Stolperstein Auguste-Viktoria-Straße 33

Link zu: Hausansicht Auguste-Viktoria-Str. 33
Hausansicht Auguste-Viktoria-Str. 33
Bild: H.-J. Hupka

Der Stolperstein für Anita Frank wurde am 20.3.2012 verlegt und von Lydia Lange und Marianne Wintgen gespendet.

Link zu: Stolperstein Anita Frank, 20.03.2012
Stolperstein Anita Frank, 20.03.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
ANITA FRANK
JG. 1921
DEPORTIERT 16.6.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET APRIL 1945
BERGENBELSEN

Link zu: Anita Frank als Kind
Anita Frank als Kind
Bild: Privatarchiv

Lebenslauf Anita Frank

Anita Frank wurde am 9.7.1921 in Leipzig geboren.
Vater: Hermann Frank, * 9.8.1875, † 30.09.1932
Mutter: Hilde Frank, * 11.10.1894, † 1.8. 1945 in Basel
Bruder: Reinhard Frank, * 16.9.1928 in Leipzig, † Dezember 2010 (USA)

Die Mutter siedelte nach dem Tod ihres Mannes mit den Kindern von Leipzig nach Berlin über. Anita besuchte dort das Gymnasium, konnte aber die letzte Klasse nicht abschließen, weil sie es als Jüdin verlassen musste. Sie besuchte dann eine jüdische Abschluss-Schule.
Sie wählte einen der wenigen Berufe, die für Juden noch offen waren: Krankenschwester.

Die Mutter heiratete einen Bürger aus der Schweiz. Sie beantragte 1939 Visa für ihre Kinder für Großbritannien. Die englischen Visa trafen ein; die Kinder sollten am 3.9.1939 nach England übersiedeln. Da am 1.9. der Krieg ausbrach, wurde daraus nichts, die Grenzen waren zu. Die Mutter zog 1940 allein in die Schweiz und betrieb von dort aus die Einreise ihrer Kinder. Sie hatte erst nach zwei Jahren Erfolg, da war es aber zu spät.

Die Geschwister waren in der Zwischenzeit in Berlin bei Pflegeeltern untergebracht, die ständig wechselten (Ausreise, Deportation). Anita wohnte teilweise schon im Jüdischen Krankenhaus, wo sie arbeitete. Auch Reinhard fand im Jüdischen Krankenhaus Arbeit, als Schlosser. Anita war als Stationsschwester („Schwester Annemarie“) mitverantwortlich für eine Spezial-Krankenstation (Gefangenen-Station, dort wurden während der Haft und infolge von Verhören durch die Gestapo erkrankte jüdische Gefangene behandelt). Sie soll einigen besonders gefährdeten Patienten die Flucht ermöglicht haben.

Am 16.6.1943 wurden die Geschwister in das Ghetto Theresienstadt deportiert (91. Altentransport). Anita arbeitete dort als Säuglingsschwester.
Am 19.10.1944 wurde Anita Frank nach Auschwitz deportiert. Ihr Bruder war schon im September dorthin verschleppt worden und befand sich getrennt von der Schwester in einem anderen Teil des Lagers.
Von Auschwitz wurde Anita nach Bergen-Belsen deportiert. Es gibt zwei unsichere Todesdaten: 17.4.1945; 30.4.1945. In beiden Fällen war Bergen-Belsen bereits befreit.

Ihrem Bruder Reinhard gelang im Januar 1945 bei der Räumung des KZ Auschwitz durch die SS mit einer kleinen Gruppe die Flucht in Richtung Südosten. Die Flucht dauerte bis zum 1. Mai 1945. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Reinhard Frank in Bukarest. Am 24.3.1946 kam Reinhard Frank in Basel an.

Link zu: Anita Frank als Jugendliche
Anita Frank als Jugendliche
Bild: Privatarchiv

Quellen:
Manuskript „Reinhard Frank – zum Andenken an Dr. Ernst Kobler (Mittagessen von Reinhard Frank und Dr. Christian Brückner vom 29.11.1990 im Hotel Drei Könige, Basel)“, unterschrieben von Reinhard Frank am 21.5.1992 mit der Widmung „Für Frau Inge-Kobler-Schwab“.
Interview von Reinhard Frank, veranstaltet von der Survivors of the Shoa Visual History Foundation Steve Spielberg, Aufnahme am 24.04.1997 in Cambridge.
Interviewerin: Frau Jill Greenberg, deutsche Übersetzung CBR
Bundesarchiv R1, Volkszählung vom 17.5.1939, Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus dem Bestand R 1509 Reichssippenamt
Berliner Gedenkbuch der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus
Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945.