Stolpersteine Giesebrechtstr. 15

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Hauseingang Giesebrechtstr. 15, Foto: B.Plewa
Bild: Bezirksamt

Vor dem Haus Giesebrechtstraße 15 wurden am 22.10.2004 Stolpersteine für Lotte, Waldemar, Lissy Ingeborg Wagner und Agnes Schlawanski verlegt. Sie wurden von Raymond Bacharach, Susanne Burghardt-Plewig, Dieter Königer, Prof. Dr. Klaus Pohle, Karin und Peter Stobbe, Heinz-Jürgen Wolf gespendet.

Am 08.05.2011 wurde der Stolperstein für Marion Ehrlich verlegt und von David Eckel gespendet.

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Stolperstein für Lotte Wagner, Foto: B.Plewa
Bild: Bezirksamt

HIER WOHNTE
LOTTE WAGNER
GEB. SCHLAWANSKI
JG. 1895
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Waldemar Wagner, Foto: B.Plewa
Bild: Bezirksamt

HIER WOHNTE
WALDEMAR
WAGNER
JG. 1880
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Lissy Ingeborg Wagner, Foto: B.Plewa
Bild: Bezirksamt

HIER WOHNTE
LISSY INGEBORG
WAGNER
JG. 1925
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

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Stolperstein für Agnes Schlawanski, Foto: B.Plewa
Bild: Bezirksamt

HIER WOHNTE
AGNES
SCHLAWANSKI
GEB. FORTHEIM
JG. 1870
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET SEPT. 1942
IN TREBLINKA

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Stolperstein für Marion Ehrlich, Foto:B.Plewa
Bild: Bezirksamt

HIER WOHNTE
MARION EHRLICH
JG.1928
DEPORTIERT 29.11.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Marion Ehrlich kam am 27. Januar 1928 in Berlin als Tochter des Rechtsanwalts Dr. Hugo Ehrlich und seiner Frau Gertrud, geb. Stern, zur Welt. Ihr Bruder Gerd war 1922 geboren worden. Seit 1937 wohnte die Familie in der Charlottenburger Giesebrechtstraße 15.

Als Marion Ehrlich eingeschult wurde, waren die Nationalsozialisten schon an der Macht. In ihren ersten Schuljahren wird sie vermutlich mehr als einmal die Schule gewechselt haben; zuletzt besuchte sie die Schule der Jüdischen Gemeinde in der Wilsnacker Straße.

Während des Pogroms im November 1938 wurde Marions Vater verhaftet und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert; erst 1940 wurde er wieder entlassen und starb Ende desselben Jahr an den Folgen der Haft. In diesem Jahr 1940 musste die Familie in ihrer 7-Zimmer-Wohnung in der Giesebrechtstraße immer enger zusammenrücken: nach und nach füllte sich die Wohnung mit jüdischen Untermietern, die ihre Wohnungen hatten verlassen müssen. Als die Ehrlichs dort auszogen, hatten zuletzt 14 Menschen in der Wohnung gelebt.

Im Oktober 1941 drohte der Familie – nach Angaben Gerd Ehrlichs – zum ersten Mal die Deportation, weil er als „politisch verdächtig“ galt. Mit Hilfe von Dr. Benno Walter, einem Freund der Familie und Kollegen von Hugo Ehrlich, gelang es, dies zu verhindern (Aimée und Jaguar, S. 105). Bis 1938 war Dr. Benno Walter als Rechtsanwalt tätig gewesen und dann in den Dienst der Jüdischen Gemeinde getreten, wo er als Vorstandsmitglied in der Abteilung Fürsorge tätig war. Vermutlich aufgrund der akuten Bedrohung der Familie Ehrlich gingen Gertrud Ehrlich und Dr. Benno Walter, wahrscheinlich Ende 1941 oder 1942, eine Ehe ein, denn Angestellte der Jüdischen Gemeinde und ihre Familien waren vorerst von Deportationen ausgenommen. Zuletzt lebte die Familie in der Levetzowstraße 11a.

Als im Juni 1942 die letzten noch verbliebenen jüdischen Schulen aufgelöst wurden, musste die 14-jährige Marion Ehrlich Zwangsarbeit leisten – auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Dort waren viele andere Gleichaltrige als Helfer eingesetzt, auf dem riesigen Friedhofsgelände waren die Jugendlichen meist unter sich und konnten wohl auch einige unbeschwerte Stunden erleben; sogar Sportgeräte standen zur Verfügung, die der Rabbiner Heinz Meyer aus den Beständen der nun geschlossenen Schulen besorgt hatte. Auf diesem Friedhof erlebte Marion Ehrlich ihre erste Liebe, mit dem ein Jahr älteren Harry Kindermann.

Im November 1942 ging dann alles, wie Gerd Ehrlich berichtete, sehr schnell: Auf einer Sitzung der Jüdischen Gemeinde am 19. November weigerte sich Benno Walter, ebenso wie andere Vorstandsmitglieder, an der Organisation der Deportationen mitzuwirken. Noch am selben Tag wurde er verhaftet und für den nächsten Transport nach Osten eingeteilt. Im Sammellager Große Hamburger Straße traf er seine Frau Gertrud und seine Stieftochter Marion, denen man sofort den Deportationsbeschluss zugestellt hatte. Marions Bruder Gerd blieb ein paar Tage in der elterlichen Wohnung, verkaufte die verbliebenen Wertsachen und bereitete so sein Leben als „U-Boot“, wie die untergetauchten Juden sich nannten, vor. (Aimée und Jaguar, S. 27–28)

Nach zehn Tagen im Sammellager wurden die Eheleute Walter zusammen mit der 14-jährigen Marion mit dem „23. Osttransport“ vom 29. November 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Gerd Ehrlich lebte knapp ein Jahr lang als „U-Boot“ in Berlin. Erst als er auf seine ehemalige Mitschülerin Stella stieß, die für die Gestapo als „Greiferin“ arbeitete, und der Verhaftung knapp entging, entschloss er sich zur Flucht ins Ausland. Im Oktober 1943 passierte er in Singen die grüne Grenze zur Schweiz. Er wanderte 1946 in die USA aus, wo er 18 Jahre lang an der Towson State University in Maryland unterrichtete. Er starb 1998.

Recherchen und Text: Helga Gläser

Quellen: Simone Ladwig-Winters: Anwalt ohne Recht. Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933, 2. ergänzte und erweiterte Aufl., Berlin 2007, S. 143/144, 279; Erica Fischer: Aimée und Jaguar. Eine Liebesgeschichte Berlin 1943, Köln 1994; Peter Wyden: Stella, New York 1992;
Britta Wauer, Amélie Losier: Der jüdische Friedhof Weißensee. Momente der Geschichte, Berlin 2010, S. 73–83, Foto S. 82
http://articles.baltimoresun.com/1998-07-11/news/1998192063_1_nazi-germany-ehrlich-underground , 21.2.2013
http://www.statistik-des-holocaust.de/OT23-8.jpg , 21.2.2013