Stolperstein Brauhofstraße 6

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Hausansicht Brauhofstr. 6
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Dieser Stolperstein wurde von Margarete Krüger (Berlin) gespendet und am 14.10.2014 verlegt.

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Stolperstein Hertha Hitzemann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HERTHA HITZEMANN
GEB. ZEMPELBURG
JG. 1889
DEPORTIERT 9.2.1944
THRESIENSTADT
ERMORDET 9.10.1944
AUSCHWITZ

Hertha Hitzemann geb. Zempelburg ist am 13. Mai 1889 in Chemnitz geboren. Verheiratet sind mit dem Reichsbankbeamten Karl Hitzemann, der nach den nationalsozialistischen Rassebegriffen „Arier“, also kein Jude, war. Er starb am 12. Dezember 1942, womit der Schutz für die Ehefrau Hertha Hitzemann endete.

Die 81-jährige Spenderin wohnte als junges Mädchen im Nachbarhaus und hat Erinnerungen daran, dass sie oft zu Gast „bei der liebevollen Tante Hertha“ war, „zu der wir flüchteten, wenn wir was ausgefressen hatten“. Hertha Hitzemann gab der jungen Margarete Krüger auch Sprachunterricht. Hitzemanns hatte zwei Kinder: Hildegard, geboren 1922 in Hohenelbe im Riesengebirge und Günther, geboren 1924. Sie wohnten in Langerwisch bei Michendorf im Osten Berlins in der Mühlenstraße, wo die Mutter Ende 1943 unterschlüpfte.

Aus den erhaltenen Akten der Oberfinanzdirektion Berlin-Brandenburg von 1944 und des Amtsgerichts Charlottenburg von 1948 ist zu entnehmen, dass Hertha Hitzemann „zuletzt wohnhaft“ in der Brauhofstraße 6 in Berlin-Charlottenburg war. Die Todeserklärung des Berliner Magistrats von 1948 nennt beide Anschriften, das Entschädigungsamt vermerkte 1958, sie habe „bis 23.11.1943 in der Brauhofstraße 6“ gewohnt. Dort stand ihr Mann seit 1923 auch im Adressbuch, sie wohnten im 2. Stock.

Hertha Hitzemann wurde Ende Januar/Anfang Februar 1944 von der Polizei aufgespürt und in eine der Berliner Sammelstellen für zur Deportation vorgesehene Juden an der Großen Hamburger Straße 26 gebracht. Dort füllte sie am 4.2. die ihr vorlegte Vermögenserklärung aus, in die sie mit Bleistift eintrug, sie sei „ohne Konfession“ und zuletzt als „Arbeiterin“ im Spinnstoffwerk Zehlendorf für 20 Reichsmark Wochenlohn beschäftigt gewesen – also als Zwangsarbeiterin. Außerdem beziehe sie eine Pension der Reichsbank von 175 RM pro Monat und habe auf einem „Gehaltskonto“ 200 Mark.

Diese bescheidenen Vermögen raubten ihr die NS-Behörden, bevor Hertha Hitzemann am 9. Februar 1944 am Anhalter Bahnhof in einen von zwei mit 100 Menschen besetzten Eisenbahnwaggons getrieben und nach Theresienstadt deportiert wurde. In diesem Ghetto blieb sie sie jedoch nur einige Monate und wurde am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz weiterdeportiert, wo sie im Alter von 55 Jahren ermordet worden ist.

Recherche und Text: Helmut Lölhöffel
Quellen: Bundesarchiv, Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Entschädigungsamt Berlin, Centrum Judaicum, Berliner Adressbücher.