Stolpersteine Giesebrechtstraße 18

Link zu: Eingang Giesebrechtstr. 18
Hausansicht Giesebrechtstr. 18 Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

21 von der Hausgemeinschaft gespendeten Stolpersteine wurden am 22.9.2010 verlegt.

Der Stolperstein für Reha Schlesinger wurde von Florence Moehl (Berlin) gespendet und am 15.10.2013 in Anwesenheit von Hausbewohner/innen und Nachbarn sowie einer Klasse der Paula-Fürst-Schule (Gemeinschaftsschule) mit ihrer Lehrerin Madlen Schmitz, die die Stolpersteine putzten und ein Lied sangen, verlegt.

Die Stolpersteine für Dr. Sally Citron und Herrmann Blumenthal wurden am 21.4.2016 verlegt.

Link zu: Stolperstein für Waldemar Cohn
Stolperstein für Waldemar Cohn Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
WALDEMAR COHN
JG. 1876
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Waldemar Cohn wurde am 18.5.1876 in Berlin geboren. Er wurde gemeinsam mit seiner Frau Emma Cohn am 30.11.1941 nach der Ankunft in Riga ermordet.

Link zu: Stolperstein für Emma Cohn
Stolperstein für Emma Cohn Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
EMMA COHN
GEB. HIRSCH
JG. 1881
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Link zu: Stolperstein für Clara Jacobsohn
Stolperstein für Clara Jacobsohn Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
CLARA JACOBSOHN
GEB. LIPPMANN
JG. 1878
DEPORTIERT 28.3.1942
PIASKI
ERMORDET

Bildvergrößerung: Stolperstein Dr. Sally Citron
Stolperstein Dr. Sally Citron Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
DR. SALLY CITRON
JG. 1863
DEPORTIERT 13.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 11.9.1942

Link zu: Stolperstein für Franziska Harczyk
Stolperstein für Franziska Harczyk Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
FRANZISKA HARCZYK
GEB. CITRON
JG. 1859
DEPORTIERT 13.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.9.1942

Link zu: Stolperstein für Lydia Neustein
Stolperstein für Lydia Neustein Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
LYDIA NEUSTEIN
JG. 1876
DEPORTIERT 9.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEPT. 1942 IN
TREBLINKA

Link zu: Stolperstein für Bertha Feilchenfeld
Stolperstein für Bertha Feilchenfeld Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
BERTHA
FEILCHENFELD
JG. 1890
DEPORTIERT 17.11.1941
KOWNO
ERMORDET 25.11.1941

Link zu: Stolperstein für Helene Katschke
Stolperstein für Helene Katschke Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
HELENE KATSCHKE
GEB. BADT
JG. 1871
DEPORTIERT 3.10.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 17.1.1943

Link zu: Stolperstein für Margarete Pinthus
Stolperstein für Margarete Pinthus Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MARGARETE PINTHUS
GEB. KATSCHKE
JG. 1895
DEPORTIERT 26.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Walter Meyer
Stolperstein für Walter Meyer Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
WALTER MEYER
JG. 1891
DEPORTIERT 3.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Elsa Meyer
Stolperstein für Elsa Meyer Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ELSA MEYER
GEB. SILBERBERG
JG. 1894
DEPORTIERT 3.2.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Karl-Heinz Schlesinger
Stolperstein für Karl-Heinz Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
KARL-HEINZ
SCHLESINGER
JG. 1917
DEPORTIERT 12.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Karl-Heinz Schlesinger ist am 6. April 1917 in Berlin geboren. Mit seiner Frau Ursula Schlesinger, geb. Goldstein, geboren am 7. März 1919 in Hannover, sowie den beiden Töchtern Tana, geboren am 13. August 1940, und Reha, geboren am 9. August 1942, beide in Berlin, lebte er in der Giesebrechtstraße 18 im 3. Stock in der geräumigen Familienwohnung, wo auch die Mutter Margarete Schlesinger, geb. Fabian, geboren am 2. September 1885 in Berlin, und der jüngere Bruder Gert mit seiner Familie lebten.

Zu der Zeit, als sie auf ihre Deportation vorbereitet wurden, war Karl- Heinz Schlesinger Zwangsarbeiter im Siemens-Kabelwerk für einen Wochenlohn von 25 Reichsmark. Das war alles, was die Familie zur Verfügung hatte, denn Ursula Schlesinger konnte wegen ihrer beiden kleinen Kinder nicht arbeiten. Im April 1942 mussten sie die Wohnung in der Giesebrechtstraße verlassen und in die Marburger Straße 8 umziehen, wo sie bei der im Hochparterre wohnenden Margarete Aufrichtig in 1½ Zimmern für 60 RM Miete Unterschlupf fanden.

