Stolperstein Stuttgarter Platz 6

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Hausansicht Stuttgarter Platz 6
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein ist von Margrit Schmidt (Berlin) gespendet und am 7.4.2016 in Anwesenheit von Renate Goldammer und Klaus Mertins verlegt worden.

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Stolperstein Gertrud Gotthilf
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
GERTRUD GOTTHILF
JG. 1878
DEPORTIERT 25.1.1942
RIGA
ERMORDET

Gertrud Gotthilf wurde am 8. November 1878 in Hammerstein (Westpreußen) geboren. Sie war eine Cousine von Rosa Gotthilf, die fünf Kinder hatte und 1914 mit 49 Jahren gestorben ist. Tante Trude, so wurde sie in der Familie genannt, war Pianistin und wohnte in Charlottenburg am Stuttgarter Platz 6. Sie suchte den Flügel für ihre Verwandtschaft mit aus und begutachtete das Instrument. Eine Zeitlang war sie Repetitorin des Kammersängers Richard Tauber, ehe er 1938 emigrieren musste. Danach wurde ihr jede Tätigkeit auch als Klavierlehrerin verboten. Anfangs wurde sie noch von der Familie finanziell unterstützt, bis sie selbst darum bat, nicht mehr zu kommen, weil es zu gefährlich würde.

Die Jüdin Rosa Gotthilf war mit einem Christen verheiratet, also wurden ihre Kinder nach den nationalsozialistischen Nürnberger Rassegesetzen als „Halbjuden“ eingestuft und als solche zahlreichen Repressalien ausgesetzt. Dem Vater wurde nahegelegt, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, was er ablehnte, woraufhin er seinen Geschäftsführerposten verlor.

Gertrud Gotthilf ist im Alter von 73 Jahren zunächst in die Synagoge Levetzowstraße zur Registrierung verschleppt und dann am 25. Januar 1942 vom Güterbahnhof Moabit in einem Zug mit 1044 Menschen bei bitterster Kälte in die lettische Hauptstadt Riga deportiert worden. Wenn sie bei der Ankunft nach fünf Tagen und Nächten noch nicht erfroren war, ist sie wie fast alle Insassen dieses Transports sofort erschossen worden.

Zur Verlegung des Stolpersteins zum Gedenken an Gertrud Gotthilf sagte Renate Goldammer, eine Enkelin von Rosa Gotthilf:

Da Gertrud Gotthilf ledig war und keine Kinder hatte, sind wir – Klaus Mertins, Sohn der älteren Schwester meiner Mutter, und ich sowie unsere jüngere Cousine Margrit Schmidt – wohl die einzigen lebenden Nachkommen von Gertrud Gotthilf. Wir sind dankbar, dass es dem Künstler Gunter Demnig mit seiner Idee der ‚Stolpersteine’ gelungen ist, den Ermordeten ein dezentrales Denkmal zu setzen, das die Erinnerung an sie zu jenem Ort zurückbringt, so wie zuletzt freiwillig gelebt hatten.

Text: Renate Goldammer (Berlin)