Stolpersteine Landauer Straße 3

Link zu: Hauseingang Landauer Str. 3, 21.09.2011
Hauseingang Landauer Str. 3, 21.09.2011
Bild: BA CW, Held

Die Stolpersteine wurden am 30.07.2005 verlegt.

Link zu: Stolperstein Minna Gruenfeld, 21.09.2011
Stolperstein Minna Grünfeld, 21.09.2011
Bild: BA CW, Held

HIER WOHNTE
MINNA
GRÜNFELD
GEB. SCHÖNFELD
JG. 1887
DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN
LODZ

Link zu: Stolperstein Paul Gruenfeld, 21.09.2011
Stolperstein Paul Gruenfeld, 21.09.2011
Bild: BA CW, Held

HIER WOHNTE
PAUL
GRÜNFELD
JG. 1881
DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN
LODZ

Paul Grünfeld wurde geboren am 27. April 1881 in Zalence (Załęże), einem Vorort von Kattowitz in Schlesien. Seine Mutter hieß Maria geb. Sachs, der Name seines Vaters ist nicht bekannt. Er war in Berlin Eisenhändler. Verheiratet war er mit Minna Grünfeld, geb. Schönfeld, die am 5. April 1887 Bleicherode im Harz Sachsen geboren wurde. Sie war von Beruf Kindergärtnerin. In der Familie wurde sie Mimi genannt und hatte einen Bruder, Dr. Fritz Schönfeld, der Kinderarzt in Halberstadt war. Sie hatten eine Tochter Ursula, deren Aufenthalt ihnen „unbekannt“ sei, gaben sie den NS-Behörden 1941 an. Sie wohnten in der Landauer Straße 3.

Vergebens bereiteten Paul und Minna Grünfeld Ende der 1930er Jahre eine Auswanderung nach Kuba vor. Ihre begehrte Wohnung war schon der “Organisation Todt“ angeboten worden, einem paramilitärischen Bautrupp der Nationalsozialisten für Rüstungsanlagen. Jedoch wurden ihnen immer neue bürokratische Hindernisse entgegengestellt, sodass ihr Vorhaben damit endete, dass keine Ausreisen von Juden mehr erlaubt wurden.

Als sie im Sammellager in der Synagoge Levetzowstraße in Moabit ihre
Vermögensliste abgeben mussten, hatte Paul Grünfeld beide Vordrucke sorgfältig ausgefüllt, in der Liste seiner Frau mit mehreren Verweisen. Sie fiel umfangreich aus. Er gab Grundbesitz (ein Grundstück in Beuthen, Kattowitzer Straße 17, Vollstraße 4), diverse Guthaben von insgesamt rund 80 000 RM, Aktien, Geldforderungen, wertvolle Möbel, Bilder und anderes an: eine Barocktruhe, einen Stollenschrank, einen Biedermeier-Sekretär, Silbergeschirr, Gläser, Wäsche und Kleidung. Ein Obergerichtsvollzieher bewertete bei einer Inventur am 10.3.1942 das Inventar, das Gesamtvermögen wurde mit etwa 192 000 RM beziffert.

Paul und Minna Grünfeld wurden am 27. oder 29. Oktober 1941 vom Güterbahnhof Grunewald mit etwa 1000 Menschen nach Lodz deportiert, das damals in Litzmannstadt umbenannt worden war. Beide sind am 10. Mai 1942 im Vernichtungslager im etwa 60 Kilometer entfernten Kulmhof (Chelmno) ermordet worden.

Nach der Deportation seiner ehemaligen Mieter führte Dr. Adolf Schulze, Badensche Straße 7, einen umfangreichen Schriftwechsel mit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) wegen ausstehender Mietforderungen, die er nunmehr von der Oberfinanzdirektion erstattet haben wollte. Das Ehepaar Grünfeld war zu diesem Zeitpunkt schon umgebracht, was Dr. Schulze vielleicht nicht wusste, sicher aber ahnte.

Gedenkblätter für Paul und Mimi Grünfeld sind 1990 bei der Gedenkstätte Yad Vashem von Ernest Ignaz Grünfeld, einem Verwandten aus London-Wimbledon (Großbritannien), hinterlegt worden.

Recherchen: Heiner Horsten und Helmut Lölhöffel (Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf).
Quellen: Bundesarchiv; Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Adressbuch; Yad Vashem Jerusalem; Gottwaldt/Schulle: Die Judendeportationen. Wiesbaden 2005.