Am 1.10.1942 wurden vier Verfügungen der Geheimen Staatspolizei erlassen, dass „das gesamte Vermögen … zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen“ werde. Merkwürdigerweise wurden diese Schriftstücke an Ursula und Tana Schlesinger mit der Adresse Marburger Straße 5 ausgefertigt, dabei kann es sich allerdings um einen Schreibfehler handeln. Am 7.1.1943 bekam Karl-Heinz Schlesinger dann vier Vermögenserklärungen vorgelegt, das waren 16seitige Fragebögen, die von allen zur Deportation vorgesehenen Juden beantwortet werden mussten. Er füllte den Vordruck aus, seine Frau schrieb außer ihren Personendaten nur: „s. mein Mann!“ Absurd ist, dass auch für die zweijährige Tana und die fünf Monate alte Reha solche Vermögenserklärungen abgegeben werden mussten. Karl-Heinz Schlesinger unterschrieb die sinnlosen Papiere brav mit dem Zusatz „als Vater“.

Zu den wenigen Habseligkeiten, die als „Vermögen“ auszuweisen waren, gehörten ein Kinderbett, ein Kinderkörbchen und eine Wickelkommode sowie „etwas Kinderbekleidung“. Außerdem trug Karl-Heinz Schlesinger in die Inventarliste ein: „deutscher Teppich, teilweise abgetreten“. Alles in allem wurde der Wert des ärmlichen Familienbesitzes auf 203 Reichsmark geschätzt und brachte beim Verkauf oder bei Versteigerungen 156 RM ein. Dieser Erlös wurde zusammen mit 19 RM Lohn, die noch vom Siemens-Kabelwerk ausstanden, von der Oberfinanzkasse verrechnet. Am 17.3.1944 notierte die Vermögensverwertungsstelle: „Die Akten wurden geschlossen.“

Am 12. Januar 1943 waren Karl-Heinz Schlesinger, seine Frau Ursula mit den beiden Töchterchen Tana und Reha und seine Mutter Margarete von der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26 zum Bahnhof Grunewald transportiert worden, von wo ein Zug nach Auschwitz in den Tod fuhr.

Auch Margarete Aufrichtig, geboren am 19. Februar 1901 in Teplitz-Schönau (Teplice-Sanov, Böhmen), die die Familie Schlesinger zuletzt beherbergt hatte, wurde am 12. Januar 1943 in diesem Zug nach Auschwitz deportiert.

Link zu: Stolperstein für Margarete Schlesinger
Stolperstein für Margarete Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MARGARETE
SCHLESINGER
GEB. FABIAN
JG. 1885
DEPORTIERT 12.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Ursula Schlesinger
Stolperstein für Ursula Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
URSULA
SCHLESINGER
GEB. GOLDSTEIN
JG. 1919
DEPORTIERT 12.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Tana Schlesinger
Stolperstein für Tana Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
TANA
SCHLESINGER
JG. 1940
DEPORTIERT 12.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein Reha Schlesinger
Stolperstein Reha Schlesinger Bild: H.-J. Hupka

