Stolpersteine Rudolstädter Str. 110

Diese beiden Stolpersteine wurden auf Wunsch von Bert Gert Simson (USA) am 9.4.2010 verlegt.

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Stolperstein für Else Abrahamsohn
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
ELSE ABRAHAMSOHN
GEB. SALINGER
JG. 1887
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

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Stolperstein für Emil Abrahamsohn
Bild: Wolfgang Knoll

HIER WOHNTE
EMIL ABRAHAMSOHN
JG. 1875
DEPORTIERT 29.1.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Emil Abrahamsohn wurde am 12. Oktober 1875 in Jesken (Ostpreußen) geboren. Mit seiner ersten Frau Käthe geb. Silberberg hatte er drei Töchter: Irma, Wally und Edith. Sie wuchsen in Prostken (Ostpreußen) auf und flohen während oder kurz nach dem Ersten Weltkrieg vor den Russen nach Berlin. Emil Abrahamsohn hatte ein kleines Bekleidungsgeschäft.

Käthe Abrahamsohn starb 1932 und ist auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee begraben. Über die zweite Ehefrau Else Abrahamsohn geb. Salinger haben seine Nachkommen keine Informationen mehr. Sie wurde am 12. Dezember 1887 in Czarnikau (Czarnkow/Polen) geboren.

Sie wohnten in der Rudolstädter Straße 110, er war 1935 im Adressbuch eingetragen: 110 Abrahamsohn, E. Kfm, also als Kaufmann.

Das letzte Lebenszeichen, das die Enkel von ihrem Großvater Emil hatten, war ein Telegramm, das im Mai 1941 über das Rote Kreuz nach Tel Aviv geschickt wurde. Er schrieb, dass er und seine Frau sich „grosse Sorge um Euch“ machten und er hoffe, dass alle gesund sind.

Am 29. Januar 1943 sind Emil und Else Abrahamsohn aus dem Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26, einem jüdischen Altersheim, in einem mit 1000 Menschen besetzten Zug vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert worden. Dort wurden sie umgebracht.

Edith und ihr Mann Edmund flüchteten 1933 nach Palästina. Sie sind dort begraben und ihr ältester Sohn lebt in Lippstadt.

Der Tochter Irma und ihrem Mann Gustav Silberberg gelang zunächst die Flucht nach Amsterdam. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden sie von einer alleinstehenden Frau in deren Haus in Den Haag versteckt. Irma wurde krank und ist im Garten der Frau begraben. Gustav überlebte den Krieg und starb in Holland. Wo er beerdigt wurde, ist der Familie unbekannt.

Die Tochter Wally Abrahamsohn heiratete Leo Simson, ihr Sohn Bert Gert Simson ist am 11. März 1927 in Berlin-Halensee geboren. Die Familie flüchtete 1935 aus Deutschland nach Palästina. Die Eltern kehrten 1959 nach Deutschland zurück und lebten in Frankfurt/Main. Leo starb 1962, Wally 1987, sie sind auf dem Jüdischen Friedhof in Frankfurt/Main beerdigt. Bert wanderte mit seiner in Israel geborenen Ehefrau Ofira 1957 in die USA aus.

Text: Bert G. Simson (Bethesda, Maryland)