus Berlin und beantragte für ihre Mutter Entschädigung. Sie starb aber mit 55 Jahren 1957 in NY, ihr Mann ein Jahr später. Erst 1965 erhielten dessen beiden Söhne eine Entschädigung.

Der jüngste Sohn James Moddel, geboren am 4. Mai 1904 in Berlin, war mit Edith, geboren am 10. Dezember 1905, geb. Horwitz verheiratet. Sie hatten zwei Töchter: Inge (Ingelburg) Moddel, geboren am 12. Februar 1929 und Evelyn Moddel, geboren am 10. Oktober 1931, beide in Berlin. 1939 flüchtete James Moddel mit 35 Jahren mit seiner Frau und den beiden Töchter im Alter von 10 und 7 Jahren aus der Niebuhrstr. 61 nach Antwerpen. Er war Quartiermeister und wurde am 10.4.1943 im Lager Malines (Mechelen/ Belgien) interniert, von dort am 31.7.1943 mit dem Transport 21, Nr. 1279 nach Auschwitz deportiert. Seine Frau Edith Moddel wurde auch am 10.4.1943 im Lager Malines interniert, dann am 19.4.1943, mit dem 20. Transport Nr. 1433 nach Auschwitz deportiert. Die 10jährige Tochter Inge Moddel wurde am 14.7.1943 im Lager Malines interniert und am 31.7.1943 mit dem 20.Transport Nr. 1280 nach Auschwitz deportiert. Die jüngste Tochter Evelyn Moddel wurde mit 7 Jahren am 10.4.1943 ins Lager Malines und am 19.4.1943 mit dem 20. Transport Nr. 1434 nach Auschwitz deportiert.

Die Moddels waren eine sehr große Familie. Isidor Moddel, der Mann von Bertha Moddel, war mit dem Schneidermeister Martin Moddel (Fabrikation für Damenmoden in der früheren Neuen Friedrichstr., in Mitte, heute Anna Louisa Karsch-Str.) aus dem Falterweg 11 in Eichkamp/Charlottenburg über die väterliche Linie verwandt. Martin Moddel konnte nach dem Verkauf seines Hauses im Juli 1938 mit seiner Frau Martha und den Kindern Hans und Peter nach Sydney in Australien flüchten.

Die Enkel waren seit 2010 dreimal in Berlin zu Besuch. 2014 fanden sie viele Gräber der Familie auf dem Jüdischen Friedhof Weissensee.
Wohl mehr als 23 Mitglieder der Familie wurden in der Shoa ermordet.

Stolperstein-Initiative Eichkamp/Berlin-Charlottenburg
www.Siedlung-eichkamp.de/stolpersteine
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Quellen: Landesarchiv Potsdam Rep 22/11634Z, Landesamt für Bürger-und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Abt. I Entschädungsbehörde Aktennr: IA45-300.710