HIER WOHNTE
REHA SCHLESINGER
JG.1942
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Link zu: Stolperstein für Gert Schlesinger
Stolperstein für Gert Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
GERT
SCHLESINGER
JG. 1920
DEPORTIERT 4.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Gert Schlesinger ist am 22. Januar 1920 in Berlin geboren. Seine Frau war Ingeborg Schlesinger, geb. Frey, geboren am 13. Januar 1922 in Berlin. Sie hatten eine gemeinsame Tochtern Zilla, geboren am 8. Februar 1943 in Berlin. Mit ihnen lebte ihr Sohn aus erster Ehe, Denny Brauer, geboren am 1. Mai 1941 in Berlin, der amtlich als „Pflegekind“ geführt und manchmal auch Danny geschrieben wurde. Die Familie lebte in der Giesebrechtstraße 18 im 3. Stock in einer 5½-Zimmer-Wohnung, die 186,20 Reichsmark Miete kostete – damals ein enorm hoher Betrag. Sie hatten 1942 geheiratet.
Gert Schlesinger, der ein Bruder von Karl-Heinz Schlesinger war, musste Zwangsarbeit bei der Firma Siemens-Halske für einen Wochenlohn von 36 Reichsmark verrichten. Die damals gerade 20jährige Ingeborg Schlesinger hatte ihre beiden kleinen Kinder Danny und Zilla zu versorgen. Zum Zeitpunkt der Volkszählung am 17.5.1939 war Ingeborg Schlesinger nicht in der Giesebrechtstraße 18 gemeldet, weil sie damals bei dem Vater ihres Sohnes wohnte. Dieser war Dr. med. Alfred Brauer, den sie erst am 5. September 1940 geheiratet hatte und der am 6. Juni 1941 – fünf Wochen nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Denny – an Darmtuberkulose gestorben ist. Erst später, nach dem Tod ihres ersten Mannes, zog sie in die Schlesinger-Wohnung ein. Irrtümlich steht auf ihren Stolperstein der Zusatz, sie sei „geschieden“. Diese Angabe ist falsch, sie war verwitwet.
Am 1.2.1943 wurden die berüchtigten Verfügungen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) ausgestellt, dass das „Vermögen zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen“ werde, sogar für die Kinder. Am 1.3.1943 folgten 16seitige Vordrucke, die Vermögenserklärungen hießen und auf denen Juden sämtlichen Besitz angeben mussten. Gert und Ingeborg Schlesinger trugen nur wenige Möbel und keinerlei Kleidung ein und unterschrieben die bis auf die Namen leeren Formulare auch für ihre Kinder.
Gert, Ingeborg und Zilla Schlesinger sowie Denny Brauer wurden am 4. März 1943 vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald zusammen mit 1 120 Menschen nach Auschwitz deportiert. 389 Männer und 96 Frauen wurden aussortiert und in das Arbeitslager eingewiesen. Gert und Ingeborg Schlesinger, die noch jung und arbeitsfähig waren, wurden wahrscheinlich ins Lager geschickt. Alle anderen, darunter die Kinder, also sicherlich auch Zilla und Denny, wurden in den Gaskammern in Birkenau getötet.
Obergerichtsvollzieher Becker, der diese Schicksale vielleicht nicht kannte oder sie ausblendete, teilte am 28.5.1943 mit: „Die Wohnung ist bereits geräumt und wieder bewohnt“, wofür er eine Gebühr 2,50 RM berechnete.
Ingeborgs Schwester Gisela Rosa, geboren am 15. Juni 1923 in Berlin, gelang es, in den 1930er Jahren nach Palästina zu emigrieren. Später lebte sie als verheiratete Dickson in Nordirland.

Quellen: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam. Landesarchiv Berlin. Entschädigungsamt Berlin. Texte: Helmut Lölhöffel, berichtigt und ergänzt von Florence Springer Moehl.

Link zu: Stolperstein für Ingeborg Schlesinger
Stolperstein für Ingeborg Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
INGEBORG
SCHLESINGER
GEB. FREY
GESCH. BRAUER
JG. 1922
DEPORTIERT 4.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Denny Brauer
Stolperstein für Denny Brauer Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
DENNY BRAUER
JG. 1941
DEPORTIERT 4.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Zilla Schlesinger
Stolperstein für Zilla Schlesinger Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ZILLA
SCHLESINGER
JG. 1943
DEPORTIERT 4.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Zerel L. Wagner
Stolperstein für Zerel L. Wagner Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ZEREL L. WAGNER
GEB. HANFF
JG. 1883
DEPORTIERT 17.12.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 1943 IN
AUSCHWITZ

Link zu: Stolperstein für Else Weisz
Stolperstein für Else Weisz Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ELSE WEISZ
GEB. ROSENTHAL
JG. 1887
DEPORTIERT 1943
ERMORDET

Link zu: Stolperstein für Sigismund Rosenthal
Stolperstein für Sigismund Rosenthal Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
SIGISMUND
ROSENTHAL
JG. 1873
VERHAFTET 27.5.1942
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 28.5.1942

Sigismund Rosenthal wurde am 13.6.1873 in Münster geboren. Am 27.5.1942 wurden in Berlin 500 Juden verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. 250 von ihnen wurden erschossen. Adolf Eichmann hatte dem Vorstand der Reichsvereinigung am 29.5.1942 mitgeteilt, dass dies im Zusammenhang mit dem Anschlag der Gruppe um Herbert Baum auf die Ausstellung “Das Sowjetparadies” angeordnet wurde.

Bildvergrößerung: Stolperstein Herrmann Blumenthal
Stolperstein Herrmann Blumenthal Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HERRMANN
BLUMENTHAL
JG. 1860
DEPORTIERT 11.8.1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET