Stolpersteine Badensche Straße 21

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Hausansicht Badensche Str. 21
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolperstein für Margarethe Weisstein geb. Baswitz wurde am 29.9.2010 verlegt.

Die Stolpersteine für Gertrud Fürst, Ursula Henschel, Eugen Krohn, Edith und Hugo Jacob, Ingeborg und Else Levinsohn wurden am 01.06.2017 verlegt. Gespendet wurden sie aus der Firma Paypal, deren Berliner Filiale sich heute dort befindet und von der zahlreiche Mitarbeiter/innen dabei waren. Anwesend waren auch Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klasse der Friedenauer Gemeinschaftsschule.

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Stolperstein Margarethe Weisstein
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
MARGARETHE
WEISSTEIN
GEB.BASWITZ
JG. 1874
DEPORTIERT 31.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.9.1442

Margarethe Weisstein geb. Baswitz wurde am 23. Oktober 1874 in Frankfurt/Oder geboren.
Sie war Witwe und wohnte 1933 in der Niebuhrstraße 11, 1939 in der Badenschen Straße 21 als Untermieterin bei der Pensionärin („Privatiere“) Gertrud Fürst, geb. Behrendt, geboren am 5. Februar 1882. Wann ihr Mann gestorben war, ist nirgends vermerkt.

Sie wurde in die Sammelstelle an der Großen Hamburger Straße 26 gebracht, wo sie noch eine „Vermögenserklärung“ ausfüllen und unterschreiben musste und wo ihr vorgegaukelt wurde, sie würde in ein „Altersheim nach Böhmen“ kommen. Am 31. August 1942 ist sie vom Anhalter Bahnhof mit 100 Menschen zwischen 56 und 82 Jahren, von denen nur einer überlebte, nach Theresienstadt deportiert und dort einen Monat später am 30. September 1942 umgebracht worden. Die Ghetto-Ärzte schrieben als Todesursache „akuter Darmkatarrh“ in den Totenschein – das war ihre übliche Umschreibung für unhaltbare hygienische Zustände, Mangelernährung und fehlende medizinische Versorgung im Lager.
Margarethe Weissteins letzte Vermieterin Gertrud Fürst wurde am 28. März 1942 nach Piaski deportiert und dort emordet.

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Stolperstein Gertrud Fürst
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
GERTRUD FÜRST
GEB. BEHRENDT
JG. 1887
DEPORTIERT 28.3.1942
PIASKI
ERMORDET

Gertrud Fürst geb. Behrendt wurde am 5. Februar 1882 i n Berlin geboren, Am 17.5.1939, dem Tag der Volkszählung, war sie in der Badenschen Straße 21 polizeilich gemeldet. Ihr Ehemann war zu dieser Zeit schon gestorben. Sie war als „Privatiere“ eingetragen, sie konnte also von ihrem Vermögen leben und war nicht auf staatliche Alterssicherung angewiesen. Gertrud Fürst hatte allerdings eine Untermieterin: Margarete Weisstein, die nach Theresienstadt deportiert und dort umgebracht wurde. Am 28. März 1942 ist Gertrud Fürst mit 985 Menschen vom Bahnhof Grunewald in den polnischen Ort Piaski gefahren und dort ermordet worden.

Peter Fürst aus New York (USA) hat einen Entschädigungsantrag gestellt für Guthaben bei der Dresdner Bank, Gold, Silber, persönliche Gegenstände/Einrichtung.

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Stolperstein Eugen Krohn
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
EUGEN KROHN
JG. 1872
DEPORTIERT 10.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 4.7.1943

Eugen Krohn wurde am 23. März 1872 in Oranienburg bei Potsdam geboren. Er war der Sohn von Yitzkhak und Rosalie Krohn und war mit Gertrud geb. Domsky (1888-1940) verheiratet. Von Beruf war er, wie dem Adressbuch zu entnehmen ist, Kaufmann.

In der Badenschen Straße 21 hatte er offenbar eine geräumige Wohnung, denn er konnte an die Eheleute Jacob sowie Mutter und Tochter Levinsohn untervermieten. Außer diesen vieren wohnten bis zu ihrem Tod 1940 seine Frau Gertrud und deren Tochter Ursula, die inzwischen verheiratet war und Henschel hieß, dort.

Am 10. August 1942 ist Eugen Krohn ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Dort ist er am 4. Juli 1943 umgekommen. Er litt nach Angaben der Ärzte in Theresienstadt, wie in dem unter veröffentlichten Totenschein nachzulesen ist, unter „Herzmuskelentartung“ und hatte außerdem einen „Darmkatarrh“, was die dort übliche Umschreibung der grauenhaften sanitären Umstände war, und sie bescheinigten ihm als „Todesursache Lungenentzündung“.

Ein Verwandter namens John Henry Richter, der sich als „Kousin 1. Grades“ ausgab, unterschrieb 1970 aus Ann Arbor (Michigan, USA) ein Gedenkblatt, das er für Eugen Krohn in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem archivieren ließ.

Quellen: Bundesarchiv, Adressbuch, Theresienstadt-Archiv, Zentralarchiv Yad Vashem

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Stolperstein Ursula Henschel
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
URSULA HENSCHEL
GEB. KROHN
JG. 1920
DEPORTIERT 19.4.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Ursula Henschel geb. Krohn, geboren am 26. Oktober 1920 in Berlin, war vermutlich, jedenfalls nach dem Geburtsdatum zu urteilen, die Tochter von Eugen und Gertrud Krohn. Gemeldet war sie, wie die Meldebehörde auf einer Karteikarte festhielt, als Ursula Krohn. Sie war in das Forsteinsatzlager Kersdorf abkommandiert worden, von wo sie dann am 19. April 1943 deportiert wurde.

Von 1939 an waren jüdische Zwangsarbeiter/innen in zwei Gasthöfen und einem Stall in Kersdorf bei Biesen in Brandenburg untergebracht. Kersdorf war ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Im Forst wurden Bäume gerodet, neue Wälder gepflanzt und Harz gewonnen. Ein Waldstück wurde später, wie in der Ortschronik von Biesen nachzulesen ist, „Judenwald“ genannt.

Die damals 18 Jahre alte Ursula Henschel ist in einem Zug vom Güterbahnhof Moabit zum Konzentrationslager Auschwitz abtransportiert worden. Dort wurde sie wahrscheinlich wie die meisten der 681 Insassen zunächst in ein Arbeitslager eingewiesen und dann ermordet.

Quellen: Bundesarchiv; Ortschronik Biesen

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Stolperstein Edith Jacob
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
EDITH JACOB
GEB. BERNSTEIN
JG. 1910
DEPORTIERT 17.5.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Edith Jacob geb. Bernstein ist am 24. März 1910 in Berlin mit dem Familiennamen Bernstein geboren. Sie heiratete Hugo Jacob, mit dem gemeinsam sie in die Badensche Straße 21 zog und am 17. Mai 1943 vom Güterbahnhof Moabit in einem Zug der Reichsbahn nach Auschwitz deportiert worden ist. Dort wurde Edith Jacob umgebracht.

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Stolperstein Hugo Jacob
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
HUGO JACOB
JG. 1910
DEPORTIERT 17.5.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hugo Jacob ist am 2. Mai 1910 in Düren geboren. Verheiratet war er mit der gleichaltrigen Edith Bernstein. Wie seine Frau Edith bewohnte er ein Zimmer als Untermieter von Eugen Krohn in der Badenschen Straße 21. Er hatte einen Doktortitel, in welcher Fachrichtung, ist nicht bekannt.
Beide zusammen sind am 17. Mai 1943 nach Auschwitz deportiert worden.

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Stolperstein Else Levinsohn
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
ELSE LEVINSOHN
GEB. SACHS
JG. 1873
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Else Levinsohn geb. Sachs ist am 29. Juni 1873 in Berlin geboren. Sie war die Mutter von zwei Kindern: Wadim Roman, geb. 10. Januar 1904 und Ingeborg Levinsohn, geb. 28. Dezember 1906. Beide kamen in Charbin in der Mandschurei auf die Welt. Die Stadt Charbin war damals ein Zentrum jüdischer Kultur in der Mandschurei in China.

Warum Else Levinsohn dort lebte und wer die Väter ihrer beiden Kinder waren, ist nicht mehr zu ermitteln. In den Berliner Adressbüchern war sie als Else Roman bereits ab 1920 mit den Zusätzen Witwe und Korrespondentin unter der Adresse Friedenau, Blankenbergstraße 8 eingetragen. Dort wohnte auch ihr Sohn Wadim bis zu seiner Emigration nach England. Dr.Wadim Roman war wissenschaftlicher Schriftsteller und Experimentalforscher. Gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden aus seinem Labor in einer Städtischen Krankenanstalt sämtliche chemische Apparate beschlagnahmt und ihm so seine Lebensgrundlage genommen.
Else Levinsohn wollte ebenfalls nach England auswandern. Sie hatte bereits Reichsfluchtsteuer gezahlt und den Lift nach England bei einem Spediteur deponiert. Unter ihren Sachen befanden sich wertvolles chinesisches Porzellan, handgeschnitzte chinesische Möbel aus Zedernholz und zahlreiche wertvolle Bücher. Der Kriegsausbruch verhinderte ihre Ausreise und ihr Hab und Gut wurde versteigert.
Auch ihre Wohnung in Friedenau musste sie gezwungenermaßen verlassen. Mit ihrer Tochter Ingeborg lebte sie in Berlin jedenfalls in der Badenschen Straße 21 als Untermieterin bei Eugen Krohn und Ursula Henschel geb. Krohn. Am 13. Januar 1942 sind beide vom Bahnhof Grunewald in die lettische Hauptstadt Riga deportiert worden. Wahrscheinlich wurden beide sofort nach der Ankunft erschossen.

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Stolperstein Ingeborg Levinsohn
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
INGEBORG LEVINSOHN
JG. 1906
DEPORTIERT 13.1.1942
RIGA
ERMORDET

Ingeborg Levinsohn wurde am 28. Dezember 1906 in Charbin in der Mandschurei (China) geboren. Warum sie diesem entlegenen Teil der Erde zur Welt kam, was um jene Zeit ungewöhnlich war ist ebenso unbekannt wie die Frage, wer ihr Vater war. Die Mutter war sicherlich Else Levinsohn geb. Sachs, mit der sie zusammen als Untermieterin bei Eugen Krohn in der Badenschen Straße 21 wohnte. Soweit dem Melderegister von 1939, das nach einer Volkszählung angelegt wurde, zu entnehmen ist, war Ingeborg Levinsohn unverheiratet. Gemeinsam mit ihrer Mutter Else musste sie sich in der einstigen Synagoge Levetzowstraße registrieren lassen und musste auf langen Wegen durch die Stadt marschieren. Am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald mussten sie dann 13. Januar 1942 einen Zug besteigen, der aus Personenwagen 3. Klasse bestand und nach Riga fuhr. Nach der Ankunft am 16. Januar 1942 wurde sie ebenso wie fast alle der 1034 Insassen erschossen.

Texte:
Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Helmut Lölhöffel mit Ergänzungen von Karin Sievert

Quellen:

Bundesarchiv Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten – Entschädigungsbehörde
Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Deportationslisten
Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
IST Arolsen