Stolpersteine Pestalozzistr. 9A

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Hauseingang Pestalozzistr. 9A, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 03.10.2012
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Diese Stolpersteine wurden am 26.04.2012 verlegt.

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Stolperstein Bertha Jacoby, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 03.10.2012
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HIER WOHNTE
BERTHA JACOBY
JG. 1868
DEPORTIERT 19.11.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 12.1.1943

Bertha Jacoby wurde am 6. September 1868 in Stolp/Pommern geboren. Sie war nicht nur eine Bewohnerin unter anderen in der Pestalozzistrasse 9a: ihr gehörte das ganze Haus. Das 1899 errichtete Gebäude war seit 1900 im Besitz der Familie Jacoby, ab 1904 verzeichnet das Adressbuch Bertha Jacoby als Eigentümerin, sie selbst war in Schöneberg wohnhaft. Spätestens seit 1918 wohnte sie dann selber in ihrem Charlottenburger Haus.
Bertha Jacoby heiratete nicht, sie wurde über die Jahre als „Fräulein“, „Privatiere“ und „Rentiere“ im Adressbuch bezeichnet. 1940 wurde sie zum letzten Mal als Eigentümerin des Hauses genannt. Spätestens in diesem Jahr sah sie sich wohl genötigt, das Haus zu „veräußern“. Nach der am 3.12.38 erlassenen „Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens“ konnten Juden gezwungen werden, Grundeigentum zu verkaufen. Ein C. Opitz, Direktor, sollte fortan als Eigentümer des Hauses davon profitieren. Bertha Jacoby verlor nicht nur ihr Haus sondern auch ihre Wohnung. Ihre letzte bekannte Adresse lautet, so die Karteikarte der Oberfinanzdirektion, Pestalozzistrasse 24, bei Metzger. Tatsächlich war es aber die Pestalozzistrasse 27, dort führt das Adressbuch einen Kaufmann namens Moses Metzger.

Am 19. November 1942 wurde Bertha Jacoby nach Theresienstadt deportiert und dort am 12. Januar 1943 ums Leben gebracht. Eine dort ausgestellte „Todesfallanzeige“ (http://109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.13834 , in der auch die letzte Adresse Pestalozzistrasse 27 genannt wird) gibt als Todesursache „Herzschwäche“ und als Krankheit „Bronchitis“ an, mit Sicherheit Folgen der sehr schlechten Lebensverhältnisse in dem Lager.

Rosa Metzger geb. Süssmann, geboren am 14. Dezember 1875, vermutlich die Frau oder Witwe von Moses Metzger aus der Pestalozzistrasse 27, wurde am 13.1.1943 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert und dort am 17. März 1943 ermordet.

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Stolperstein Josef Nadler, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 03.10.2012
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HIER WOHNTE
JOSEF NADLER
JG. 1871
DEPORTIERT 28.7.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Josef Nadler stammte aus Oberschlesien, er wurde am 17. November 1871 in Broda/Rosenberg geboren. Zum Zeitpunkt der Volkszählung vom Mai 1939 wohnte er zur Untermiete bei Bertha Jacoby in der Pestalozzistrasse 9a. Vermutlich mit ihrem Auszug musste auch er die Wohnung verlassen, seine letzte bekannte Adresse lautet Elsässer Strasse 54 (heute Torstrasse), bei Herrmann. Dies war wahrscheinlich eines jener „Judenhäuser“, in die Juden ab 1941 eingewiesen wurden und auf engstem Raum leben mussten. Sie sollten Platz machen für die „arische“ Bevölkerung, die Ersatzwohnraum brauchten aufgrund der Fliegerangriffe aber auch in Folge von Generalbauinspektor Albert Speers Plänen für die „Welthauptstadt Germania“, denen ganze Straßenzüge zum Opfer fielen.

Am 28. Juli 1942 wurde Josef Nadler vom Sammellager Große Hamburger Strasse 26 aus (früher Jüdisches Altersheim) mit weiteren 99 Leidensgenossen nach Theresienstadt deportiert. Über ein Viertel der Deportierten waren aus der Elsässer Strasse 54. Zwei Monate später, am 26. September 1942, kam Josef Nadler in das Vernichtungslager Treblinka. Sein Todesdatum ist nicht bekannt.

Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Kartei der Oberfinanzdirektion
Berliner Adressbücher, www.holocaust.cz